Die Geschichte des Fussballs in Südafrika beginnt gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Gründung des ersten anerkannten Fussballklubs namens Pietermaritzburg County im Jahre 1879. Dieses Team, das sich ausschließlich aus eingewanderten Europäern zusammensetzte, absolvierte seine ersten Spiele gegen verschiedene Auswahlmannschaften der britischen Kolonialtruppen.
1882 kam es zur Gründung des Fussballverbandes von Natal (Natal Football Association) und der Aufnahme eines Spielbetriebs mit vier Mannschaften - Pietermaritzburg County, Natal Wasps, Durban Alpha und Umgeni Stars. Ein Jahr später konnte die Liga bereits auf zehn Vereine erweitert werden.
Kurz danach erreichte die Begeisterung für den Fussball auch die Hafenstadt Port Elizabeth, wo ein Schotte namens Dickinson (sein Vorname ist für immer aus den Annalen verschwunden) ebenfalls die Gründung einer Liga anregte, damit jedoch keinen Erfolg hatte. 1890 gründeten zwei Engländer in Kapstadt einen Klub namens Pioneers FC, der sich sofort daran machte, die Dominanz der britischen Militärmannschaften auf den südafrikanischen Fussballplätzen zu durchbrechen.
Ein Jahr zuvor - 1889 - hatte sich in Johannesburg der Fussballverband von Transvaal (Transvaal FA) gegründet und den Transvaal Challenge Cup ins Leben gerufen. Zu den ersten Siegern dieses Wettbewerbs zählten die Wanderers Wasps (1889) und die Rangers (1890, 1892-1894 und 1896). Die Rangers existierten über einhundert Jahre lang und gewannen noch 1986 die Meisterschaft der zweiten Liga.
Der Südafrikanische Fussballverband (South African Football Association - SAFA) wurde bereits 1882 gegründet und später als "Football Association of South Africa" bekannt - doch erst seit seiner Neugründung exakt einhundert Jahre später repräsentiert er, unter seinem ursprünglichen Namen, als Dachverband die vielen verschiedenen Fussballverbände dieses Landes. In den Anfangsjahren sorgten Besuchsreisen des englischen Klubs Corinthians 1897, 1903 und 1907 dafür, dass sich erstmals ein - allerdings ausschließlich mit Weißen besetztes - südafrikanisches Nationalteam bildete.
In jenen Tagen wurde die schwarze Bevölkerung weitgehend vom Fussballspielen abgehalten, und in manchen Orten war es ihr sogar verboten, sich ein Fussballmatch anzusehen. Dennoch zeigten sich die Menschen von diesem Sport fasziniert, der ihr natürliches Bewegungstalent ansprach - und es sollte nicht lange dauern, bis die ersten Schwarzen dem "runden Leder" nachjagten. Es war auch ein schwarzes Team, das so genannte "Orange Free State Bantu Soccer Team", dem die Ehre zukommt, als erste südafrikanische Fussballmannschaft im Ausland gespielt zu haben: Die Elf reiste 1898 nach England, wo sie unter dem - heute als abfällig geltenden - Namen "Kaffern" bekannt wurde.
1903 erfolgte die Gründung der South African Indian Football
Association ("Fussballverband der südafrikanischen
Inder") - eine Ausprägung der Rassentrennung, die Teil des
südafrikanischen Sozialgefüges war und die die Entwicklung des
Fussballs in den kommenden 90 Jahren merklich hemmen sollte.
1933 wurde der South African Bantu FA ("Fussballverband
der südafrikanischen Bantu") als Dachverband der schwarzen
Fussballer gegründet, und im selben Jahr kam es zur Gründung des
South African Coloured FA ("Fussballverband der
südafrikanischen Farbigen") für die Spieler gemischter
Abstammung.
Die zweite Fussballelf, die aus Südafrika zu einer Auslandreise antrat, war eine nur aus Weißen bestehende Mannschaft, die Südamerika bereiste. Dieses von Harry Healey angeführte Team dürfte eine der erfolgreichsten Mannschaften sein, die Südafrika je hervorgebracht hat. Im Verlauf der neunwöchigen Reise traf die Elf nach der Atlantiküberquerung zunächst in Brasilien ein, wo sich die lokalen Gegner als hoffnungslos unterlegen erwiesen.
In Uruguay und Argentinien spielte das Team gegen die jeweiligen
Nationalmannschaften der Gastgeber und gewann beide Matches mit
überzeugenden Ergebnissen. So siegten die Südafrikaner in Buenos
Aires mit 4:1 gegen Argentinien - ein heute nahezu undenkbares
Resultat.
Bis einschließlich 1963 trat immer nur eine rein aus weißen
Spielern zusammengestellte Elf als Nationalmannschaft Südafrikas
auf. Dieses Team absolvierte entweder Spiele gegen durchreisende
europäische Klubteams oder wirkliche Länderspiele gegen Gegner wie
Australien, Neuseeland, die Niederlande, Portugal und Nordirland.
Das letzte Länderspiel Südafrikas vor Beginn der sportlichen
Isolation fand 1954 statt; der Gegner hieß damals Israel.
Die integrative Kraft des Fussballs war seit jeher etwas, auf das die Ausübenden dieser Sportart stolz sein konnten - und der Fussball hat mit Sicherheit dazu beigetragen, die Rassenschranken der Apartheid zu durchbrechen, auch wenn dieser Prozess sehr langsam verlief. Obwohl die Weißen in den Anfangsjahren unter sich blieben, kam es unter Federführung des Interracial Soccer Board ("Rassenübergreifendes Fussballgremium") ab 1946 zur Austragung von Spielen der jeweiligen Verbandsmannschaften. In der Provinz Natal spielten der Indische, der Afrikanische und der Farbige Fussballverband die Singh Trophy aus, und in der ehemaligen Provinz Transvaal traten die gleichen Verbände um die Reverend Sigamoney Trophy an.
Diese Aktivitäten führten 1951 zur Gründung der South African Soccer Federation (Südafrikanische Fussball-Föderation), die eine führende Rolle im Kampf gegen die Apartheid im Sport übernahm und 1955 in Paris erstmals für ihren Einsatz belohnt wurde, als das Internationale Olympische Komitee die Tatsache anerkannte und schriftlich fixierte, dass "nicht-weiße" Sportler in Südafrika diskriminiert wurden.
Doch es war der nur für Weiße zugängliche FASA, der zusammen mit Ägypten, Äthiopien und dem Sudan 1956 in einem Hotel in Lissabon die Afrikanische Fussballkonföderation CAF ins Leben rief. Allerdings wurde Südafrika schon bald danach aus diesem Verband ausgeschlossen und infolge der Suspendierung durch die FIFA beim Kongress in Tokio 1964 auch an der Teilnahme zur Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft England 1966 ™ gehindert. Rund ein Jahrzehnt danach wurde der FASA auch formell aus der FIFA ausgeschlossen.
1959 kam es zur Gründung der ersten Profifussball-Liga in Südafrika, der "weißen" National Football League. Von den damaligen 12 Gründervereinen existiert heute kein einziger mehr. Während der ersten Saison sahen über 500.000 Zuschauer die 210 Liga- und Pokalspiele, und bis weit in die siebziger Jahre hinein blieben die Besucherzahlen konstant hoch.
Damals gab es in den meisten Stadien kleine Bereiche speziell für "nicht-weiße" Zuschauer. Doch auch die Spiele der Teams aus den schwarzen Townships zogen gewaltige Zuschauermassen an, und so kam es 1971 zur Gründung der "schwarzen" National Professional Soccer League, nach deren erster Saison die Orlando Pirates als Titelträger feststanden.
1978 wechselten die weißen Klubs hinüber in die schwarze NSPL, angelockt von den gewaltigen Zuschauerzahlen und den Einnahmen, die sich mit solchen "gemischten" Fussballmatches erzielen ließen. Heute trägt die Profiliga den Namen Premier Soccer League - und immer noch gehören einige der Gründungsmitglieder der NSPL von 1971 zu den Topvereinen dieser aktuell höchsten Spielklasse Südafrikas.
Am 8. Dezember 1991 kam es zur Gründung des Südafrikanischen Fussballverbands (South African Football Association - SAFA). Es war der Endpunkt eines langen Vereinigungsprozesses, der den südafrikanischen Sport von allen früheren Rassenschranken befreite. Vier unterschiedliche Verbände taten sich zu einer Organisation zusammen - die Football Association of South Africa, die South African Soccer Association, die South African Soccer Federation und die South African National Football Association.
Einen Monat später erhielt eine Delegation des SAFA beim CAF-Kongress in Dakar, wo Südafrika als Beobachter zugelassen war, stehende Ovationen. Beim FIFA-Kongress in Zürich im Juni 1992 wurde Südafrika offiziell wieder in die FIFA aufgenommen. Die Mitgliedschaft in der CAF war der nächste logische Schritt, und damit war Südafrika wieder auf die Weltbühne des Fussballs zurückgekehrt.
Nur einen Monat später richtete das Land seine ersten Länderspiele aus - Kamerun, Viertelfinalist des FIFA Weltpokals ™ Italien 1980, reiste zur Feier der Vereinigung nach Südafrika und absolvierte dort drei Spiele. Im September 1992 spielte eine südafrikanische Elf ihr erstes Junioren-Länderspiel - eine U-16-Mannschaft trat in Lenasia gegen Botsuana an - und heute ist das Land in jedem Wettbewerb der FIFA und des CAF mit einem Team vertreten, von den U-17-Teams bis hin zu den A-Nationalmannschaften der Männer und der Frauen.
Innerhalb von nur sechs Jahren konnte die südafrikanische Nationalelf bemerkenswerte Erfolge verbuchen: Neben der Qualifikation für den FIFA Weltpokal France '98 ™ gewann sie 1996 als Ausrichter den Afrikanischen Nationen-Pokal und drang zwei Jahre später beim gleichen Wettbewerb in Burkina Faso bis ins Finale vor. Außerdem gelang dem Team die Qualifikation für den FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002 ™.
Auf Vereinsebene gewannen die Orlando Pirates 1995 die Afrikameisterschaft der Meister (die heutige CAF Champions League); damit waren sie der erste Klub aus dem Süden Afrikas, der in den über 30 Jahren dieses Wettbewerbs den Titel erringen konnte. Noch beeindruckender wirkt dieser Erfolg, wenn man sich vor Augen hält, dass die Pirates sich die Trophäe bei ihrer ersten Wettbewerbsteilnahme sicherten, und das auch noch weitab von zu Hause, an der Elfenbeinküste.
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