Fernando: Effizienz und Zurückhaltung
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Fernando war noch ein 21 Jahre alter Youngster, der gerade erst zum FC Porto gestoßen war, als er sich einer besonderen Aufgabe stellen musste: 2009 sollte er im Viertelfinale der UEFA Champions League den Sturm von Manchester United aufhalten – damals angeführt von Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney. Sein Mangel an Erfahrung machte sich indes nicht bemerkbar. Auch wenn er das Ausscheiden der Dragões am Ende nicht verhindern konnte: Die beeindruckende Art und Weise, wie er die gegnerischen Stars bearbeitete und die eigene Abwehr entlastete, brachten dem brasilianischen "Sechser" viel Lob ein – und noch Einiges darüber hinaus.

Aufgrund seiner überzeugenden Leistung erhielt Fernando von den Fans zudem noch einen Spitznamen, der gleichwohl liebevoll wie auch originell war – ein Zeichen der großen gegenseitigen Zuneigung, die damals gefestigt wurde. "Ich erinnere mich, dass die Leute anfingen, mich 'Krake' zu nennen. Aber ich verstand nicht genau warum", erzählt der Mittelfeldakteur im Gespräch mit FIFA.com. "Später hat man es mir dann erklärt: Der Grund war, dass ich überall zu finden war, viel lief und es somit fast den Anschein machte, dass ich viele Beine hätte. Das war eine schöne Anerkennung", erklärt er lachend.

Dass der skurrile Spitzname letztlich haften blieb, hat vor allem damit zu tun, dass Fernando auch in den darauf folgenden Spielzeiten die gleiche Intensität und Effizienz auf den Platz brachte wie in dem damaligen Aufeinandertreffen mit Manchester United. Aber nicht nur das. Er tat dies zudem mit Zurückhaltung, wenigen Gelben Karten und der typischen – sowie auch grundlegend erforderlichen – gemäßigten Ausstrahlung eines souveränen "Sechsers". Es waren diese Qualitäten, die dem Brasilianer einen unumstrittenen Stammplatz einbrachten. Auf diese Weise wurde er zu einer Art tragender Säule für eine Mannschaft des FC Porto, die seitdem drei titelreiche Spielzeiten hinter sich hat.

Ich bin zwar nicht alt, aber ich halte mich für einen erfolgreichen Spieler, der schon einiges gesehen hat.
Fernando (Spieler, FC Porto)

"Das ist meine Art. Ich habe mich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt", unterstreicht er. "Daher spiele ich eher unauffällig. Doch ich denke, Zurückhaltung kann manchmal etwas Positives sein. Es zeigt, wie sehr ich mich für die Mannschaft einsetze. Das ist Teil meiner Aufgabe."

Doch selbst mit seiner "eher unauffälligen" Spielweise hat Fernando in seinen fünf Jahren beim Verein nicht nur reichlich Titel gesammelt – unter anderem einen Gewinn der UEFA Europa League, drei Meistertitel in der Liga und drei Titel im Pokalwettbewerb – , sondern sich zudem Anerkennung und einen hohen Stellenwert erarbeitet. So sehr, dass er sich mit nur 25 Jahren im Kreis der Erfahrensten im Klub wiederfindet. Hier steht er in einer Reihe mit Spielern wie Hélton, Lucho González oder João Moutinho, der im Übrigen erst nach Fernando zum Verein stieß.

"Der FC Porto arbeitet immer mit jungen Spielern und erneuert stets seinen Kader. Daher kann ich in der Tat sagen, dass ich einer von denen mit der meisten Erfahrung bin. Auch weil ich bereits seit längerer Zeit auf hohem Niveau spiele", so Fernando. "Die jungen Spieler wie Danilo, Alex Sandro oder auch James Rodríguez und Kelvin fragen mich nach meinen Erfahrungen, und ich versuche dann zu erklären, wie ich es bis hierher geschafft habe. Ich erzähle ihnen von der Eingewöhnungsphase und gebe Ratschläge dazu, wie man sich an den hiesigen Fussball anpasst und zurechtkommt. Ich bin zwar nicht alt, aber ich halte mich für einen erfolgreichen Spieler, der schon einiges gesehen hat."

Zurückhaltung erschwert den Weg zur Seleção
Doch genießt er einerseits in Portugal einen exzellenten Ruf, so muss er andererseits mit dem Umstand leben, in seiner eigenen Heimat kaum wahrgenommen zu werden. Nicht wenige Teamkollegen und sogar Gegner haben sich bereits gefragt, warum ein Spieler mit derart konstanten Leistungen nicht das brasilianische Nationaltrikot trägt. Vor kurzem ist Lucho González gar noch einen Schritt weiter gegangen: "Niemand spricht von Fernando, aber er ist ein Spieler, der seine internationale Klasse schon unter Beweis gestellt hat. Ich verstehe einfach nicht, warum er nicht Stammspieler in der 'Seleção' ist."

Richtig gehört: Stammspieler. Auf das Unverständnis seines Mannschaftskameraden hat Fernando keine Antwort parat. "Ich verfolge immer die Nominierungen und begrabe meine Hoffnungen nicht. Ich erhalte viele Briefe und Ermutigungen in Bezug auf das Nationalteam. Ich kann dazu nur sagen, dass ich weiter arbeiten werde", versichert er. "In Europa stehe ich in einem gewissen Rampenlicht, nicht so aber in Brasilien. Ich bin früh von dort weggegangen, und heute spiele ich sehr europäisch – mit anderen Eigenschaften als ein brasilianischer 'Sechser'."

Diese Eigenschaften werden seiner Ansicht nach von Trainern wie Mano Menezes nicht besonders geschätzt, der stets offensive "Sechser" bevorzugt hat. Da Fernando aber das genaue Gegenteil davon verkörpert, hat er nun wiederum einen konkreten Grund zur Hoffnung. Mit der Rückkehr von Luiz Felipe Scolari auf den Trainerposten der Seleção hat nun nicht nur ein Kenner des portugiesischen Fussballs das Sagen – er betreute die portugiesische Auswahl von 2003 bis 2008 – sondern mit ihm auch ein Coach, der dafür bekannt ist, auf einen zurückgezogenen "Sechser" zu setzen.

Ich glaube, dass dieser Stabilität verleihende defensive Mittelfeldspieler, wie er früher von Gilberto Silva oder Dunga verkörpert wurde, Brasilien im Augenblick fehlt. Und das kann mir in die Karten spielen.
Fernando über seine Chancen in der brasilianischen Nationalmannschaft

"Ich glaube, dass dieser Stabilität verleihende defensive Mittelfeldspieler, wie er früher von Gilberto Silva oder Dunga verkörpert wurde, Brasilien im Augenblick fehlt. Und das kann mir in die Karten spielen", bewertet Fernando die Situation. "Daher glaube ich daran, dass sich für mich eine Chance auftun kann. Ich habe es im Gefühl, dass er bald einen solchen 'Sechser' vermissen wird."

Während er seine Hoffnung nährt, arbeitet Fernando weiter unermüdlich daran, dem FC Porto in den einzelnen Wettbewerben zum Erfolg zu verhelfen. Mit seiner Allgegenwärtigkeit auf dem Feld erhofft er sich mit seinem Klub den Gewinn seines vierten portugiesischen Meistertitels, und in der UEFA Champions League "so weit wie möglich zu kommen", wie er sagt. Der nächste Schritt hierzu ist nun am Dienstag im Achtelfinale das Duell gegen den FC Malaga. Dann könnte er an seinen großen Auftritt von 2009 anknüpfen.

"Es werden ausgeglichene Partien werden, denn beide Teams haben ein ähnliches Niveau. Darum müssen wir zu Hause ein gutes Spiel abliefern", so seine Prognose. "Unser Team ist zurzeit stark und sehr stabil. Ich bin mir sicher, dass wir diese Saison noch mehr Titel erringen werden." Wer weiß, vielleicht würde dies Fernando ein wenig mehr ins Blickfeld rücken. Wahrscheinlich ist der Erfolg im Kollektiv tatsächlich der einzige Weg für einen Spieler, der soviel Zurückhaltung ausstrahlt.