Wenige Ereignisse haben die Welt des Fussballs in Costa Rica so beeinflusst wie jener berühmte Sieg - der so genannte Aztecazo - im Jahr 2001. In diesem mittelamerikanischen Land wird die Zeit in die zwei Epochen vor und nach diesem historischen Ereignis unterteilt, bei dem Alexandre Guimaraes, Hernán Medford und die anderen Spieler, die dabei waren, sich für immer in das kollektive Gedächtnis eines ganzen Volkes eingraviert haben.

Es war der 17. Juni 2001, Schauplatz war das mythische Azteken-Stadion in Mexiko-City, in dem die heimische Nationalelf noch nie ein Qualifikationsspiel verloren hatte. 14 Spieler Costa Ricas waren jedoch entschlossen, diesem Nimbus ein Ende zu bereiten und am Ende des Tages hatten sie mit einer kampfstarken und fussballerisch überzeugenden Leistung dem Schwergewicht der CONCACAF einen schweren Schlag versetzt.

Das Geschehen
17. Juni 2001, Azteken-Stadion, Mexiko-City
Mexiko - Costa Rica 1:2

Torschützen: José Manuel Abundis (6.) für Mexiko
Rolando Fonseca (72.), Hernán Medford (87.) für Costa Rica

Mexiko: Oswaldo Sánchez, Pavel Pardo, Claudio Suárez, Duilio Davino, Salvador Carmona; Marco Antonio Ruíz, Joaquín Del Olmo (Francisco Palencia, 75.), Víctor Ruiz, Miguel Zepeda (Cesáreo Victorino, 52.); José Manuel Abundis (Daniel Osorno, 68.), Luis Hernández. Trainer: Enrique Meza
Costa Rica: Erick Lonnis, Jervis Drummond, Luis Marín, Reynaldo Parks, Carlos Castro (William Sunsing. 59.), Gilberto Martínez, Wilmer López, Mauricio Solís, Rodrigo Cordero (Rolando Fonseca, 41.), Steven Bryce, Paulo César Wanchope (Hernán Medford, 81.). Trainer: Alexandre Guimaraes

Die Kulisse
Costa Rica reiste in die mexikanische Hauptstadt, wo man viel zu gewinnen und nur wenig zu verlieren hatte. Die von Alexandre Guimaraes betreute Mannschaft hatte die Qualifikation mit einem Unentschieden zu Hause gegen Honduras begonnen. Dann folgten ein Heimsieg gegen Trinidad und Tobago sowie eine Niederlage in den Vereinigten Staaten. Ein überzeugender Start war das nicht unbedingt, und so erwartete auch niemand einen Sieg in der uneinnehmbaren Festung des Azteken-Stadions, in der Mexiko noch nie ein Qualifikationsspiel verloren hatte.

Die Ausgangslage der von Enrique Meza betreuten Hausherren war jedoch auch alles andere als vielversprechend. Die Tricolor machte eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte durch, nachdem man beim FIFA Konföderationen-Pokal alle drei Partien verloren hatte und auch in die WM-Qualifikation sehr holprig gestartet war. Zunächst gab es eine Niederlage in den USA, dann folgten ein Sieg gegen Jamaika und ein Unentschieden in Trinidad und Tobago. Die Ausgangslage war also in etwa gleich, wenn nicht der Heimvorteil der Mexikaner ein scheinbar unüberwindbares Hindernis für die Ticos dargestellt hätte.

Die Handlung
Zum ersten Mal in vielen Jahren fand dieser Klassiker der CONCACAF nicht vor ausverkauften Rängen statt. Enttäuscht von den schwachen Leistungen ihres Teams strömten die Mexikaner nicht in Massen in den Koloss in Santa Úrsula, der an diesem Tag halb leer blieb. Es war ein erster Hinweis auf das, was folgen sollte, und ein zusätzlicher Anreiz für die ehrgeizigen Gäste.

Die Partie jedoch begann ganz im Sinne der Hausherren. Es waren gerade einmal sechs Minuten gespielt, als José Manuel Abundis das Team von Enrique Meza nach einer Flanke von Víctor Ruiz in Führung schoss. Beim Jubel über den Treffer zeigte er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Wir unterstützen Sie, Trainer", mit dem er seinem aufgrund der letzten enttäuschenden Ergebnisse arg in die Schusslinie geratenen Coach Rückendeckung geben wollte.

Costa Rica war kalt erwischt worden und fand keinen Rhythmus, so dass auch die restliche Halbzeit den Mexikanern gehörte, die jedoch kein Kapital daraus schlagen konnten. Der Trainer Costa Ricas, Alexandre Guimaraes, ersetzte noch vor der Pause den indisponierten Rodrigo Cordero durch Rolando Fonseca und von diesem Augenblick an war es ein anderes Spiel. Der spielstarke Mittelfeldakteur spielte die mexikanische Abwehr ein ums andere Mal schwindlig und erzielte in der zweiten Halbzeit dann auch folgerichtig, nach einem Pass des ebenfalls eingewechselten William Sunsing, den Ausgleich.

Mexiko bekam es nun mit der Angst zu tun, und die Ticos, die ihre historische Chance witterten, wurden immer stärker. Dann bewies Guimaraes erneut ein goldenes Händchen, das die Partie entscheiden sollte. Er beschloss, den Routinier Hernán Medford, der über große Erfahrung in der mexikanischen Liga verfügte, für Superstar Paulo Wanchope einzuwechseln. Sechs Minuten später nutzte El Pelícano einen Abpraller von Oswaldo Sánchez, um seinem Land den unerwarteten und historischen Triumph zu sichern. Niemals wird man in Costa Rica die Freude jenes 17. Juni 2001 vergessen!

Der Star
Auch wenn man Hernán Medford wegen seines entscheidenden Tores in den letzten Minuten des Spiels nie vergessen wird, besteht kein Zweifel daran, dass der eigentliche Matchwinner Costa Ricas Rolando Fonseca war. El Rolo kam in der 41. Minute aufs Feld und drehte die Partie dank seiner Schnelligkeit und der Überraschungsmomente, die er ins Spiel brachte. Er erzielte den Ausgleichstreffer, und es war sein Schuss, den Oswaldo Sánchez nicht festhalten konnte und der zum Siegtreffer führte. In ihrer Analyse der Partie gab ihm die Zeitung La Nación mit zehn Punkten die bestmögliche Bewertung.

Die Reaktionen
Der einzige Gigant hier ist Gott. Mexiko hat nichts mehr zu sagen. Rolando Fonseca, (Mittelfeldspieler, Costa Rica)

Allen Menschen in Costa Rica, die an uns glauben, möchte ich sagen: Genießt das alles, heute haben wir Geschichte geschrieben. Wir sind auf einem guten Weg. Hernán Medford (Stürmer, Costa Rica)

Was geschah danach?
Nach diesem Sieg folgte für Costa Rica eine beeindruckende Serie, nach der man in der Sechser-Gruppe den ersten Platz belegte. Die dabei erzielten 23 Punkte waren die beste Ausbeute, die je ein Team in dieser Zone verzeichnen konnte. Beim FIFA-Weltpokal Korea/Japan 2002 schied Costa Rica aufgrund der schlechteren Tordifferenz aus. Dabei wusste man in einer sehr schweren Gruppe mit Brasilien und dem späteren Drittplatzierten Türkei, durchaus zu überzeugen.

Mexiko verlor das nächste Spiel in Honduras, was Trainer Enrique Meza den Job kostete. Sein Nachfolger Javier Aguirre brachte das Schiff wieder auf Kurs, und so qualifizierte man sich für Korea/Japan 2002. Dort belegte man den ersten Platz in einer Gruppe, in der man es auch mit der italienischen Mannschaft zu tun bekam, unterlag dann jedoch dem Erzrivalen USA. Seitdem hat die Tri kein offizielles Länderspiel mehr im Azteken-Stadion verloren.