
Neuseeland erringt ein Unentschieden gegen den Weltmeister? Die All Whites ungeschlagen und mit einer reellen Chance auf den Achtelfinaleinzug? Shane Smeltz zufolge ist dies "unvorstellbar", als er über den vergangenen Abend nachdachte.
Doch ähnlich unvorstellbar war die Art und Weise, auf die Ricki Herberts Mannschaft dem italienischen Starensemble verdient einen Punkt abtrotzte. Angesichts der 74 Plätze, die die beiden Länder in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste voneinander trennen, hätte man es den Kiwis kaum verdenken können, wenn sie die klassische Außenseitertaktik gewählt hätten: Eine 4-5-1-Aufstellung mit einer einsamen Spitze.
Ein Markenzeichen
Doch zur Überraschung der Italiener wurde Smeltz von zwei Sturmkollegen in einem angriffslustigen 3-4-3-System unterstützt. Das Ergebnis war eine Partie, in der Marcello Lippis Mannschaft nie in der Lage war, das neuseeländische Tor dauerhaft zu belagern, und in der die Ozeanier ihrerseits sogar die Chance auf den Sieg hatten. Für die All Whites bestätigte sich somit das Sprichwort, dass Angriff die beste Verteidigung ist.
"Ich denke, dass dies zu einem unserer Markenzeichen geworden ist", sagte Smeltz zu FIFA.com. "Es war nicht immer so. Noch vor vier Jahren gingen wir mit einem Stürmer auf den Platz und versuchten, ihn anzuspielen und zu unterstützen, wann immer wir konnten. Doch auf diesem Niveau ist es so wahnsinnig schwer für einen einzelnen Stürmer, diesen Job zu machen und den Ball zu halten. Deshalb denke ich, dass es wirklich gut für uns ist, mit drei zu spielen. Ob wir nun mit drei Leuten in einer Reihe stehen oder einer sich zurückfallen lässt, es gibt uns eine zusätzliche Dimension und es ist auch möglich, die Aufstellung je nach Gegner leicht zu verändern. Es ist klar, dass kein System perfekt ist, doch ich denke, die Ergebnisse sprechen für sich."
Die Taktik aber ist natürlich nur ein Teil der Geschichte. Denn letztlich – wie jeder Trainer bestätigen wird – hängt der Erfolg eines Systems immer von den Fähigkeiten und der Umsetzung der Spieler ab, die es ausführen sollen. In dieser Hinsicht waren die Kiwis in Nelspruit ebenfalls beispielhaft und zeigten eine disziplinierte und engagierte Leistung, mit der sie den zweifellos größten Erfolg in der Geschichte des Landes erreichten.
Neuland für die Kiwis
"Das ist unglaublich", sagte ein strahlender Smeltz. "Es ist schwer, die Worte zu finden, um dem gerecht zu werden. Wir waren eben noch draußen bei all den Fans, die hinter uns standen. Die Freude auf ihren Gesichtern zu sehen – das haut dich um. Ich bin mir sicher, dass in diesem Moment auch zu Hause viel gefeiert wird, und zu wissen, dass wir bei so etwas eine Rolle gespielt haben, ist einfach unglaublich. Wir reiten momentan auf einer Welle, und hoffentlich bleibt das noch eine Weile so."
Kaum zu glauben, aber diese Welle könnte Neuseeland sogar ins Achtelfinale tragen, wenn ihnen in der letzten Vorrundenpartie in Gruppe F gegen Paraguay eine weitere Überraschung gelingen sollte. Doch allein schon in dieser Situation zu sein ist für die All Whites Neuland, und Smeltz sagte, dass die Spieler die Bedeutung des Erreichten erst nach einiger Zeit vollständig realisieren werden.
"Dass wir noch im Wettbewerb stehen, ist unvorstellbar", sagte er. "Es wird noch eine Weile dauern, bis wir das richtig fassen werden, denn absolut niemand von uns hätte dies erwartet. Doch wir werden nichts überstürzen. Wir freuen uns einfach auf das Spiel gegen Paraguay, werden alles geben, und sollten wir es schaffen, würde das unsere kühnsten Träume übertreffen."




