
"Das ist der schönste Tag in der Geschichte des schweizerischen Fussballs", stellte der erfahrene Stürmer Blaise Nkufo nach dem überraschenden Sieg der Eidgenossen über Europameister Spanien in Durban fest. Der Schlüssel zum Erfolg war abgesehen von Charakterstärke und einer soliden Abwehr auch ein Faktor, der im Weltfussball oftmals den Ausschlag gibt: Glück. "Keiner hätte uns heute einen Sieg gegen Spanien zugetraut, doch wir wussten genau, wie wir spielen mussten. Für unser Land ist dieser Sieg natürlich etwas ganz Besonderes", sagte der aus Kongo stammende Stürmer im Gespräch mit FIFA.com.
Nkufo hatte an diesem windigen Nachmittag in Kwazulu-Natal jedoch nicht allzu viel zu tun. Der schweizerische Angriff konnte sich nur selten in Szene setzen, da sich die defensiv orientierten Eidgenossen ausschließlich darauf konzentrierten, die spanischen Offensivbemühungen bereits im Keim zu ersticken. Gelson Fernandes' glücklicher Treffer in der 52. Spielminute resultierte aus dem zweiten Torschuss der Schweizer im gesamten Spiel, das überwiegend vom technisch versierten Kurzpassspiel des Titelfavoriten geprägt war. "Wir wussten genau, wie wir spielen mussten", fuhr der 35-jährige Nkufo fort, der bereits bei der WM vor vier Jahren in Deutschland mit der Nationalmannschaft das Achtelfinale erreicht hatte.
Mittelfeldspieler Benjamin Huggel konnte dem nur zustimmen: "Soweit ich mich erinnern kann, hat es in der Fussballgeschichte unseres Landes noch keinen schöneren Tag gegeben", sagte der Akteur des FC Basel mit einem Lächeln, während er seiner Familie in der Heimat eine SMS schickte. "Man kann sagen, was man will: Wir haben den Europameister geschlagen. Damit hat niemand gerechnet. Das ist ein super Abend für uns", lautete die Reaktion von Kapitän Gokhan Inler.
Die Schweizer, die bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1954 im eigenen Land das Viertelfinale erreicht hatten (damals die erste Runde der K.o.-Phase), kamen als krasser Außenseiter nach Südafrika. In einer schwachen Qualifikationsgruppe hatten sie von Beginn an große Probleme und verloren sogar gegen Luxemburg, ehe die Eidgenossen doch noch auf Touren kamen. Torhüter Diego Benaglio rettete den Schweizern mit einer Reihe großartiger Paraden die drei Punkte, als die Spanier in der Schlussphase den Druck immer mehr erhöhten. Während seine Mitspieler mit einem sichtlich zufriedenen Gesichtsausdruck in die Kabine gingen und dort ihrer Begeisterung freien Lauf ließen, war der Schlussmann bemüht, etwas auf die Euphoriebremse zu treten: "Diese drei Punkte sind nur dann etwas wert, wenn wir in den nächsten Spielen darauf aufbauen können. Wenn uns das nicht gelingt, ist dieser Sieg überhaupt nichts wert", sagte er und verwies auch auf den Ausfall von Innenverteidiger Philippe Senderos, der das Feld aufgrund einer Knöchelverletzung frühzeitig verlassen musste. Ob er spielen kann oder nicht, könnte sich als entscheidend für die Aussichten der Schweizer in Gruppe H erweisen.
Während die gedemütigten Spanier mit steinernen Mienen in die Kabine gingen und das Blitzlichtgewitter sowie die erbarmungslosen Medien vorzugsweise mieden, hatten die Schweizer viel zu erzählen und ließen diesen historischen Moment in ihren zahlreichen Landessprachen Revue passieren. Das letzte Wort hat Nkufo, der Interviews auf Englisch, Französisch und Deutsch gibt: "Dieser Tag wird in die Fussballgeschichte unseres kleinen Landes eingehen. Wir werden ihn noch ausgiebig genießen."








