Dante nutzt Chance: "Ein Verteidiger für die Zukunft"
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Gutes Stellungsspiel, klare Aktionen und die Souveränität eines "alten Hasen": Dante hat im reifen Alter von 29 Jahren beim Debüt in Brasiliens Nationalmannschaft seine Chance genutzt. Der Abwehrspieler von Bundesliga-Tabellenführer Bayern München war beim 1:2 (0:1) der Südamerikaner im Londoner Wembley-Stadion gegen England durch eine ordentliche Vorstellung der Gewinner in einer schwachen Seleção.

"Ich bin sehr zufrieden. Wir haben einen starken Verteidiger für die Zukunft gesehen", sagte Trainer Luiz Felipe Scolari und stellte dem Neuling weitere Einsätze in Aussicht. Damit gelang dem Defensivmann mit der markanten Afro-Frisur ein wichtiger Schritt zur Teilnahme an der WM 2014 im eigenen Land.

"Wenn man verliert, ist es immer schwer zu sagen, dass man zufrieden ist. Aber für den ersten Einsatz war es ganz korrekt", meinte Dante nach Abpfiff in den Katakomben der Wembley-Arena. Als ihm die Journalisten zuriefen, dass Scolari ihn gerade auf der Pressekonferenz gelobt hätte, wurde sein Lachen noch breiter. "Es ist wichtig, dass wir alle selbstkritisch bleiben und hart an uns arbeiten.".

Nicht vergessen wollte der Strahlemann seinen Arbeitgeber, bei dem Dante Bonfim Costa Santos in den vergangenen Monaten nach seinem Abschied von Borussia Mönchengladbach zum Leistungsträger avancierte. "Ich hoffe, dass alles so weitergeht. Auf jeden Fall will ich bei Bayern München hart arbeiten - jeden Tag und jede Woche. Dann können weitere Einladungen zum Nationalteam kommen. Aber ich habe keine Garantie."

In München freute sich Dantes Vereinstrainer Jupp Heynckes aber zunächst mit seinem Abwehrstrategen über den gelungenen Einstand in Brasiliens Auswahl. "Für Dante ist das ein Wahnsinnsereignis, wenn man weiß, wie die Brasilianer für ihre Nationalmannschaft schwärmen. Für ihn ist das fantastisch, aber das hat er sich auch verdient", sagte der Bayern-Coach.

In seinem ersten Spiel für den fünfmaligen Weltmeister agierte der technisch versierte Abwehrmann in der Innenverteidigung links neben David Luiz. Der Bundesliga-Legionär konnte einige brenzlige Situationen entschärfen und blieb weitgehend fehlerlos. An den Gegentoren von Wayne Rooney (27.) und Frank Lampard (60.), die Englands ersten Sieg gegen die Seleção nach 23 Jahren besiegelten, traf ihn keine Schuld.

"Ich hatte vor dem Spiel ein gutes Gefühl, war nicht nervös", diktierte der Lockenkopf den vielen brasilianischen Journalisten in die Blöcke. Oft musste er im Raum gegen Rooney ran und hatte da auch leichte Probleme, dennoch vermied er große Fehler. "Ich bin es doch gewohnt, gegen Weltklasse-Stürmer zu spielen. Deshalb hatte ich auch keine Angst vor Rooney", meinte Dante.

Während der Newcomer im Mannschaftshotel der Brasilianer direkt neben der Wmbley-Arena zufrieden ins Bett fallen durfte, begleiteten seine Mitspieler und Trainer Scolari Sorgen noch in die Nacht. Von der einstigen Überlegenheit, geschweige denn vom legendären Samba-Fussball war im Jubiläumsspiel zum 150-jährigen Bestehen des englischen Verbandes nichts zu sehen. Im Gegenteil: Der auf den 18. Weltranglistenplatz abgestürzte Rekord-Weltmeister agierte über weite Strecken einfallslos und wartet nun schon zwei Jahre auf einen Sieg gegen eine der großen Mannschaften.

"Ich bin zufrieden", meinte Scolari dennoch. "Sechs meiner Spieler, die in Brasilien spielen, beginnen gerade mit der Saison. England ist mittendrin." Spielmacher Ronaldinho, den der Portugiese zurückgeholt hatte, habe in diesem Jahr sogar erst ein Spiel über 90 Minuten gemacht. Der Rückkehrer enttäuschte in der 19. Minute, als er per Handelfmeter und Nachschuss an Englands Keeper Joe Hart scheiterte. Scolari sah es ihm nach. "Wenn er weiter an sich arbeitet, werde ich ihn auch wieder einladen."

Kaum zu sehen war indes Shooting-Star Neymar. Zwar fiel der Youngster vom FC Santos einen Tag nach seinem 21. Geburtstag durch ein gutes Verständnis mit Ronaldinho auf und deutete in einigen Situationen sein Tempospiel an, doch den Auftritt seiner Mannschaft konnte der neue Superstar nicht prägen. Dabei hatte ihn Mitspieler Ronaldinho vor dem Anpfiff noch in höchsten Tönen gelobt: "Er ist ein Idol in Brasilien. Unser bester Spieler."

In Wembley war allerdings wenig davon zu sehen.