Spanien, das als Mannschaft trotz hervorragender Einzelspieler bereits so oft hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, enttäuschte auch beim FIFA Weltpokal France '98™ und konnte sich von der überraschenden Niederlage gegen Nigeria im Auftaktspiel nicht mehr erholen.

Nachdem sie die Qualifikation ohne eine einzige Niederlage souverän gemeistert hatten, traten die Spanier die kurze Reise über die Pyrenäen an, wo sie der große Favorit in einer Gruppe waren, in der sie neben Nigeria auch gegen Bulgarien und Paraguay antreten mussten. Spieler wie Fernando Hierro und Raúl Gonzalez, die mit Real Madrid wenige Wochen zuvor die Champions League gewonnen hatten, sorgten bei den Spaniern für Optimismus, dennoch mussten sie sich den Nigerianern in einem torreichen Fussballkrimi in Nantes geschlagen geben.

Mit orange gefärbten Haar gegen Spanien

Spanien traf erstmals bei einem FIFA Weltpokal™-Turnier auf eine afrikanische Mannschaft, und die Iberer wären gut beraten gewesen, die Super Eagles nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Nigeria, das bevölkerungsreichste afrikanische Land, hatte bei seinem WM-Debüt im Jahr 1994 die zweite Runde erreicht, war aber im Achtelfinale unglücklich gegen Italien ausgeschieden. Nachdem die Nigerianer bei den Olympischen Spielen 1996 mit Siegen gegen Brasilien und Argentinien die Goldmedaille eroberten, traute man ihnen zu, auch in Frankreich weit zu kommen.

Mit talentierten Spielern in ihren Reihen, wie etwa Spielmacher Jay Jay Okocha, der sich die Haare orange färbte, und der Erfahrung des serbischen Trainers Bora Milutinovic, der bereits mit der vierten Mannschaft an einer FIFA Weltpokal™-Endrunde teilnahm, galt Nigeria als aussichtsreichster Kandidat, die Erfolge von Kamerun bei der WM 1990 zu wiederholen.

Doch den besseren Start im Stade de la Beaujoire erwischten die Spanier. Mit ihrem eleganten Kurzpassspiel bereiteten sie den Afrikanern immer wieder Probleme; bereits in der zweiten Spielminute hatte Raúl eine gute Tormöglichkeit, scheiterte jedoch an Torhüter Peter Rufai. Nachdem Raúl einen Kopfball an die Latte setzte, machten sich die spanischen Angriffsbemühungen in der 21. Minute endlich bezahlt. Angreifer Alfonso Perez wurde von Mobi Oaraku knapp außerhalb des Strafraums gefoult; die daraus resultierende Standardsituation war eine Sache für den Freistoßspezialisten Hierro. Der damalige spanische Rekordtorschütze zirkelte den Ball flach um die Mauer herum, genau an der Stelle, die Alfonso frei gemacht hatte, und konnte Rufai somit bezwingen.

Milutinovic zeigte der Mannschaft vor dem Spiel ein Video mit Glückwünschen von den Familien der Spieler - eine ungewöhnliche Methode, die jedoch Wirkung zu zeigen schien: Nigeria fand ins Spiel zurück und erzielte nur vier Minuten später den Ausgleichstreffer. Mutiu Adepoju setzte sich am kurzen Pfosten gegen zwei Spanier durch und brachte den Eckstoß von Garba Lawal per Kopf im Tor von Andoni Zubizarreta unter. Albert Ferrer versuchte verzweifelt, den Ball noch wegzuköpfen, konnte ihn jedoch nur ins eigene Tor lenken.

"Super Eagles" schaffen den Gruppensieg - Spanien enttäuscht

Nigeria, durch den Ausgleichstreffer ermutigt, drängte nun auf ein zweites Tor, doch Victor Ikpeba traf nur das Außennetz. Zwei Minuten nach Wiederanpfiff waren wieder die Spanier am Zug, die durch einen großartigen Abschluss von Raúl erneut in Führung gingen. Die Nummer 10 nahm einen tollen langen Pass seines Mannschaftskameraden von Real Madrid, Hierro, zunächst mit dem linken Fuß an und hämmerte ihn anschließend in Rufais Tor. Die Spanier dominierten nun das Geschehen, doch die "Olé"-Rufe von den spanischen Rängen sollten sich noch als verfrüht erweisen.

Nach einem Fehler von Zubizarreta ließen die Iberer ihre Gegner in der 73. Minute wieder zurück ins Spiel kommen. Lawal leitete den Angriff durch einen Doppelpass mit dem eingewechselten Rasheed Yekini ein und setzte sich auf dem Weg zur Grundlinie gegen Ivan Campo durch. Sein harmloser Querpass schien zunächst keine Gefahr darzustellen, doch dann lenkte Zubizarreta den Ball völlig unerwartet ins eigene Tor ab. Trainer Clemente hatte vor dem Turnier für viel Diskussionsstoff gesorgt, als er den 36-jährigen Zubizarreta seinem Konkurrenten Santiago Cañizares vorzog, und nun hatte es den Anschein, als wären seine Kritiker im Recht gewesen.

Raúl vergab nach einer Flanke von Joseba Etxeberría alleine vor dem Tor stehend, doch auch die Nigerianer spielten nun nach vorn und wurden durch den Siegtreffer von Sunday Oliseh zwölf Minuten vor dem Schlusspfiff für ihre Bemühungen belohnt. Ein langer Ball in den spanischen Strafraum wurde zunächst per Kopf geklärt, doch der Mittelfeldspieler feuerte den Ball aus etwa 23 Metern mit einem Halbvolley in Richtung Tor zurück und ließ Zubizarreta keine Chance.

Das war der Todesstoß für die Spanier. Gesenkten Hauptes gelang gegen Paraguay nur ein torloses Unentschieden, womit selbst der überzeugende 6:1-Kantersieg gegen Bulgarien - bei dem Zubizarreta sein 126. und letztes Länderspiel absolvierte - nicht genügte, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren. Die Super Eagles hingegen sicherten sich als Gruppensieger den Einzug in die Runde der letzten 16, konnten dort aber den hohen Erwartungen nicht gerecht werden und mussten sich Dänemark in Paris mit 1:4 geschlagen geben. Nigeria musste somit ebenso wie die Spanier die Heimreise antreten. Obwohl das Turnier für beide Mannschaften letzten Endes mit einer Enttäuschung endete, sorgten sie in Nantes immerhin für 90 äußerst unterhaltsame Minuten.