Hummels: "Chancen stehen 55:45"
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Zwischen Fluch und Segen lagen für Mats Hummels an einem turbulenten UEFA Champions League-Abend bange 19 Minuten. Am Ende der emotionalen Achterbahnfahrt war die große Erleichterung im Gesicht des Nationalspielers abzulesen. "Uns und mir ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen", sagte der Innenverteidiger. Hummels hatte einen beinahe folgenschweren Bock geschossen, aber anschließend Borussia Dortmund mit seinem Kopfball zum 2:2 (1:1) bei Schachtjor Donezk das Tor in Richtung Viertelfinale geöffnet.

"Wir brauchen jetzt nicht einmal mehr einen Treffer zum Weiterkommen", sagte Hummels mit einem breiten Grinsen. Die Chancen des BVB, erstmals seit 15 Jahren wieder in die Runde der letzten Acht einzuziehen "sind nicht 70:30, sondern 55:45", ergänzte er mit Blick auf das Rückspiel am 5. März.

Er habe schon schlimmere Fehler gemacht, sagte der 24-Jährige zu jener Szene, als er sich bei einem langen Ball verschätzte und der eingewechselte Douglas Costa (68.) den ukrainischen Double-Gewinner mit 2:1 in Führung schoss. Dass Hummels in der 87. Minute seinen Patzer korrigierte und seine Teamkollegen für eine starke Vorstellung belohnte, war der gerechte Lohn für harte Maloche.

"Das Ergebnis ist okay, die Gegentore waren ärgerlich. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir zurückschlagen können", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, was Trainer Jürgen Klopp ohne Wenn und Aber bestätigte: "Die Mannschaft ist in diesem Hexenkessel cool geblieben. Wir haben gut gespielt, trotz der zwei Fehler in der Defensive. Und weil es im Fussball manchmal Gerechtigkeit gibt, durfte Mats den Ausgleich köpfen." Dennoch blieb der Eindruck: Es war in Donezk mehr möglich.

Klopp stimmten "auswärts immerhin 18:8 Torschüsse" und auch die wesentlich stabilere Defensive optimistisch. Die Antwort auf die 1:4-Pleite im eigenen Stadion am vergangenen Samstag gegen Hamburg hatte seine Mannschaft gegeben, blieb in der Königsklasse weiter ungeschlagen und untermauerte gleichzeitig ihre derzeitige Auswärtsstärke mit dem 14. Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage. Die Bestätigung der Vorstellung von Donezk soll am Samstag im Liga-Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt folgen - allerdings im eigenen Stadion.

Gleich zweimal kamen die Westfalen zurück, weil Dario Srna (31.) zuvor per Freistoß traf und Robert Lewandowski (41.) noch vor der Pause der Ausgleich gelang. "Am Ende hätten wir auch noch ein drittes oder viertes Tor machen können", sagte Kapitän Sebastian Kehl, der an seinem 33. Geburtstag ein Spiel der Extraklasse ablieferte.

Dennoch ist auch im Rückspiel Vorsicht geboten vor den schnellen Offensivkräften aus Donezk. "Das wird noch ein interessantes Spiel zu Hause", sagte Mario Götze, und auch sein Freund Marco Reus ist sich sicher: "Das wird ebenso spannend."

Am Ende einer unterhaltsamen wie niveauvollen Partie verneigte sich Klopp demütig vor der Kurve der 2.000 BVB-Fans, die eine teilweise abenteuerliche Odyssee über 2.200 Kilometer auf sich genommen hatten und ihre Mannschaft wie Sieger feierten.