Adams: "Besser als die WM 2006"
FIFA.com

Nachdem er sich am Sonntagabend das Endspiel zwischen Spanien und den Niederlanden angeschaut hatte, erklärte sich Bryan Adams in entspannter Atmosphäre gerne dazu bereit, mit FIFA.com über seine Erlebnisse im Soccer-City-Stadion von Johannesburg zu sprechen.

Die Rocklegende befindet sich gerade mitten in seiner "Bare Bones Tour", bei der Auftritte in Kapstadt, Port Elizabeth, Durban und sogar Namibia auf dem Programm stehen und reist kommenden Sonntag zurück nach Johannesburg, wo er im Coca-Cola Dome auftreten wird:  Hier begeisterte er am vergangenen Freitag beim WM-Abschlusskonzert "Celebrate Africa – The Grand Finale" gemeinsam mit Andrea Bocelli bereits die Massen.

Aber der bekennende Fan des englischen Premier League-Klubs FC Chelsea wollte unbedingt über seine Erlebnisse beim Endspiel, seine Bewunderung für Sportler und auch darüber sprechen, warum er ein Fussballspiel mit Vuvuzela-Untermalung besser findet.

Bryan, was denken Sie über das Finale?
Ich war ziemlich überrascht. Ich dachte zunächst, dass man vom Vuvuzela-Lärm regelrecht erdrückt werden würde. Aber wenn man erst einmal im Stadion ist, dann stellt man plötzlich fest, dass nur einzelne Fans um einen herum kräftig in ihre Vuvuzelas blasen. Darum hat es ziemlich viel Spaß gemacht. Ich frage mich jetzt nur, ob die Vuvuzela-Geschichte zu einem internationalen Phänomen werden wird. Ich habe gehört, dass die Verantwortlichen sie bei den europäischen Spielen verbieten wollen. Das wäre sehr schade, denn ich finde, dass es eine spaßige Sache ist.

Finden Sie, dass Spanien ein würdiger Weltmeister ist?
Ich finde, dass die Spanier diesen Titel auf jeden Fall verdient haben. Ich denke aber auch, dass die Deutschen ein würdiger Finalist gewesen wären. Ich kann mir nicht erklären, was mit ihnen plötzlich in der Halbfinalpartie gegen Spanien los war. Sie haben einfach nicht so gespielt wie sie die ganzen Partien zuvor. Das war ziemlich überraschend. Es war aber trotzdem ein tolles WM-Turnier, und Spanien ist ein würdiger Weltmeister.

Haben Sie im Vergleich zur WM 2006 in Deutschland, bei der Sie auch dabei waren, Unterschiede festgestellt?
Die Atmosphäre hier bei der WM in Südafrika war sehr viel besser.

Was halten sie vom Soccer-City-Stadion?
Ich mag dieses Stadion sehr. Man hat das Gefühl, dass es einen umschließt. Das Olympiastadion war auch gut, aber die Struktur war sehr offen. Trotzdem ist es ein beeindruckendes architektonisches Kunstwerk. Diese beiden Stadien sind in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich, aber es sind beides tolle Fussballarenen.

Wäre das Soccer-City-Stadion eine Arena in der Sie in Zukunft gerne einmal auftreten würden?
Sicher, warum nicht!

Sprechen wir über Ihre Musik. Bei Ihrer "Bare Bones Tour" steht tatsächlich wieder ursprüngliche Rockmusik im Vordergrund. Haben Sie es genossen, mit akustischen Instrumenten wieder zum Wesentlichen der Rockmusik zurückzukehren?
Ja, das habe ich wirklich. Und es hat so viel Spaß gemacht, dass wir eine kleine CD aufgenommen haben, die noch dieses Jahr erscheinen wird. Wir sind derzeit jedoch noch dabei zu entscheiden, wie wir die CD herausbringen, denn es ist nicht mehr so einfach wie es mal war. Früher nahm man eine Platte auf und veröffentlichte sie über eine Plattenfirma. Aber die Zeiten haben sich geändert, und in der Musikindustrie hat sich ein ziemlicher Wandel vollzogen.

Warum haben Sie sich – musikalisch gesehen – entschlossen, diese Art von Konzerttour zu machen?
Ich habe 1996 bei MTV Unplugged ein Konzert gegeben, und seitdem war es für mich immer sehr interessant auszuprobieren, einige meiner älteren Songs in ein neues Gewand zu packen. Seither hatte ich immer im Hinterkopf, ein solches Konzertprojekt auf die Beine zu stellen. Und gegen Ende des letzten Jahrzehnts befasste ich mich etwas ernsthafter mit dem Gedanken, ein Konzert zu geben, das einen etwas kleineren und intimeren Rahmen haben sollte. Ich wollte einfach mal ausprobieren, wie das ankommen würde. Am Anfang war es nur eine halbstündige Promotion-Show für eine CD, aber dann entwickelte sie sich zu einem einstündigen Konzert, und nun ist es zu einer kompletten Tour geworden.

Bewundern Sie Sportler, weil sie – wie Sie selbst – die Erwartungen Tausender Menschen erfüllen müssen?
Allerdings! Als die Spieler aus dem Tunnel auf das Spielfeld kamen, dachte ich, dass sie unter einem unheimlichen Druck stehen mussten. Ich befand mich schon in einer ähnlichen Situation als ich kürzlich bei den Olympischen Spielen aufgetreten bin. Wenn man auf die Bühne tritt, wird einem plötzlich bewusst, dass einem eine Milliarde Menschen zuschauen. Und wenn man sich vor Augen hält, wie viele zig Millionen Menschen sich das WM-Endspiel angeschaut haben, dann kann man sich vorstellen, wie unglaublich groß der Druck für die Spieler gewesen sein muss. Als der Anpfiff ertönt war und sie sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren konnten, wurde es vielleicht besser. Aber ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass die Jungs einen enormen Druck verspürt haben müssen. Man muss es in solchen Situationen schaffen, den Kopf frei zu bekommen und sich nur auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das ist genau das, was einen richtigen Weltklassesportler ausmacht.

Wenn Sie Trainer wären, welchen Ihrer Songs würden Sie einer Mannschaft vor einem Spiel vorspielen?
Ich weiß nicht genau. Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Es müsste natürlich ein Lied sein, das die Spieler motiviert und die Moral hebt. Vielleicht "We’re Gonna Win"?