Als amtierender Europameister verloren die Deutschen ihr WM-Gruppenspiel gegen Debütant Algerien und gingen als erstes Team aus Europa, das bei einer WM-Endrunde gegen einen afrikanischen Vertreter unterlag, in die Fussballgeschichte ein.

Die Ausgangslage
Angesichts der Ausgangslage hatten im Vorfeld nicht einmal die optimistischsten Fans der Algerier etwas anderes als einen klaren Sieg der Deutschen erwartet. Schließlich standen in der DFB-Auswahl einige der größten Fussballstars der damaligen Zeit, beispielsweise Paul Breitner, Horst Hrubesch und Karl-Heinz Rummenigge, Europas Fussballer des Jahres 1981 und 1982. Die Namen der Führungsspieler der Wüstenfüchse aus Nordafrika hingegen, beispielsweise Rabah Madjer, Lakhdar Belloumi und Ali Fergani, waren außerhalb Algeriens kaum bekannt.

Die Handlung
Vor 42.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion El Molinon in Gijon entwickelte sich die Auftaktpartie der Gruppe B zu einem von der Taktik geprägten Spiel. Die Deutschen dominierten das Geschehen in der ersten Halbzeit, die jedoch torlos blieb.

Nach der Pause präsentierten sich die Schützlinge von Trainer Rachid Mekhloufi wie verwandelt und fest entschlossen, hier etwas zu erreichen. Sie stießen mit schnellen Kontern in die Lücken vor, die in der Hintermannschaft des fast pausenlos angreifenden Europameisters entstanden.

Diese Taktik trug bereits in der neunten Minute der zweiten Halbzeit Früchte, als Madjer die sensationelle Führung für Algerien erzielte. Lakhdar Belloumi hatte nach einem perfekten Pass von Djamel Zidane nur noch Torhüter Toni Schumacher vor sich, doch der deutsche Schlussmann warf sich in den Belloumis Schuss und konnte ihn abwehren. Der Abpraller allerdings sprang direkt in den Lauf des heranstürmenden Madjer, der den Ball in die Maschen jagte.

Die Deutschen ließen sich durch den Gegentreffer nicht entmutigen sondern erhöhten den Druck auf das algerische Tor sogar noch weiter. Nach einer Flanke von Felix Magath erzielte Rummenigge, der mit Hrubesch die Position getauscht hatte, den Ausgleich für den hohen Favoriten.

Doch kaum eine Minute später ging Algerien erneut in Führung, und zwar durch ein Tor, das eine genaue Kopie von Rummenigges Treffer unmittelbar zuvor war. Salah Assad war auf dem linken Flügel fast bis zur Grundlinie durchgelaufen und hatte dann eine Flanke auf Belloumi gespielt, der den Ball nur noch in die Maschen schieben musste. Es blieb das letzte und damit entscheidende Tor der Partie, das dem Schützen in Algerien lebenslangen Heldenstatus einbrachte.

Die Reaktionen
"Wenn wir dieses Spiel verlieren, stürze ich mich ins Mittelmeer."
Jupp Derwall (Trainer, Bundesrepublik Deutschland)

"Wir haben Fussball mit einem ganz neuen Stil gespielt, wie ihn nie zuvor jemand gesehen hat. Es ist eine Mischung aus deutschem, italienischem und lateinamerikanischem Fussball."
Ali Fergani (Kapitän, Algerien)

"Wir sind eine sehr entschlossene Mannschaft und spielen schon seit 1979 zusammen. Wir haben völlig ohne Furcht gespielt und die Partie mit unserem ganz eigenen Stil gewonnen. Ich glaube, dass Deutschland die beste Mannschaft bei diesem Turnier hat, was unseren Sieg natürlich noch süßer macht."
Rabah Madjer (Spieler, Algerien)

Was geschah danach?
Die Algerier verloren ihr nächstes Spiel gegen Österreich mit 0:2 und gewannen dann gegen Chile mit 3:2. Das DFB-Team besiegte Chile klar mit 4:1 und trennte sich im letzten Gruppenspiel mit einem 1:0-Sieg von Österreich. Die Alpenrepublik hatte ihr Spiel gegen Chile mit 1:0 gewonnen. Damit waren BR Deutschland und Österreich für die nächste Runde qualifiziert, beide allerdings nur aufgrund der besseren Tordifferenz im Vergleich zu Algerien.

Das deutsche Team beendete auch die zweite Finalrunde als Gruppensieger und zog damit ins Halbfinale gegen Frankreich mit Michel Platini ein. Dieses unvergessliche Spiel endete mit einem 3:3 nach Verlängerung. Das Elfmeterschießen gewann der damalige Europameister Deutschland dank eiserner Nerven mit 5:4.

Nach dem ungemein kräftezehrenden Halbfinale gegen Les Bleus konnten die Deutschen im Endspiel gegen die Azzurri mit einem überragenden Paolo Rossi nicht mehr mithalten und unterlagen deutlich mit 1:3.