Bangladesch auf den Spuren von "Oranje"
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Nur wenige Fans würden wohl Bangladesch, das selbst in Asien als absoluter Außenseiter gilt, mit einem Fussballgiganten wie den Niederlanden in Verbindung bringen. Schließlich klafft zwischen den beiden Teams eine riesige Lücke, die sich auch an der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste ablesen lässt. Hier rangieren die Niederländer nämlich ganze 160 Plätze über den Asiaten. Diese Tatsache war für das südasiatische Land allerdings eher ein Anreiz, als bekannt wurde, dass Lodewijk de Kruif und sein Assistent Rene Koster, beide aus den Niederlanden, das Ruder der bangladeschischen Nationalmannschaft übernehmen werden.

"Es ist eine große Herausforderung, ein Fussball-Entwicklungsland wie Bangladesch zu trainieren", so Kruif, der die letzten anderthalb Jahre für den nigerianischen Spitzenklub FC Heartland verantwortlich war, in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com. "Aber unser Ziel ist klar: Wir wollen Bangladesch auf ein höheres Niveau katapultieren. Zu diesem Zweck werden wir uns zunächst auf eine Ausbildung der Spieler nach niederländischem Muster konzentrieren und dabei Organisation und Disziplin in den Vordergrund stellen. Auf diese Weise wollen wir für mehr Professionalität in der Denkweise und bei der Arbeit sorgen."

Koster, zu dessen Aufgaben die Trainerausbildung und Jugendförderung zählen, erklärt, was das Gespann von den Spielern erwartet: "Unsere Vision ist es, die niederländische Spielweise in ihren Köpfen zu verankern. Darunter verstehen wir viel Ballbesitz, einen geduldigen Spielaufbau aus der Abwehr heraus, Kontrolle des Spielrhythmus zum Erzielen von Toren, den Ehrgeiz, das Spiel zu dominieren, und Siegeswillen."

Fussballpotenzial
Bangladesch ist zwar in den hinteren Regionen der Weltrangliste zu finden, was die Bevölkerungszahl angeht, rangiert das Land weltweit jedoch an achter Stelle. Die Fussballleidenschaft im Land ist groß, weshalb FIFA-Präsident Joseph S. Blatter fest davon überzeugt ist, dass Bangladesch einer strahlenden Zukunft entgegensieht.

"Man sieht, dass Fussball hier mehr ist als ein Spaßfaktor", so Blatter während seines Bangladesch-Besuchs im März letzten Jahres. "Er entfesselt echte Leidenschaft und verfügt über das Potenzial, einen großen Sprung nach vorn zu machen. Das Land zählt 160 Millionen Einwohner, und ich bin davon überzeugt, dass Bangladesch über das nötige Talent verfügt."

Die FIFA hat die Entwicklung in Bangladesch über das Goal-Programm gefördert, in dessen Rahmen die Zentrale des Fussballverbands und eine Fussballakademie gebaut und ein Spielfeld angelegt wurde. "Die FIFA kann hier wertvolle Unterstützung leisten," erklärte Kazi Mohammed Salahuddin, Präsident des Fussballverbands von Bangladesch (BFF), vor einer Weile in einem Interview mit FIFA.com. "Hauptziel ist es, die Leistungen unserer Nationalmannschaft zu verbessern, um sie unter den besten Teams der Asien-Zone zu etablieren."

Durch ihre Bemühungen und mit Unterstützung der FIFA haben die bengalischen Tiger in den letzten Jahren kontinuierlich Fortschritte gemacht. In der Meisterschaft des südostasiatischen Fussballverbands (SAFF) gelang ihnen 2009 der Sprung unter die letzten Vier, und 2010 holte das Land bei den Südasienspielen gar die Goldmedaille.

Langfristige Vision
Kruifs erster Test als Nationaltrainer Bangladeschs steht im September auf dem Programm, wenn sein Team bei der SAFF-Meisterschaft in Nepal antritt. Hier soll Bangladesch möglichst an den Erfolg von 2003 anknüpfen, als man den Titel gewann. "Unser Vertrag beginnt offiziell im Juni. Damit haben wir drei Monate Zeit, die Mannschaft auf das Turnier vorzubereiten. Wir werden an der Basis anfangen und auf schrittweise Verbesserungen hinarbeiten", so der 43-Jährige.

Tatsächlich haben die beiden die Arbeit jedoch direkt nach der Bekanntgabe ihrer Ernennung aufgenommen, denn sie wollen sich so früh wie möglich auf die Aufgabe vorbereiten. "Wir waren vor vier Wochen in Bangladesch und haben uns zwei Spiele der Landesliga angeschaut. Wir haben Spieler mit guten Anlagen gesehen. Im März werden wir mit dem Team zur Qualifikation für den Challenge Cup reisen", fügt Koster hinzu.

Bisher kommen praktisch alle Spieler des Nationalteams aus der im Aufwind befindlichen ersten Liga des Landes. Das niederländische Trainerduo hat seinen Blick jedoch auch ins Ausland gerichtet und möchte auch Spieler rekrutieren, die in anderen Ländern aktiv und für ihr Heimatland spielberechtigt sind. Koster dazu: "Unsere Vision für die langfristige Entwicklung schließt die Auswahl von Spielern aus Europa und anderen Ländern ein. Wir hoffen, Spieler aus dem Rest der Welt zu finden, die weitere Qualitäten in die Nationalmannschaft einbringen und beim SAFF-Turnier dabei sein können."

Obwohl Bangladesch keinen leichten Stand hat, ist Kruif fest davon überzeugt, dass die Missionen erfüllt werden können: "Um in den Niederlanden Trainer zu werden, musst du eine strenge Ausbildung durchlaufen und hart arbeiten. Deshalb haben niederländische Trainer in vielen Ländern der ganzen Welt Beschäftigung gefunden. Um sich zu entwickeln, müssen die Spieler hart trainieren, und zwar nach einem guten Programm. Genau das werden wir den Jungs ermöglichen, denn wir wollen Bangladesch zum Erfolg führen", meinte er abschließend.