Als Privatmann sammelt Fabio Capello Kunstobjekte, als Fussballtrainer sind es eher Pokale und andere Trophäen.
Als Mittelfeldspieler bei AS Rom, Juventus Turin und beim AC Mailand holte der spätere englische Nationaltrainer vier Titel in der Serie A und zwei Pokalsiege.
Als Trainer war er jedoch noch erfolgreicher. In 15 Spielzeiten als Vereinstrainer gewann er den Ligatitel mit dem AC Mailand, dem AS Rom und Juventus Turin in Italien und mit Real Madrid in Spanien.
Wo immer er arbeitete, stets war er erfolgreich. Beim AC Mailand setzte er in den frühen 90er Jahren die von Arrigo Sacchi eingeleiteten Erfolge fort.
Mit der Roma holte er den ersten Serie A-Titel in 18 Jahren. Mit Real Madrid sicherte er sich zwei Mal die spanische Meisterschaft, und zwar im Abstand von zehn Jahren.
Bis dahin hatte er auch schon die begehrteste Trophäe im europäischen Vereinsfussball gewonnen, die UEFA Champions League. Dieser Geniestreich gelang ihm 1994 in Athen, als er mit seinem AC Mailand Johan Cruyffs Dream Team aus Barcelona mit 4:0 vom Platz fegte.
Mit anderen Worten, Capello ist ein wahrer Seriensieger, der sich jetzt den "heiligen Gral" im Weltfussball als Ziel gesetzt hat: den Gewinn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. So sagte der Italiener, als er ein englisches Nationalteam übernahm, das sich nicht einmal für die UEFA EURO 2008 qualifiziert hatte: "England hat eine große Mannschaft, die es bis ganz oben schaffen kann."
Beim ersten Spiel unter seiner Regie gab es im Februar 2008 einen holprigen 2:1-Sieg gegen die Schweiz. Bis Ende 2009 hatte er jedoch mit seinem Team eine beeindruckende Qualifikation gespielt und vorzeitig (zwei Spieltage vor dem Ende) das Ticket für Südafrika gelöst.
Capellos Mannschaft erzielte in Europa die meisten Tore. So bezwang man beispielsweise Kroatien, an dem sein Vorgänger Steve McClaren noch in der Qualifikation zur EURO gescheitert war, mit 4:1 und 5:1.
In den 22 Spielen seiner ersten beiden Jahre holte er 15 Siege und verlor nur gegen Frankreich, Spanien, Brasilien und – als die Qualifikation bereits gesichert war – gegen die Ukraine.
Als Spieler wurde Capello wegen seines äußerst präzisen Passspiels auch Geometra (Vermesser) genannt. Er hat es geschafft, dem englischen Team eiserne Disziplin einzuimpfen. Die Spieler wissen genau, dass es Grenzen gibt, die sie nicht überschreiten dürfen – mit strengen Regeln beispielsweise im Hinblick auf die Nutzung von Mobiltelefonen, die Mannschaftsbekleidung, das gemeinsame Abendessen.
Capellos Ziel ist es, Zusammenhalt in der Mannschaft zu schaffen. Ein Kumpeltyp ist er deswegen keineswegs. Wie Paolo Di Canio, der unter ihm beim AC Mailand spielte, einmal sagte: "Er ist nicht da, um dein Freund zu sein. Er ist da, um dein Boss zu sein."
Der große Pragmatiker unterstrich mit dem Ausschluss von Michael Owen noch einmal seine Devise, Spieler aufgrund ihrer aktuellen Form und nicht wegen ihres großen Namens auszuwählen.
Der ernste, bei Pressekonferenzen oft sehr kurz angebundene Capello zeigte im Februar, dass er bei bestimmten Dingen keinen Spaß versteht, als er John Terry nach negativen Meldungen im Zusammenhang mit dessen Privatleben von seinem Amt als Mannschaftsführer entband.
Capello wird am 18. Juni, wenn England auf Slowenien trifft, 64 Jahre alt. Er war einst der Schütze des Tors, mit dem Italien seinen ersten Sieg im Wembley-Stadion holte. Ein halbes Leben später ist er entschlossen, England zum ersten internationalen Erfolg außerhalb dieses Stadions zu führen.
Sein Mannschaftskapitän Rio Ferdinand erklärt, dass die bloße Präsenz des Italieners ausreicht, um dem englischen Team Selbstvertrauen einzuflößen: "Er war bislang in jedem Land erfolgreich. Er weiß, was nötig ist, um zu gewinnen, und genau das haben wir hier in England gebraucht."



