Für vier Länder endete die afrikanische Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ am vergangenen Wochenende mit märchenhaften Erfolgen. Angola, Elfenbeinküste, Ghana und Togo gelang jeweils ihre erste Qualifikation zu einer WM-Endrunde. Das Qualifikationsturnier hatte bereits im September 2003 begonnen und fesselte die Fussballfans auf dem ganzen Kontinent vom Anfang bis zu seinem dramatischen Ende. FIFAworldcup.com fasst hier noch einmal einige der Höhepunkte zusammen.

Die Chelsea-Connection
Vom englischen Meister FC Chelsea kommen gleich zwei der großen Stars der afrikanischen Qualifikation, nämlich Didier Drogba, Stürmer in Diensten der Elfenbeinküste, und Mittelfeldspieler Michael Essien aus Ghana. Drogba hatte mit seinen neun Toren maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Qualifikation der Elfenbeinküste, während Essien die treibende Kraft im Team Ghanas war, das die Gruppe 2 am Ende klar für sich entscheiden konnte.

Neben Essien entpuppte sich auch Stephen Appiah als Führungsfigur und leistete einen ebenso entscheidenden Beitrag zu den guten Leistungen der Mannschaft. Der vielleicht beste Einzelspieler der gesamten Qualifikation in Afrika war indes der schlaksige Stürmer Emmanuel Sheyi Adebayor, der die Mannschaft aus Togo fast im Alleingang zur WM-Endrunde schoss. Er erzielte insgesamt zehn Treffer (Rekord in Afrika) und legte außerdem beim 3:2-Sieg Togos in Kongo in der zweiten Halbzeit zwei Treffer für seinen Sturmpartner Abdel Coubadja auf, die letztlich die Qualifikation unter Dach und Fach brachten.

Der schlimmste Fehlschuss
Ein Sieg für Kamerun im letzten Qualifikationsspiel in Gruppe 3 hätte die fünfte WM-Teilnahme in Folge für das Land bedeutet. Nach einem frühen Führungstreffer durch Rudolph Douala gegen Ägypten schien zunächst alles nach Plan zu laufen, doch dann kassierte Kamerun zehn Minuten vor Schluss den Ausgleich. In der allerletzten Minute der Nachspielzeit gab Schiedsrichter Komlan Coulibaly Elfmeter für Kamerun! Spezialist Pierre Wome trat zum vielleicht wichtigsten Elfmeter seines Lebens an, doch sein Schuss prallte an den linken Außenpfosten und von dort ins Toraus. Der Schiedsrichter pfiff die Partie ab und Kamerun war draußen.

Schleudersitz
Benin, Tabellenschlusslicht in Gruppe 3, verbrauchte in der Qualifikation sage und schreibe fünf Trainer. Das westafrikanische Land startete unter der Leitung der ghanaischen Fussballlegende Cecil Jones Attuquayefio in die Qualifikation und beendete sie unter einem erfahrenen Trainer aus dem eigenen Land, nämlich Edme Codjo. Dazwischen versuchten auch Wabi Gomez sowie die zwei Franzosen Herve Revelli und Serge Devez, das schlingernde Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

Auch in Malawi waren insgesamt fünf Trainer tätig, wobei zu Beginn John Kaputa und Kinnah Phiri gemeinsam verantwortlich waren. Ihnen folgten Alan Gillet, Yasin Osman und schließlich Michael Hennigan. Algerien, Ghana und Mali brachten es jeweils auf vier Trainer. Bei Ghana war dies zunächst Ralf Zumdick (in der Vorausscheidungsrunde), gefolgt von Mariano Barretto und Sam Arday. Mit Amtsantritt von Ratomir Dujkovic, der zu Beginn der Qualifikation noch für Ruanda tätig war, kam dann der Erfolg. Von allen 30 Mannschaften, die in der Gruppenphase spielten, behielten nur acht den Trainer während der gesamten Qualifikation. Nur drei – nämlich Alexandre Alhinho (Kap Verde), Kalusha Bwalya (Sambia) und Vesselin Jelusic (Botsuana) – waren bereits in der Vorausscheidung bei ihren Teams.

Ein Sieg für jedes Team
Als Benins Torhüter Rachad Chitou beim Heimspiel gegen Libyen am Sonntag den Treffer zum 1:0-Sieg erzielte, sorgte er gleichzeitig dafür, dass alle 30 Länder in der Gruppenphase mindestens einen Sieg feiern konnten. Auch Malawi gewann nur sein letztes Qualifikationsspiel gegen Kenia in Blantyre. Liberia, das die Gruppe 1 mit der roten Laterne abschloss, ging den umgekehrten Weg. Die Mannschaft gewann ihr erstes Spiel gegen Mali und ließ dann sieben Niederlagen am Stück folgen. Algerien, Ruanda und Sudan mussten sich ebenfalls mit nur jeweils einem Sieg zufrieden geben.

Tore, Tore, Tore
Der wohl schönste und spektakulärste Treffer gelang Wissem El Abdi für Tunesien gegen Botsuana in Gaborone mit seinem fantastischen Distanzschuss. Ebenso unvergessen ist auch Jimmy Gatetes überwältigender Alleingang für Ruanda durch die nigerianische Abwehr in Kigali. Spektakulär war auch der Volleyschuss von Janicio für die Kapverden gegen Südafrika in Bloemfontein. Rekordverdächtig auch der Freistoß, den der 41-jährige Spielertrainer Kalusha Bwalya für Sambia zum 1:0-Sieg über Liberia in Lusaka in der letzten Minute in die Maschen setzte.

Die wichtigsten Tore erzielten indes Adebayor und Akwa. Der Ausgleichstreffer von Adebayor für Togo gegen Senegal brachte sein Team endgültig auf Kurs zur WM-Endrunde. Der Treffer von Akwa gegen Nigeria in Luanda zum 1:0-Sieg in der 85. Minute erwies sich im Nachhinein als entscheidend, denn die beiden Teams beendeten die Gruppe 4 punktgleich und letztlich gab Angolas Heimsieg im direkten Vergleich den Ausschlag.

Beständigkeit
Ali Boumnijel wird im kommenden Sommer 40 Jahre alt sein, doch Tunesiens Stammtorhüter ist immer noch die unangefochtene Nummer 1. Er verwies zwei jüngere Konkurrenten in ihre Schranken und sicherte sich das Vertrauen von Nationaltrainer Roger Lemerre, obwohl er seinen französischen Klub verließ und seine Karriere nun in Tunesien bei Club Africain ausklingen lässt. Boumnijel könnte somit im nächsten Juni der älteste Spieler des Turniers sein.

Brasilianer
Tunesien qualifizierte sich in Gruppe 5 unter tatkräftiger Hilfe der Brasilianer Santos (Sturm) und Clayton (Abwehr), der bereits bei zwei FIFA Weltpokal™-Turnieren für Tunesien dabei war. Auch Libyens Torhüter Luis Alejandro ist ein Brasilianer, der in Afrika für Aufsehen sorgt.

Schwere Schlappe
Die höchste Niederlage der gesamten Qualifikation musste Sao Tome e Principe vor zwei Jahren im Rückspiel der Vorausscheidung gegen Libyen verkraften. 0:8 lautete das Endergebnis.

Nichts Neues
Für Trainer Henri Michel ist es nichts Neues, mit seiner Mannschaft zu einer WM-Endrunde zu fahren. 1986 in Mexiko erreichte er mit Frankreich das Halbfinale, 1994 betreute er das Team von Kamerun und vier Jahre danach in Frankreich war er der Cheftrainer von Marokko. 2002 führte er Tunesien erfolgreich durch die Qualifikation, doch vor Beginn der Endrunde in Korea/Japan wurde er entlassen, nachdem das nordafrikanische Team beim Afrikanischen Nationen-Pokal 2002 sehr enttäuscht hatte.