Fabrice Akwa hat sich in seinem Heimatland selbst ein Denkmal gesetzt, als er das entscheidende Tor in der WM-Qualifikation gegen Ruanda erzielte, mit dem er alle Hoffnungen der favorisierten Nigerianer endgültig beendete. Aber er wurde nicht nur deshalb berühmt in der gesamten Qualifikation erzielte er fünf Treffer, die Hälfte aller Tore seiner Mannschaft.
Bereits vor der erfolgreichen Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 war Akwa Angolas absoluter Rekordtorschütze (35 Treffer in 76 Spielen). Er bekam schließlich die Kapitänsbinde von Trainer Oliveira Gonçalves, der ihn wegen seiner Autorität und seines Ansehens innerhalb der Mannschaft als Kapitän auswählte.
Nachdem er in den letzten Jahren in der Meisterschaft von Katar gespielt hatte, wo er Tore am Fließband erzielt hatte, löste er kürzlich seinen Vertrag mit seinem nunmehrigen Ex-Klub Al Wakhra und steht damit kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft ohne Verein da.
Wenige Stunden vor dem Match gegen Portugal, stand er FIFAworldcup.com exklusiv Rede und Antwort über das kommende Spiel, über seine persönliche Zukunft und über die Aussichten der Palancas Negras bei der WM.
Fabrice Akwa, wie fühlt man sich als Nationalheld, der seine Mannschaft als Kapitän zur erstmaligen WM-Teilnahme führen darf?
Das Tor gegen Ruanda war wahrscheinlich das wichtigste in meiner bisherigen Karriere, und es hat mich auch sehr beliebt gemacht, dennoch fühle ich mich nicht wie ein Held. Ich bin sehr stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein, und ich fühle mich dieser Aufgabe auch gewachsen. Ich bin mir der Verantwortung bewusst, gemeinsam mit meinen Mannschaftskameraden Angola zu repräsentieren, und deshalb wollen wir alle unser bestes geben.
Wie kommt es, dass ein Torjäger wie Sie ohne Verein nach Deutschland kommt?
Das ist eigentlich keine außergewöhnliche Sache; leider überschnitten sich viele WM-Qualifikationsspiele mit Meisterschaftsspielen in Katar, für die ich deshalb absagen musste. Wir sind uns bald einig geworden, dass eine Vertragsauflösung die richtige Entscheidung ist. Somit konnte ich mich voll auf die Nationalmannschaft konzentrieren.
Führen Sie zur Zeit irgendwelche Vertragsverhandlungen?
Nun ja, es gibt viele Kontakte mit südamerikanischen und arabischen Mannschaften, aber bevor ich mich entscheide, möchte ich noch die Weltmeisterschaft abwarten.
Sprechen wir über die angolanische Nationalmannschaft: In welchem Zustand ist die Mannschaft vor dem Portugal-Spiel?
Ok, wir haben die letzten drei Testspiele verloren (0:2 gegen Argentinien, 2:3 gegen die Türkei und 0:1 gegen die USA), dennoch glaube ich, dass wir eine optimale Vorbereitung hatten. Die Niederlagen beunruhigen mich nicht besonders. Auch in Europa hat alles gut geklappt. Wir machen uns keine Sorgen, wir werden die Sache ruhig und konzentriert angehen und unser bestes geben.
Im Freundschaftsspiel gegen die Türkei haben Sie ein Tor erzielt. Das hat Ihnen sicher Selbstvertrauen gegeben...
Natürlich, ich freue mich sehr über dieses Tor! Für einen Stürmer ist es immer wichtig zu treffen. Wenn man ein Tor erzielt, ist es immer gut, auch für die ganze Mannschaft. Ich hoffe, dass das bei der WM so weitergeht, und dass ich der Mannschaft mit meinen Toren helfen kann, die Vorrunde zu überstehen.
Was bedeutet es für Sie, das erste Spiel bei der Weltmeisterschaft ausgerechnet gegen Portugal zu bestreiten?
Für mich persönlich nichts Besonderes. Wir müssen ruhig bleiben und nicht zu viel denken, dann wird schon alles gut gehen. Für das angolanische Volk ist das natürlich etwas anderes (lacht). Ich möchte nicht einmal daran denken, was passieren würde, wenn wir tatsächlich gewinnen sollten. Aber abgesehen davon wird es ein sehr schwieriges Spiel gegen einen Mitfavoriten auf den WM-Titel.
Ihr glaubt also daran?
Im Fussball ist alles möglich, auch dass das kleine Angola das große Portugal schlägt. Wir wissen, dass die Portugiesen großartige Spieler in ihren Reihen haben, aber wir geben uns nicht schon vor dem Spiel geschlagen, denn ich denke, auch für sie wird es nicht leicht werden.
Welche Geheimwaffen wird der Professor Gonçalves gegen Portugal auspacken?
Das müssen Sie ihn fragen. Aber ich glaube, dass wir wahrscheinlich nur mit einer Spitze spielen werden (mit Akwa als einzigen Stürmer, Anm. d. R.), wie auch in den letzten drei Freundschaftsspielen. Ob wir tatsächlich so spielen, muss der Trainer entscheiden.
Vor welchem Spieler Portugals haben Sie den größten Respekt?
Pauleta er ist ein großartiger Torjäger.
Und in Ihrer Mannschaft?
Ich möchte keinen meiner Mannschaftskameraden besonders hervorheben, aber wenn ich nur einen Namen nennen müsste, wäre das Ze Calanga; er ist unglaublich schnell.
Wie sehen Sie allgemein Ihre Vorrundengruppe?
Auf dem Papier sind Portugal und Mexiko ganz klar die Favoriten, schon deshalb, weil sie international viel Erfahrung haben. Aber wie ich schon sagte: wir werden es ihnen so schwer wie möglich machen. Auch Iran darf man keinesfalls unterschätzen.
Wer sind Ihre Favoriten auf den Titel?
Vor allem Brasilien und Argentinien; und wegen des Heimvorteils auch Deutschland.
Von Torjäger zu Torjäger: Welche Stürmer werden sich besonders hervorheben?
Pauleta, den ich schon erwähnte, dann auch das großartige französische Sturmduo Henry und Trezeguet, Ronaldo und auch Drogba, der der große Hoffnungsträger des gesamten afrikanischen Kontinents ist.
Und Akwa nicht?
(lacht) Da haben Sie Recht. Warum eigentlich nicht? Ich hoffe, dass mir vieles gelingen wird.