Zola: "Ich genieße jeden Moment"
© Getty Images

Als Spieler war Gianfranco Zola nicht nur an seiner herausragenden Technik, sondern auch an seinem breiten Grinsen zu erkennen, das deutlich machte, wie sehr er das Spiel genoss. Auch als Trainer des englischen Zweitligaklubs FC Watford trägt der Italiener sein breites Lächeln weiterhin zur Schau und wünscht sich, dass seine Schützlinge den Fussball ebenso wie er genießen.

Nach seiner bemerkenswerten Spielerkarriere in England und Italien wechselte der legendäre Ex-Star des FC Chelsea auf die Trainerbank. Der von ihm betreute FC Watford spielt genau den flüssigen Offensivfussball, den Zola schon während seiner eigenen Zeit auf dem Platz liebte.

"Seit ich hier bin, genieße ich jeden Moment", sagte Zola im Gespräch mit FIFA.com. "Ich bekomme von Seiten des Klubs sehr gute Unterstützung. Die Eigentümer tun alles für mich. Sie haben optimale Bedingungen geschaffen, damit ich mein Bestes für das Team geben kann."

Schwere Aufgabe für Zola

Die Familie Pozzo hatte das Team von der Vicarage Road im Sommer 2012 übernommen und Zola kurz darauf zum Trainer berufen. Der Familie gehören auch die Klubs Udinese Calcio in Italien und FC Granada in Spanien. Zola musste als neuer Trainer nicht weniger als 14 Spieler in sein Team integrieren, von denen zwölf auf Leihbasis von den anderen Pozzo-Klubs kamen.

"Sie mussten nicht nur integriert werden, sondern das auch noch sehr spät", berichtet Zola. "Wir haben die Saison mit einer bestimmten Spielergruppe begonnen und mussten dann zahlreiche weitere Spieler in diese Gruppe einbringen. Es ist hart für mich, so viele Spieler draußen zu lassen, aber für die Spieler selbst ist es wohl noch härter. Sie alle trainieren Tag für Tag mit viel Einsatz. Da ist es nicht gut, wenn sie nicht spielen können."

Watford war 2007 als Tabellenletzter aus der Premier League abgestiegen. Derzeit liegt Zolas Team nur drei Punkte hinter den direkten Wiederaufstiegsplätzen. Doch der Italiener unterstreicht, dass es trotz der bisher guten Saison keinerlei festgelegte Saisonziele gibt.

"Weil wir viele Spieler hatten, die die Liga noch nicht kannten, gab es auch keinen Druck, sofort Siege einfahren zu müssen. Was wir im Moment erleben, ist ein Bonus. Wir haben das Potenzial des Teams erkannt und sind entschlossen, bis zum Ende weiterzumachen."

Die von Zola bevorzugte Spielweise entspricht keineswegs dem Klischee, das den meisten italienischen Trainern nachhängt. So hat in den zwei höchsten englischen Spielklassen einzig Manchester United noch mehr Tore erzielt als der FC Watford.

Junge Spieler zu stärken, gehört zu den Seiten meines Berufes, die ich besonders liebe.
Gianfranco Zola (Trainer, FC Watford)

"Ich schätze zwar durchaus verschiedene Spielweisen beim Fussball, doch wie der AC Mailand lange Zeit gespielt hat, das war nicht mein Ding. Ich finde, dass Barcelona in den letzten Jahren unter Pep Guardiola einfach bemerkenswert gespielt hat. Das Team hat unzählige Titel geholt und dabei mit unglaublichem Flair gespielt. So etwas versuchen wir hier auch."

Ein Grund für die enorme Torausbeute der Hornets ist die herausragende Form von Torjäger Matej Vydra. Der von Udinese ausgeliehene Stürmer hat in dieser Saison in den bisherigen 27 Einsätzen schon 19 Tore erzielt. Der 20 Jahre alte Angreifer aus der Tschechischen Republik hat auch schon sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gegeben. Gerüchten zufolge könnte er schon bald dauerhaft zum FC Watford kommen.

"Natürlich steht Matej Vydra im Moment voll im Rampenlicht", lächelt Zola. "Doch wir haben noch weitere Spieler wie Fernando Forestieri oder Nathaniel Chalobah, die sehr stark spielen. Ich habe eine ganze Reihe junger Spieler im Kader, denen ich eine große Zukunft zutraue."

Arbeit mit jungen Spielern

Zola hat sich in seiner noch jungen Karriere insbesondere durch die Arbeit mit jungen Spielern einen Namen gemacht. Nachdem er die italienische U-21-Auswahl betreute, in der unter anderem die heutigen A-Nationalspieler Giuseppe Rossi, Sebastian Giovinco und Riccardo Montolivo spielten, ging Zola für zwei Jahre zu West Ham United.

"Junge Spieler zu stärken, gehört zu den Seiten meines Berufes, die ich besonders liebe. Daher hat es mir bei West Ham sehr gut gefallen. Es hat mir großen Spaß gemacht, mit Spielern wie James Tomkins, Jack Collison und einigen weiteren zu arbeiten."

Der Zustrom ausländischer Spieler in den englischen Fussball wird oft als negativ für die Entwicklung junger britischer Spieler gesehen. Doch Zola, der von den Chelsea-Fans zum besten Spieler des Klubs aller Zeiten gewählt wurde, weist diese Auffassung zurück.

"Ich denke, dass ausländische Spieler sehr wichtig für den englischen Fussball sind. Es ist so ähnlich wie in meiner Frühzeit als Spieler. Ich hatte damals Maradona und andere Spieler vor mir. Als Youngster schaut man zu solchen Spielern auf und versucht, sich von ihnen inspirieren zu lassen und so viel wie möglich von ihnen zu lernen. Maradona hatte einen enormen Einfluss auf meine Karriere. Es war für mich eine fantastische Erfahrung, mit ihm zu trainieren und ihn beim Spielen zu beobachten."

Chelsea gehört zu den Klubs, die gerade mitten in einem Generationswechsel stecken.
Zola über seinen Ex-Klub

Während seiner Zeit an der Stamford Bridge entwickelte sich Zola zu einem der alten Hasen im Team und gab viel von seinen Kenntnissen an die jüngeren Spieler weiter. Bis heute wird er von den Chelsea-Fans verehrt, und vor fünf Jahren sagte er selbst in einem Interview mit dem englischen Fernsehsender Sky Sports: "Eines Tages möchte ich gut genug sein, um Trainer bei Chelsea zu werden. Dieser Klub hat seinen festen Platz in meinem Herzen."

Doch kürzlich hat Zola Spekulationen zurückgewiesen, die ihn mit einem Wechsel an die Stamford Bridge in Verbindung brachten. Nach seinen Worten befindet sich der FC Chelsea derzeit in einer schwierigen Phase des Umbruchs, ähnlich wie zu der Zeit, als er den Klub verließ.

"Für Chelsea ist das kein leichtes Jahr", so Zola. "Nach der vergangenen Saison musste man für das neue Jahr einige Probleme erwarten. Denn die Erfolge, die das Team in der vergangenen Saison gefeiert hat, waren unglaublich. Chelsea gehört zu den Klubs, die gerade mitten in einem Generationswechsel stecken. Wichtige Schlüsselspieler im Team werden langsam zu alt. Der Klub muss versuchen, Ersatz für sie zu finden. Es ist also eine Übergangsphase erforderlich, und diese ist jetzt im Gange", erklärte er.

"Es hat wohl unter Ranieri begonnen. Wir hatten eine sehr gute Mannschaft, die für den Klub so viel geleistet hat. Und dann wurde es Zeit, einige Spieler auszutauschen. Das ist immer eine schwierige Zeit für einen Klub. Misserfolge und schmerzhafte Rückschläge sind vorprogrammiert, egal was man tut", sagte Zola weiter.

Treffen mit Chelsea im kommenden Jahr?
Natürlich würde Zola in der kommenden Saison gern auf seinen Ex-Klub treffen. Doch der Italiener zeigt sich beeindruckt von dem enormen Aufschwung, den die höchste englische Spielklasse genommen hat, seitdem er im Jahr 2003 letztmals an der Stamford Bridge in der Premier League auflief.

"Die Premier League hat sich sehr gesteigert, was die Präsenz, das Interesse und auch die Geldsummen betrifft, die in die Liga investiert werden. Zahlreiche gute Spieler und Trainer sind herüber gekommen. Das hat das fussballerische Niveau enorm gesteigert, was sehr gut für das Land ist."

Auf die Frage, ob Watford möglicherweise schon in der nächsten Saison gegen die Blues antreten werde, ließ Zola erneut sein typisches breites Grinsen sehen und sagte:

"Die Mannschaft reagiert gut und entwickelt sich und das gefällt mir sehr. Ich freue mich, dass eine Entwicklung in die richtige Richtung erfolgt."