Die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1982™ nimmt einen bedeutenden Platz in den Annalen des neuseeländischen Fussballs ein, doch auch für den Erzrivalen Australien spielte dieses Turnier eine wichtige Rolle.

Im Mai 1981 war die Erwartungshaltung der Australier sehr groß, sich nach acht Jahren erneut für eine FIFA Weltmeisterschaft zu qualifizieren, während die Neuseeländer zwar dasselbe Ziel hatten, sich jedoch wesentlich geringere Hoffnungen machen konnten. FIFA.com wirft einen Blick auf ein Schlüsselspiel dieser WM-Qualifikation, das für beide Nationen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, von historischer Bedeutung war.

Das Geschehen
16. Mai 1981, Sydney Cricket Ground (Australien)
Australien - Neuseeland 0:2
Tore: Steve Wooddin (29.), Grant Turner (81.)
Australien: Greg Woodhouse, Alan Davidson, John Yzendoorn, Steve Henderson, Steve Blair, Jim Tansey, Billy Rogers (Gary Cole 46.), Murray Barnes, Eddie Krncevic (Ken Boden 64.), Mark Jankovics, Peter Sharne.
Trainer: Rudi Gutendorf
Neuseeland: Richard Wilson, John Hill, Ricki Herbert, Robert Almond, Glen Dods, Duncan Cole, Steve Sumner, Keith McKay (Samuel Malcolmson 84.), Grant Turner, Brian Turner (Clive Campbell 85.), Steve Wooddin.
Trainer: John Adshead

Die Kulisse
Die australischen Fans hatten an diesem herbstlichen Tag im Sydney Cricket Ground allen Grund, optimistisch zu sein. Die Heimmannschaft hatte drei Wochen zuvor in Auckland ein 3:3-Unentschieden erreicht, wobei Steve Summer den Neuseeländern erst zehn Minuten vor dem Schlusspfiff einen Punkt gerettet hatte. Die Socceroos waren gut vorbereitet, nachdem sie mit dem weit gereisten deutschen Mentor Rudi Gutendorf viel Zeit in Trainingslagern verbracht hatten, während die Vorbereitung der Kiwis vergleichsweise dürftig ausfiel.

Die beiden Mannschaften kämpften wie erwartet um den ersten Platz einer insgesamt fünf Teams umfassenden Gruppe mit Indonesien, Chinese Taipei und Fidschi. Dem Sieger winkte der Einzug in die zweite und letzte Qualifikationsrunde. Als ob die glühende Hitze eines FIFA WM-Qualifikationsspiels nicht genug wäre, war die ewige Rivalität zwischen Australien und Neuseeland nach dem unrühmlichen "Underarm Incident" in einem Cricket-Spiel einige Monate zuvor zusätzlich angeheizt, bei dem der australische Kapitän einen Spieler angewiesen hatte, den entscheidenden letzten Wurf in unfairer Weise als rollenden Ball auszuführen.

Die Handlung
Das Spiel auf dem holprigen Rasen des Cricket-Stadions von Sydney entwickelte sich zu einer knappen Angelegenheit, als die Gastgeber nach dem Führungstreffer durch Steve Wooddin plötzlich mit dem Rücken zur Wand standen. Wooddins Treffer resultierte aus einem sehenswerten Schuss, bei dem der australische Torhüter Greg Woodhouse kaum Zeit hatte, sich zu bewegen, ehe der Ball bereits im Netz zappelte.

Gutendorf brachte die treffsicheren Stürmer Gary Cole und Ken Boden ins Spiel, doch schließlich sorgte Grant Turner mit einem bemerkenswerten Kopfball für die endgültige Entscheidung. Als der bekannte englische Schiedsrichter George Courtney die Partie abpfiff, bedeutete dies auch das Ende aller australischen WM-Hoffnungen, während die Neuseeländer nun vor Selbstvertrauen strotzten und zuversichtlich in die nächste Qualifikationsrunde gehen konnten.

Der Star
Der zweikampfstarke Mittelfeldspieler Turner avancierte mit seinem Kopfballtreffer, den sein Mannschaftskamerad Steve Summer als "bis heute eines der schönsten Kopfballtore, die ich jemals gesehen habe" bezeichnet, zum Helden seiner Mannschaft. Der damals 22-jährige Youngster von Gisborne City konnte bei der WM in Spanien jedoch nicht mit dabei sein, da er sich kurz vor dem Turnier eine Fußverletzung zuzog.

Die Reaktionen
"Wenn [Trainer] John Adshead die Spieler auffordern würde, hinaus zu gehen und für ihn zu sterben, hätte keiner von ihnen gezögert." Adrian Elrick (Spieler, Neuseeland)

"Ich verstehe nicht, wie wir so spielen konnten. Wir haben gespielt wie Amateure gegen eine Profi-Mannschaft." Rudi Gutendorf (Trainer, Australien)

Was danach geschah
Nach diesem Ergebnis war die WM-Qualifikation für Australien endgültig vorbei. Letzten Endes betrug der Rückstand auf Neuseeland vier Punkte. Die Niederlage kostete Gutendorf auch seinen Arbeitsplatz, nachdem die australische Presse von einer "Katastrophe" berichtet hatte. Es sollte die einzige Heimniederlage der Australier in den folgenden 27 Jahren und 36 FIFA WM-Qualifikationsspielen bleiben, bis China VR im vergangenen Jahr erneut auf australischem Boden gewinnen konnte.

Neuseeland qualifizierte sich schließlich souverän für die WM 1982 in Spanien und stellte dabei einige Rekorde auf. Die Kiwis konnten sich nun rühmen, auf dem Weg zur WM-Endrunde mehr Spiele als jede andere Nation bestritten zu haben.

In der nächsten Qualifikationsrunde landeten die Neuseeländer hinter Kuwait und vor Saudiarabien, doch nachdem die punktegleichen Chinesen auch die gleiche Tordifferenz aufwiesen, kam es auf neutralem Boden in Singapur zu einem Playoff-Spiel gegen das bevölkerungsreichste Land der Welt, in dem der heutige Trainer der All Whites, Ricki Herbert, den entscheidenden Treffer erzielte. Die Neuseeländer kamen somit bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Spanien 1982 zu ihrem WM-Debüt, wo sie jedoch in eine sehr schwere Gruppe mit Schottland (2:5), der UdSSR (0:3) und Brasilien (0:4) gelost wurden.