Die Fussballfans in aller Welt lassen sich gern von der technischen Klasse und der farbenfrohen Leidenschaft begeistern, die afrikanische Teilnehmer und ihre Fans bei den WM-Turnieren versprühen. Bei der sehnlich erwarteten nächsten Weltmeisterschaft in Südafrika steht der Kontinent ganz besonders im Mittelpunkt, da das Turnier erstmals auf afrikanischem Boden stattfindet. 2010 wird die südafrikanische Mannschaft als eines von sechs afrikanischen Teams an der WM-Endrunde teilnehmen. Doch man darf nicht vergessen, dass Afrika bis 1958 noch nicht einmal einen eigenen Kontinentalverband hatte, von einem Qualifikationsturnier für die FIFA Fussball-WM ganz zu schweigen.

Fussballgeschichte wurde geschrieben, als mit Ghana und Nigeria zwei starke Rivalen das erste WM-Qualifikationsspiel südlich der Sahara bestritten. FIFA.com blickt zurück.

Das Geschehen
28. August 1960, Accra Sports Stadium, Accra
Ghana - Nigeria 4:1
Torschützen: Acquah 18., Boateng 44., Aggrey Fynn 54., Salisu 55., für Ghana;
Fayemi 50., für Nigeria
Ghana: Laryea, Simmons, Oblitey, Ankrah, Odametey, Tanko, Yara, Acquah, Aggrey Fynn, Boateng, Salisu
Nigeria: Onagoruwa, Onyeama, Achebe, Duru, Fobiri, Anyiam, Omeokachie, Enamako, Fayemi, Nnamoko, Ekpe

Die Kulisse
In Afrika begann in den 50er- und 60er-Jahren eine neue Zeitrechnung, als immer mehr Staaten das Joch der Kolonialherrschaft abschüttelten und ihre nationale Unabhängigkeit erlangten. Erst 1958 war der afrikanische Kontinentalverband CAF (Confederation of African Football) gegründet worden, und erstmals wurde ein afrikanisches Qualifikationsturnier für die WM-Endrunde ausgespielt. Allerdings musste der Sieger der Afrika-Zone anschließend noch zu zwei Entscheidungsspielen gegen eine europäische Mannschaft antreten, in dem ein Startplatz bei der WM 1962 vergeben wurde.

Als dieses Spiel stattfand, war Ghana kurz zuvor unabhängig geworden, und es sollte nur noch wenige Tage dauern, bis auch Nigeria seine Selbstbestimmung erreicht hatte. Die beiden westafrikanischen Länder pflegten bereits damals ihre intensive und lang andauernde Rivalität. Noch bevor sie die Mitgliedschaft in der FIFA erlangten und der Weltfussballfamilie beitraten, waren sie Jahr für Jahr beim Jalco Cup gegeneinander angetreten. Knapp zwölf Monate vor ihrem ersten Aufeinandertreffen im Rahmen einer FIFA WM-Qualifikation hatte es ein packendes Duell in der Qualifikation für die Olympischen Spiele gegeben, in dem Ghana eine 1:3-Hinspielniederlage noch aufholen und sich im Gesamtergebnis mit 5:4 gegen Nigeria durchsetzen konnte.

Nigeria seinerseits hatte 1949 erstmals eine Nationalmannschaft aufgestellt, der während einer Reise nach England vom englischen Fussballverban FA ein Trainer "gestiftet" worden war. Allerdings spielten die Nigerianer zu jener Zeit noch barfuß. Ein Jahrzehnt später hatte gerade der Israeli Moshe Beth-Halevi das Traineramt übernommen, allerdings erst wenige Tage vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel. Ghana vertraute damals noch auf die Hilfe einer traditionellen Fussballnation: hier bekleidete der Ungar Joseph Ember das Amt des Nationaltrainers.

Die Handlung
Ghana hatte sich in den vorangegangenen Jahren für Nigeria nicht unbedingt als ein guter Jagdgrund erwiesen. In der Vorbereitung auf die WM-Qualifikation hatten die Nigerianer zudem eine klare Niederlage gegen Ägypten bezogen.

Die Ghanaer hofften ihrerseits auf einen erfolgreichen Start in die Qualifikation und schöpften besondere Motivation aus der Tatsache, dass sie Nigeria fünf Jahre zuvor mit 7:0 vom Platz gefegt hatten. Doch Ghana musste ohne den Starspieler CK Gyamfi auskommen, der in Deutschland für Fortuna Düsseldorf spielte. Dennoch stand eine ganze Reihe exzellenter Spieler im Kader Ghanas, darunter Baba Yara von Kumasi Kotoko und Edward Aggrey Fynn.

Zum ersten WM-Qualifikationsspiel südlich der Sahara waren gut 40.000 Fans ins Stadion gekommen. Schiedsrichter der geschichtsträchtigen Partie war der Engländer Arthur Holland. Nach nur 18 Minuten ging Ghana durch Edward Acquah in Führung, der einen seiner typischen Linksschüsse in die Maschen setzte. Kurz vor der Pause baute Edward Boateng die Führung auf 2:0 aus und sorgte damit für große Begeisterungsstürme auf den Rängen.

Kurz nach der Pause war der Jubel indes jäh zu Ende, als Dejo Fayemi einen schnellen Vorstoß der Gäste mit dem Anschlusstreffer zum 1:2 abschloss und damit Nigeria wieder ins Spiel brachte. Doch Ghana brauchte nicht lange, um den Zwei-Tore-Vorsprung wiederherzustellen: Kapitän Fynn erzielte nur wenige Minuten später das 3:1, und gleich im nächsten Angriff nach dem Wiederanstoß erhöhte Mohamadu Salisu sogar auf 4:1 und sorgte damit für die Entscheidung.

Der Star
Edward Aggrey Fynn wurde wegen seiner Übersicht und seiner Dribbelstärke respektvoll der Meister genannt. Er spielte im Zentrum des Geschehens als so genannter Mittelläufer (später Libero), auf einer Position, die heute eher dem Mittelfeld zugerechnet wird. Er galt als "Gentleman-Stratege" und wurde auch Professor genannt. Wenn Gyamfi nicht in der Mannschaft stand, übernahm er auch die Kapitänsbinde. Fynn spielte beim Afrikanischen Nationen-Pokal und auch bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio. Nach einem Verkehrsunfall musste er seine Karriere vorzeitig beenden. Er wurde Trainer und betreute den Klub Asante Kotoko, mit dem er den CAF Champions Cup gewann. Später schaffte er es bis auf den Trainerstuhl der ghanaischen Nationalmannschaft.

Was geschah danach?
Ghana trat am 10. September 1960 zum Rückspiel in Nigeria an. Obwohl die Ghanaer wegen einiger Verletzungen nur eine ersatzgeschwächte Mannschaft aufbieten konnten, kam Nigeria nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus. Die Black Stars qualifizierten sich für die zwei Playoff-Spiele gegen Marokko, die die Nordafrikaner mit dem Gesamtergebnis von 1:0 nur denkbar knapp für sich entscheiden konnten. In den Entscheidungsspielen um einen Platz bei der WM-Endrunde 1962 unterlag Marokko dann allerdings mit 2:4 in der Addition gegen Spanien.