
Zum ersten Mal in seiner Karriere wird Collins Mbesuma ganz unten anfangen müssen, um wieder ganz oben zu landen.
Sambias Starstürmer ist nicht mehr das Wunderkind, dessen Talent einst die Experten begeisterte, noch ist er der Jungstar, dessen einzigartige Spielweise die Beobachter zu wahren Lobeshymnen hinriss. Es sagt viel über das schnelllebige Geschäft des Fussballs aus, dass viele von Mbesumas früheren Bewunderern in den Medien mittlerweile zu seinen schärfsten Kritikern gehören.
So kommt es, dass der mittlerweile 24-jährige Spieler wenige Jahre nachdem man ihm zum Heilsbringer hochstilisierte, sich nun in einer ganz anderen Position wiederfindet. Nun muss er sich gegenüber der Öffentlichkeit beweisen und etwas von dem Glauben, den man einst in ihn setzte, zurückzahlen. In einem offenen Interview mit FIFA.com gestand der sambische Stürmer ein, dass er bislang nicht den Erwartungen gerecht geworden ist.
Er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit verbleibt, um einen Schlachtplan zu entwerfen, der ihn wieder zum unbestrittenen Helden seiner Nation machen wird. "Viel ist geschehen, und noch mehr ist gesagt worden", erklärte Mbesuma. "Ich muss mich nun darauf konzentrieren, Fussball zu spielen. Ich möchte wieder Spaß haben."
Mbesumas oberste Priorität, so erklärt er, ist es, Sambia über die schwierige aktuelle Phase hinwegzuhelfen, da die Nationalmannschaft gegenwärtig einen radikalen Umbruch erlebt. Was die kurzfristige Planung angeht, so ist die Mannschaft noch auf Kurs in der Qualifikation für den Afrikanischen Nationen-Pokal in Angola und die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ im kommenden Jahr in Südafrika.
Das letztgenannte Ziel hat absoluten Vorrang, wobei man sich der Schwere der Aufgabe bewusst ist. Man wird Helden brauchen, um sich der Herausforderung zu stellen. Und da wäre Mbesuma ein Schlüsselspieler, der das Team auf Kurs halten könnte.
In seinem Heimatland gilt der Stürmer als gescheitertes Genie. Ein Spieler, der unter den Besten auf dem Kontinent sein sollte, aber nie seinem großen Potenzial gerecht geworden ist. Einige Male hat er es nicht einmal mehr in den Kader der sambischen Nationalmannschaft geschafft, und auch seine Popularität nahm mit dem Erscheinen zweier neuer Stars, Christopher Katongo und Clifford Mulenga, erheblich ab.
In der Spielzeit 2004/05 hatte alles noch ganz anders ausgesehen. Es war die erste Saison bei den Kaizer Chiefs, und er brach sämtliche Rekorde und holte die Auszeichnung als Südafrikas Spieler des Jahres, als er nicht weniger als 35 Treffer in einer Spielzeit erzielte. Damals kam geradezu eine Hysterie um ihn auf und erste Vergleiche zu den größten afrikanischen Spielern aller Zeiten wurden gezogen.
Damals wurden auch die Vereine der englischen Premier League auf ihn aufmerksam, und nachdem er ein Probetraining bei den Bolton Wanderers noch abgelehnt hatte, unterzeichnete Mbesuma einen Drei-Jahres-Vertrag beim FC Portsmouth. Doch in den zwei Jahren, in denen er beim Verein an der englischen Südküste unter Vertrag stand, erzielte er kein einziges Tor, stand nie in der Startformation und brachte es auf gerade einmal vier Kurzeinsätze als Einwechselspieler - und die auch noch zu Beginn seiner Zeit in England.
Doch während man in seiner Heimat sein Scheitern rasch auf einen undisziplinierten Lebenswandel zurückführte, wischte Mbesuma derartige Einwände beiseite und glaubt, dass er ein Opfer seines eigenen Erfolges war. Seine Leistungen zu Beginn der Karriere hätten die Messlatte zu hoch gelegt und unrealistische Erwartungen geweckt.
Er erklärte: "Der Wechsel zu Portsmouth war eine tolle Sache für mich, und viele Leute glauben, dass ich mein Scheitern selbst zu verantworten habe. Das ist jedoch nicht richtig. Ich möchte ja nichts Negatives sagen, aber als ich hierher (nach England) kam, haben sich viele Dinge geändert. Der Verein hat sich für eine neue Strategie entschieden, einige Versprechen wurden nicht eingehalten. Es gab auch einen neuen Coach, der seine eigenen Spieler bevorzugte. Es lag also auf der Hand, dass ich wechseln musste."
Versuche, seiner Karriere in Portugal bei Marítimo Funchal und in der Türkei bei Bursaspor neuen Schwung zu verleihen, scheiterten ebenfalls, so dass er schließlich an den Ort seiner größten Triumphe zurückkehrte: Nach Südafrika, wo er bei den Mamelodi Sundowns einen Vertrag unterzeichnete. "Ich möchte hier noch einmal neu beginnen und von Anfang an alles richtig machen, um wieder ganz oben zu stehen", erklärte er. "Dieses Land bietet genau das richtige Umfeld für mich."
Falls Mbesuma seinen ramponierten Ruf wiederherstellen und zu alter Form zurückfinden kann, könnte er der ersehnte Fussballheld für Sambia werden, der das Land bis zur WM in Südafrika führt.

