'More Than Just a Game' ist ein Film, der das Leben von fünf Männern nachzeichnet, die sich unter denkbar schweren Bedingungen und an einem sehr ungewöhnlichen Ort zusammenfanden, um einen Fussballverband zu gründen. Die fünf - Anthony Suzo, Lizo Sitoto, Sedick Isaacs, Sipho Tshabalala und Mark Skinners - waren ebenso wie Nelson Mandela politische Gefangene auf Südafrikas berüchtigter Gefangeneninsel Robben Island.
Hier riefen sie die Makana FA ins Leben, benannt zu Ehren eines der ersten politischen Gefangenen auf der Insel, des Stammesführers Makana. Vier der fünf Gründungsmitglieder, denen kürzlich die Ehrenmitgliedschaft der FIFA verliehen wurde, sprachen exklusiv mit FIFA.com über ihre Erfahrung und darüber, dass der Fussball für sie mehr als nur ein Spiel war.
Gab es eine Art Zusammenarbeit unter den
Gefangenen?
Sedick Isaacs: Natürlich, die gab es auf allen Ebenen. Wir
haben einander das Musizieren, Fussball spielen und auch andere
Sportarten beigebracht. Zuerst kam die politische Erziehung, dann
die Bildung und an dritter Stelle der Sport, vor allem der
Fussball.
Wie kam es zur Gründung der Makana Football
Association?
Sipho Tshabalala: Wenn man im Gefängnis ist und dort
besonders erniedrigt wird, dann wird man sehr zielstrebig. Wir
bekamen zum Glück ein Schiedsrichter-Regelwerk in die Hand. Gott
weiß woher, aber jedenfalls hatten wir eins. Dieses Büchlein mit
Schiedsrichter-Regeln wurde so etwas wie unsere Bibel.
Lizo Sitoto: Wir waren damals noch jung, voller Tatendrang und wir mussten unsere Energie kanalisieren. Wir wollten miteinander Kontakt haben, denn wir waren an unterschiedlichen Orten in diesem Gefängnis untergebracht. Eine Möglichkeit, das zu tun, war über den Sport.
Hätten Sie geglaubt, dass die FIFA eines Tages die Makana
FA zu einem Ehrenmitglied machen würde?
Tshabalala: Das war noch in weiter Ferne. Aber jede Mühe
zahlt sich irgendwann aus. Es ist wie eine Saat, die auf
fruchtbarem Boden aufgeht. Zehn Jahre lang ruht sie dort, aber
eines Tages blüht sie auf. Es war nur eine Frage der Zeit und der
Geduld.
Warum hatten Sie sich für Fussball entschieden?
Isaacs: (lacht) Ich habe versucht, den Handball auf der
Insel durchzusetzen, stieß jedoch auf erhebliche Widerstände, weil
die Gefangenen das für eine Frauensportart hielten! Wir brauchten
auch dringend eine Richtschnur, und die FIFA-Regeln brachten so
etwas wie Ordnung in unser Leben.
Tshabalala: Es war so etwas wie eine Therapie für uns und unser dortiges Leben. Wir fühlten uns mehr wie Menschen, so als ob wir zumindest nicht isoliert waren.
Mark Skinners: Der Fussball war sehr wichtig während unserer Zeit auf Robben Island. Eines der Dinge, die uns dort bei Verstand gehalten haben, war das Interesse für die Außenwelt, für das, was normale Menschen machen. Da kamen die Fussballspiele gerade recht.
Wie hat Ihnen der Fussball dabei geholfen, mit ihrer Rolle
als Gefangene zurecht zu kommen?
Skinners: Wir wurden Teil von etwas Größerem. Es war auch
zum Teil das Gefühl, dass man durch das eigene Spiel und dadurch,
dass man die Wärter zum Spielen brachte, sie dazu bewegte, einem
etwas von dem zurückzugeben, was sie einem eigentlich verweigerten.
'Als Person erhalte ich etwas von meiner Würde zurück und bin
damit nicht mehr so isoliert, wie ihr es gerne hättet.' Dieses
Gefühl hatten wir alle.
Sitoto: Einige der Spieler waren unsere Helden, etwa Ruud Gullit, der 1987 in Europa Spieler des Jahres wurde und diesen Titel Nelson Mandela widmete. Wir haben uns alle mit ihm identifiziert und viele trugen deswegen seine Dreadlocks.
