Zahlreiche Stürmer mit klangvollem Namen sind nach Deutschland gekommen, aber nur wenige von ihnen konnten bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 glänzen, bei der seit Italien 1990 die wenigsten Tore gefallen sind.
Vor dem letzten Wochenende der FIFA WM 2006 in Deutschland sind in 62 Spielen 139 Tore erzielt worden, was einem Schnitt von 2,27 Treffern pro Partie entspricht. Rückschlüsse auf die Gründe für den Tormangel erlaubt ein Blick auf den Beitrag der Stürmer.
FIFAworldcup.com analysiert der einzelnen Mannschaftsteile bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006:
FIFA Fussball-WM Deutschland 2006: Taktische Trends
Taktische Trends: Torhüter
Taktische Trends: Verteidiger
Taktische Trends: Mittelfeldspieler
Mit fünf Treffern führt Deutschlands Stürmer Miroslav Klose die Liste der besten Torschützen dieser WM an und ist heißester Anwärter auf den Goldenen Schuh von adidas. Wenn er sein Trefferkonto beim Spiel um den dritten Platz gegen Portugal am Samstag nicht ausbauen kann oder von seinen Herausforderern Thierry Henry und Teamkollege Lukas Podolski (beide bisher jeweils drei Tore) im Finale am Sonntag noch überholt wird, wäre er der WM-Torschützenkönig mit der niedrigsten Trefferausbeute seit 1962.
Um diese Statistiken besser zu verstehen, sprach FIFAworldcup.com mit dem ehemaligen peruanischen Nationalspieler Teofilo Cubillas, Mitglied der Technischen Studien-Gruppe der FIFA (TSG) bei dieser WM-Endrunde.
Für Cubillas, der 1970 in Mexiko und 1978 in Argentinien jeweils fünf Treffer erzielte, leiden die Stürmer unter dem Trend, dass immer mehr Trainer mit nur einer Spitze spielen. "Die Mehrheit der Mannschaften bei dieser WM sind nur mit einem Stürmer plus offensiven Mittelfeldspielern angetreten", sagte er.
"Die Tendenz ging dahin, mit einer einsamen Spitze ganz vorne zu spielen, die von anderen Spielern unterstützt wurde. Argentinien hat zwar mit (Hernán) Crespo und (Javier) Saviola gespielt, aber Saviola kam aus der Tiefe. Auch Deutschland hatte Klose und (Lukas) Podolski, aber einer von ihnen kam mehr aus dem Rückraum. Bei Brasilien haben alle hinter Ronaldo gespielt, Frankreich hat im Sturm nur (Thierry) Henry aufgeboten, Portugal nur Pauleta."
Das könnte erklären, warum außer Klose kein Stürmer bei diesem Turnier mehr als drei Tore geschossen hat. Neben Henry haben nur noch die Angreifer Crespo, Ronaldo, Podolski, Fernando Torres und David Villa drei Mal ins Netz getroffen. Im Gegensatz dazu erzielten beim FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002 Ronaldo acht Tore, Klose und Rivaldo fünf, Jon Dahl Tomasson vier und fünf weitere Stürmer jeweils drei Treffer.
"Wir haben nur sehr wenige typische Mittelstürmer gesehen und stattdessen mehr offensive Mittelfeldspieler", fuhr Cubillas fort. "Als klassischen Torjäger könnte man vielleicht noch am ehesten den Deutschen (Miroslav) Klose mit seinen Abstauberqualitäten und seinem Torriecher bezeichnen. Andere wie (Hernan) Crespo und Ronaldo haben zwar streckenweise beeindruckt, aber nicht konstant gut gespielt. Klose hingegen hat seine Leistung beständig gebracht."
Ein weiterer Trend, den Cubillas festgestellt hat, ist das überaus vorsichtige Angriffsspiel der Mannschaften ab dem Achtelfinale. Während es in der Gruppenphase noch einen Schnitt von 2,4 Toren pro Spiel gab, fiel diese Quote in den folgenden Runden auf 1,71 bei nur 24 Treffern in insgesamt 14 Achtel-, Viertel- und Halbfinalspielen.
"Man hatte den Eindruck, dass die Teams mehr darauf aus waren, nicht zu verlieren, als zu gewinnen", sagte Cubillas. "Dieser Trend zum konservativen Fussball lässt sich auch an der Tatsache ablesen, dass im Viertelfinale nur Italien drei Tore erzielt hat, während es ansonsten 1:0-Siege oder Elfmeterschießen gab. Ich denke, die Trainer sollten eine offensivere Spielweise anstreben und versuchen, mehr Torgelegenheiten zu erarbeiten. Das Spannendste am Fussball sind schließlich die Tore. Ein Fussballspiel ohne Tore ist wie ein Garten ohne Blumen."