Klopp als Psychologe gefordert
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Vorfreude auf einen Fussball-Festtag in der UEFA Champions League sieht anders aus. Mit einer eindringlichen Ansprache versuchte Trainer Jürgen Klopp, mit den frustrierten Profis von Borussia Dortmund die 1:4-Heimpleite gegen den Hamburger SV aufzuarbeiten und sie gleichzeitig auf das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch (20:45 Uhr) bei Shakhtar Donetsk einzustimmen.

Dass auch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag am Trainingsgelände des deutschen Meisters im Stadtteil Brackel auftauchten, ließ einen Krisen-Gipfel vermuten. Doch Zorc stellte sofort klar: "Das ist Zufall, wir haben uns nicht verabredet."

Dennoch steht fest: Die dritte Heimniederlage der Saison und sechs Gegentore allein in den beiden letzten Bundesliga-Begegnungen (zuvor 3:2 in Leverkusen) haben Spuren hinterlassen. Vor der Abreise in die Ukraine war Klopp verstärkt als Psychologe gefordert. "Niederlagen müssen sich anfühlen wie Niederlagen, sonst haben sie keinen Wert", sagte der 45-Jährige und hofft im Duell mit Donezk auf eine Trotzreaktion.

Was da am Samstag gegen den HSV passiert sei, "hat uns allen nicht gefallen, aber Schuld daran sind wir alleine. Jetzt sammeln wir uns, und dann geht es weiter. Wir sind überall noch im Rennen", sagte Klopp. Doch der Erfolgscoach weiß nur zu genau, dass er seine Mannschaft wieder schnellstens in die Spur bringen muss. "Der Unterschied zwischen einem guten Tag und einem schlechten Tag ist der, dass du den schlechten idealerweise schneller vergisst", ergänzte der BVB-Coach.

Bisher haben ihn seine Spieler nicht im Stich gelassen und schwächere Vorstellungen umgehend korrigiert. Parade-Beispiel: Dem grottenschlechten Kick beim 1:2 im Revier-Derby gegen Schalke 04 ließ der BVB eine spektakuläre Gala mit einem 2:1-Sieg gegen Real Madrid in der Gruppenphase folgen.

Zudem bestehen berechtigte Chancen, dass sich die personelle Situation weiter verbessert. Die Rückkehr des erkrankten Nationalspieler Marcel Schmelzer und des von einer Verletzung genesenen Neven Subotic ist wahrscheinlich. Kevin Großkreutz wird wegen des Verdachts auf eine Lungenentzündung erneut nicht dabei sein. Die Rote Karte gegen Robert Lewandowski hat auf die Königsklasse keinen Einfluss. Sorgen bereitet noch ein geschwollener Zeh von Ilkay Gündogan.

Klopp legte seinen Fokus auf die Defensive, die sich erneut einige Blackouts leistete. "Wir haben vier Tore kassiert, darüber muss man sprechen", sagte Kapitän Sebastian Kehl, und Nuri Sahin meinte: "Das Positive ist aber sicherlich, dass wir am Mittwoch direkt Wiedergutmachung betreiben können."

Gefordert sein wird besonders die Abwehr gegen die brasilianischen Offensivkünstler aus Donetsk, das in bisher 18 Liga-Spielen schon 52-mal erfolgreich war. Aber Zorc bleibt optimistisch und meinte im Fachmagazin kicker: "Wir werden das hinbekommen. Es ist ja nicht so, dass diese Truppe nicht lernfähig ist." Dass Donetsk ohne Spielpraxis in der Liga dreieinhalb Woche vor dem Ende der Winterpause antreten muss, könnte ein kleiner Vorteil für die auswärts starken Borussen sein.