Aller guten Dinge sind drei
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Die Niederlande haben sich ungewollt den Ruf erworben, stets knapp vor dem Ziel zu scheitern, nachdem sie in den 1970er Jahren zwei Mal in Folge das FIFA WM-Finale erreichten und beide Male verloren. 1974 unterlagen sie in einem unvergessenen Endspiel dem Nachbarn und Erzrivalen Deutschland, bevor sie bei der nächsten Ausgabe des Turniers 1978 erneut an der letzten Hürde an Gastgeber Argentinien scheiterten. Beide Male galten die Oranje als Favorit auf die Weltkrone im Fussball und hatten bis zum Erreichen der Endspiele attraktiven Offensivfussball, den sogenannten Fussball total, gespielt.

"Wir sind nur aus einem einzigen Grund hier: um den Weltmeistertitel zu holen", war die klare und direkte Aussage von Eljero Elia, dem 23-jährigen, der als Joker im Angriff der Niederländer für Furore sorgt. "Wenn man zu einer Weltmeisterschaf fährt und nur daran denkt, bis ins Viertelfinale zu kommen oder das Feld zu komplettieren, dann bringt das nichts", so der Spieler vom Hamburger SV, der für sein trickreiches Spiel bekannt ist, mit der Coolness eines jungen Spielers, der bereit ist, die Welt zu erobern. Elia war noch nicht einmal geboren, als die Niederländer das letzte Mal ein WM-Finale erreichten und gerade einmal sechs Monate alt, als sie, angeführt von den legendären Ruud Gullit und Marco van Basten, ihren bislang einzigen großen Titel, die Europameisterschaft 1988 in Deutschland, holten. "Wir sind hier, um zu zeigen, dass wir das Zeug zum Weltmeister haben", fuhr er fort.

Das Ergebnis zählt
Die Niederländer sind nach den Tagen von Cruyff, Neeskens und Johnny Rep in den 1970ern wiederholt als Favoriten in ein Turnier gegangen, konnten jedoch nie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Das große Finale gegen Spanien im Soccer-City-Stadion in Johannesburg am 11. Juli wird ihr erster Anlauf auf die Weltkrone im Fussball seit 32 Jahren sein. Interne Querelen und Cliquenbildung unter den Spielern wurden oft als Ursache für die Misserfolge der Niederländer bei den letzten WM-Turnieren angeführt, doch das gilt in keiner Weise für Bert van Marwijks Team bei der ersten FIFA WM-Endrunde auf afrikanischem Boden. "Wir stehen wie ein Mann zusammen, sind eine echte Einheit, die gemeinsam arbeitet, spielt und auch kämpft", erklärte Spielführer Giovanni van Bronckhorst, der nach der Partie am Sonntag gegen Spanien - das auch schon des Öfteren die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllte - die Schuhe an den Nagel hängen wird. "Es gibt hier keinen Spieler, der mehr als andere gilt, und das ist unsere große Stärke."

Dirk Kuyts unermüdliche Läufe und sein grenzenloser Einsatz versinnbildlichen dieses neue Oranje-Team, das früher für seinen eleganten, schwungvollen und attraktiven Fussball bekannt war. "Natürlich möchte jeder schönen Fussball spielen, viele Tore schießen und immer hoch gewinnen", so der Spieler vom FC Liverpool gegenüber FIFA.com. "Aber das Ergebnis zählt für mich mehr", fuhr er fort und verwies auf die blütenweiße Weste der Niederländer, die bislang alle sechs Partien in Südafrika gewonnen haben.

Ein abgeklärtes Team
"Bei einer Weltmeisterschaft wird einem nichts geschenkt", äußerte sich auch Arjen Robben, dessen Rückkehr nach Verletzungspause dem Angriffsspiel der Niederländer neuen Schwung verliehen hat. Seitdem er in die Anfangsformation zurückkehrt ist, hat er zwei Tore in vier Spielen erzielt und ist der torgefährlichste Spieler in einer Mannschaft der Kämpfer und Arbeiter. "Man muss kämpfen und alles geben, und genau das haben wir in unseren Spielen getan."

Im Finale werden die Niederländer nun auf den amtierenden Europameister Spanien treffen, ein Team, dem es gelungen ist, schönen Fussball, mit dem gewünschten Erfolg und Kampfgeist zu verbinden. Doch Kuyt hat das letzte Wort und verweist auf einen weiteren Trumpf der neuen Niederlande: "Wir sind ein geduldiges, abgeklärtes Team. Das hat sich bisher als sehr wertvoll herausgestellt und wird uns hoffentlich auch im Finale nützen."