Die Zeit der Trauer ist vorbei: nach der dramatischen Halbfinalniederlage gegen Italien und dem geplatzten Traum vom Gewinn des WM-Titels im eigenen Land richtet die deutsche Nationalmannschaft ihren Blick nach vorne. Am Samstag (21 Uhr) geht es für die Truppe von Bundestrainer Jürgen Klinsmann im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion im Spiel um den dritten Platz gegen Portugal.
Im Vorfeld der Partie gab es bereits Positives zu vermelden, denn die DFB-Auswahl konnte sich trotz des verpassten Finaleinzuges über einen ersten Titel bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 freuen. Stürmer Lukas Podolski wurde am Freitag mit der Gillette-Auszeichnung "Bester Junger Spieler" geehrt.
"Wir freuen uns enorm über die Auszeichung von Lukas Podolski. Das bestätigt seinen Weg, der stets nach vorne ging die letzten zwei Jahre. Er hat bereits letztes Jahr beim FIFA Konföderationen-Pokal angedeutet, was in ihm steckt, und er hat dies jetzt ein Jahr später bei der Weltmeisterschaft bestätigt. Wir freuen uns einfach für ihn", so Klinsmann über seinen Jungstar.
Für den Bundestrainer gilt es jetzt, das schmerzhafte Aus in der Vorschlussrunde endgültig aus den Köpfen seiner Spieler zu verbannen: "Die Stimmung ist wieder auf dem Weg nach oben. Den Schock, den uns die Italiener verpasst haben, haben wir jetzt einigermaßen verdaut", gab sich Klinsmann bereits zuversichtlich. "Wir wollen Dritter werden. Wir werden uns reinhängen und nochmals alles geben."
Trio fällt verletzt aus
In personeller Hinsicht muss die deutsche Nationalelf einige Ausfälle verkraften. Neben Arne Friedrich (Bänderdehnung im Knie) und Per Mertesacker (Fersen-OP) fällt auch Kapitän Michael Ballack verletzungsbedingt aus. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Tim Borowski, der Mittelfeldspieler musste eine Trainingseinheit vorzeitig abbrechen, wird jedoch wohl aller Voraussicht nach auf die Zähne beißen und auflaufen können.
Ebenfalls zum Einsatz kommen wird Oliver Kahn. In Absprache mit Stammtorwart Jens Lehmann wird er gegen die Portugiesen zwischen den Pfosten stehen. "Oliver Kahn wird spielen, weil wir es ihm einfach gönnen und ihm viel zu verdanken haben. Er hat viel Einfluss auf die Entwicklung junger Spieler genommen und ihnen viel Mut zugesprochen. Es ist fantastisch, welche Rolle er ausgefüllt hat. Deswegen hat er es auch verdient, im Tor zu stehen", betonte Klinsmann.
Motivationsprobleme bei seinen Schützlingen befürchtet der Bundestrainer jedenfalls nicht: "Es ist natürlich nicht das Finale, das wir uns gewünscht haben. Wir haben uns alle gewünscht, in Berlin zu bleiben und das große Finale zu spielen. Leider hat es nicht sollen sein. Dennoch werden wir uns alle Mühe geben, die Mannschaft wird sich vieles noch einmal vornehmen für dieses Spiel. Es ist ein Spiel um den dritten Platz bei einer Fussball-Weltmeisterschaft, das hat auch etwas für sich. Es gilt jetzt, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, um auch dem Publikum ein tolles Spiel zu zeigen."
Extramotivation für Klose
Ein tolles Spiel will auch Torjäger Miroslav Klose zeigen. Mit bislang fünf Turniertreffern führt er die Rangliste im Kampf um den Goldenen Schuh von adidas als erfolgreichster Torschütze der FIFA WM 2006 an. Ein weiteres Tor im "kleinen Finale", und die Auszeichnung wäre dem Angreifer wohl kaum mehr zu nehmen. "Portugal ist eine große Mannschaft. Es wird ein schweres Spiel werden, das wir alle natürlich gewinnen wollen, das ist überhaupt keine Frage. Aber es wird nicht einfach", so Klose.
Nach einem begeisternden Turnier der DFB-Auswahl fehlt nur noch der krönende Abschluss. Einen solchen wünscht sich auch Klinsmann, dessen Zukunft als Bundestrainer nach der WM-Endrunde immer noch nicht geklärt ist. Zwar haben sich Großteile der Bevölkerung sowie die komplette Mannschaft für den Coach ausgesprochen, doch Klinsmann selbst lässt sich nach wie vor alle Optionen offen.
"Ich möchte ein paar Tage Zeit haben, um nach der WM im Familienkreis zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Mein Blick gilt aber jetzt dem Spiel gegen Portugal. Das ist noch einmal ein ganz besonderes Erlebnis, das wir konzentriert angehen wollen. Wir wollen sie schlagen", so der Bundestrainer. "Das Allerwichtigste ist, dass jetzt eine Mannschaft da ist, die sehr selbstbewusst und positiv nach vorne blicken kann und in der Zuversicht weiter ihren Weg geht."