
Der algerische Abwehrspieler Madjid Bougherra berichtet gegenüber FIFA.com, der mangelnde Respekt der englischen Medien habe sein Team vor der Partie der Gruppe C in Kapstadt noch stärker motiviert.
Direkt nach der Gruppenauslosung für die FIFA WM 2010 war in der englischen Zeitung "The Sun" die Schlagzeile "EASY - England, Algeria, Slovenia, Yanks" zu lesen. Selbst nach dem 1:1-Unentschieden der Three Lions gegen die USA prognostizierten viele Blätter einen komfortablen Sieg des Teams von Fabio Capello gegen die Algerier.
Nach der Partie war Bougherra hoch erfreut darüber, dass Algerien gepunktet hatte - und zwar in mehr als einer Hinsicht. "Es fühlt sich eigentlich wie ein Sieg an", erklärte er gegenüber FIFA.com. "Ich habe vor dem Spiel die englischen Zeitungen gelesen und überall stand, dass Algerien ohnehin keine Chance hätte. Sie haben alle einen komfortablen Sieg der Engländer erwartet. Das hat uns noch mehr angestachelt und zusammengeschweißt."
Eine große Zukunft?
"Bei einer Weltmeisterschaft verdient jede Mannschaft Respekt, und ich hatte vor dem Spiel nicht den Eindruck, dass uns dieser entgegengebracht wurde. Natürlich sind wir ein relativ unerfahrenes Team, und wir haben auch keine Spieler mit großen Namen. Daher kommt es auf die Mannschaftsleistung an. Wir spielen für unser Land, wir spielen gern zusammen und langsam zeigen wir der Welt, dass wir ein junges Team sind, das an einer erfolgreichen Zukunft arbeitet."
Der Abwehrspieler der Glasgow Rangers war während der gesamten 90 Minuten herausragend. Er überzeugte mit seinen Tacklings, Balleroberungen und Abwehraktionen und brachte Wayne Rooney und Co. zur Verzweiflung. Der 27-Jährige glaubt nach einer von Verletzungspech überschatteten Saison, in der er auf Vereinsebene nur 16 Mal zum Einsatz kam, nun endlich wieder nah an seinem Optimum zu sein.
"Das war keine meiner Bestleistungen, ganz und gar nicht", meint er. "Ich habe für Algerien schon viel bessere Spiele gemacht. Ich bin noch nicht einmal 100 Prozent fit. Ich war fast zwei Monate lang verletzt und habe während dieser Zeit nur zwei Spiele bestritten. Daher bin ich in puncto Fitness noch nicht wieder beim Optimum angekommen. Deshalb sieht man im Augenblick noch nicht den besten Madjid. Ich habe heute Abend einfach verzweifelt versucht, meinem Team dabei zu helfen, den Kasten sauber zu halten. Ich bin wirklich froh, dass uns das gelungen ist."
Ermutigende Worte für England
Bougherra freut sich auch auf die Rückkehr zu seinem Verein nördlich der englischen Landesgrenze, wo das torlose Unentschieden vermutlich mit genauso viel Begeisterung aufgenommen wurde wie in Algier!
"Ja, in Schottland bin ich vielleicht sogar ein noch größerer Held", meint er lachend. "Ich weiß nicht, wie die Leute dort reagieren werden, wenn ich zurückkehre! In Großbritannien zu spielen hat mich spielerisch wirklich weitergebracht. Aber bei aller Erfahrung muss man natürlich auch die grundlegenden Dinge richtig machen und das heißt, 90 Minuten volle Konzentration. Genau das haben wir heute getan."
Trotz des Hochgefühls nach dem Remis fand der in Frankreich geborene Verteidiger noch ermutigende Worte für den Gegner. Seiner Ansicht nach kann die bisher enttäuschende englische Mannschaft bei der WM 2010 noch immer viel erreichen. "Es war deutlich, dass England über gute Spieler verfügt. Wenn man sich andere große Mannschaften bei Weltmeisterschaften anschaut, dann fangen sie oft langsam an und steigern sich im Turnierverlauf. Ich glaube, das wird bei England auch der Fall sein."









