Quartett der Großen in Hochform
© AFP

Vier ehemalige Weltmeister haben am Mittwoch, den 6. Februar, mit Prestigesiegen gegen Schweden, Frankreich, Brasilien beziehungsweise Uruguay gezeigt, dass auch bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ mit ihnen zu rechnen sein wird.

Zwei südamerikanische Weltmeister hingegen, Brasilien und Uruguay, haben trotz ihres enormen Spielerpotenzials beziehungsweise zweier außergewöhnlicher Stürmer die Erfolgsformel noch nicht gefunden.

Das Topspiel
EnglandBrasilien 2:1, Wembley-Stadion, London, England
Tore: Wayne Rooney (26.), Frank Lampard (60.) für England; Fred (49.) für Brasilien

Luiz Felipe Scolari hat im Wembley-Stadion feststellen müssen, dass ihm noch viel Arbeit bevorsteht, um eine brasilianische Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zu bringen, die in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste bis auf Rang 18 abgerutscht ist, die schlechteste Platzierung ihrer Geschichte. Für Rückkehrer Ronaldinho begann die Partie wie ein Albtraum, als Torhüter Joe Hart seinen Elfmeter abwehrte und auch beim Nachschuss reaktionsschnell auf dem Posten war. Davon sollte sich Ronaldinho, der nach der Pause draußen blieb, nicht mehr erholen. Zuvor hatte Wayne Rooney einen vom starken Julio Cesar abgewehrten Ball zur Führung verwandelt.

In der zweiten Halbzeit präsentierte Scolari eine taktische Neuausrichtung und beorderte Fred in die Sturmspitze, Neymar auf die linke Seite, Oscar ins kreative Zentrum und Lucas auf den rechten Flügel. Noch bevor sich die Engländer richtig sortiert hatten, erzielte Fred mit einem satten Linksschuss den Ausgleich. Das Spiel war nun ausgeglichener, doch die Männer von Roy Hodgson zeigten die geschlossenere Mannschaftsleistung. Folgerichtig gelang Frank Lampard mit einem seiner typischen Schüsse von der Strafraumgrenze der Siegtreffer. Ein "Rückspiel" ist für den 2. Juni 2013 in Brasilien vorgesehen.

Die anderen Spiele
FrankreichDeutschland 1:2

Frankreich wurde nach zuletzt starken Leistungen in seinem Elan gebremst und unterlag einer deutschen Elf, die sich in allen Mannschaftsteilen äußerst stabil zeigte und von einem beeindruckenden Ilkay Gündogan angeführt wurde, der im Mittelfeld meisterhaft Regie führte. Trotz des Fehlens zahlreicher Stammspieler war Deutschland über weite Strecken das überlegene Team und fügte den Bleus die zweite Niederlage unter Didier Deschamps zu. Auch eine starke Leistung von Franck Ribéry konnte daran nichts ändern. Dabei hatte Mathieu Valbuena gegen eine zu Beginn noch zögerliche deutsche Abwehr die Führung erzielt. Doch nach der Pause legte Gündogan nach erfolgreicher Balleroberung mustergültig für Thomas Müller auf, der in den Rücken der Defensive gestartet war. Eine Viertelstunde vor dem Ende schließlich bediente Mesut Özil seinen Teamkameraden von Real Madrid, Sami Khedira, der Hugo Lloris keine Chance ließ. Damit revanchierte sich Deutschland für die Niederlage im vergangenen Jahr, als sich Frankreich mit demselben Ergebnis in Deutschland durchgesetzt hatte.

SpanienUruguay 3:1

 
Auf einem an einen Golfplatz erinnernden Rasen in Doha musste der Welt- und Europameister Spanien sein ganzes Können aufbieten, um den amtierenden Südamerikameister Uruguay zu bezwingen. Die Celeste zeigte sich indes in der Defensive ebenso anfällig wie brillant in der Offensive. Vicente Del Bosque musste auf zahlreiche verletzte Stammspieler verzichten und setzte auf einen sieben Mann starken Block vom FC Barcelona. Unter ihnen befand sich auch Cesc Fàbregas, der nach einem groben Schnitzer von Fernando Muslera den Führungstreffer erzielte, bevor er mit einer Vorlage im Stile Messis den zweiten Treffer durch Pedro auflegte.

Zuvor hatte Pedro bereits einen schnell ausgeführten Gegenstoß erfolgreich vollendet. Uruguay erarbeitete sich durch seine Topstürmer Luis Suarez und Edinson Cavani zahlreiche Chancen, und auch Cristian Rodriguez sorgte stets für Gefahr und erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich. Doch die Anfälligkeit in der Defensive ist zumindest teilweise der Grund dafür, dass die Celeste auch in der WM-Qualifikation der Südamerika-Zone zurzeit einen so schweren Stand hat. Vicente Del Bosque, der seit Juli 2008 an der Spitze der Roja steht, egalisierte bei dieser Gelegenheit mit seinem 68. Spiel als Nationaltrainer den Rekord von Ladislao Kubala (1969-80) und weist zudem die beeindruckende Bilanz von 57 Siegen, fünf Unentschieden und nur sechs Niederlagen auf.

NiederlandeItalien 1:1

80 Minuten lang kontrollierte eine stark verjüngte niederländische Mannschaft die Partie und zwang Gianluigi Buffon zu einer grandiosen Leistung. Die Azzurri waren mit einem Tor Rückstand noch gut bedient, nachdem Jeremain Lens nach einem Abwehrfehler der italienischen Defensive die Führung erzielt hatte. Doch die Niederländer waren nicht in der Lage, die endgültige Entscheidung herbeizuführen, so dass Marco Verratti der Squadra Azzurra durch sein Tor in der letzten Minute noch ein Unentschieden rettete. Dennoch wird dies eine sehr aufschlussreiche Partie für Louis van Gaal gewesen sein, der in seiner Startelf auf Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart und Arjen Robben verzichtete. Auf Seiten der Italiener hingegen konnten Mario Balotelli und Stephan El Shaarawy die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen.

SchwedenArgentinien 2:3

Es wurde allgemein ein Duell zwischen Lionel Messi und Zlatan Ibrahimovic erwartet, stattdessen wurde eine königliche Gala geboten. Die Akteure des Abends waren die Real-Stars Angel Di Maria, der als Vorlagengeber glänzte, sowie Gonzalo Higuain und Sergio Agüero, welche die Tore beisteuerten. Mit gutem Stellungsspiel, perfektem Verschieben und gefährlichen Kontern bestimmten die Argentinier in der ersten Halbzeit das Geschehen, ohne Lionel Messi zu sehr in Anspruch nehmen zu müssen. Di Maria zeigte mit zwei Torvorlagen eine nahezu perfekte erste Halbzeit. Ibrahimovic konnte dieses Mal keine Aufholjagd wie in Deutschland einleiten, denn nach der Pause blieb er auf der Bank. Die Albiceleste kam noch zu zahlreichen Torgelegenheiten, konnte die Führung jedoch nicht weiter ausbauen, so dass Rasmus Elm in der letzten Minute den Rückstand noch verringern konnte.

Portugal – Ecuador 2:3


Portugal, das in der WM-Qualifikation mit fünf Punkten Rückstand auf den Gruppenersten Russland auf Rang drei liegt, konnte sich auch im Testspiel gegen Ecuador kein neues Selbstvertrauen holen. Luis Antonio Valencia von Manchester United erzielte die Führung für die Gäste, bevor Cristiano Ronaldo der Ausgleich gelang und Helder Postiga die Portugiesen sogar in Front brachte. Joao Pereira brachte Ecuador unfreiwillig wieder ins Spiel zurück, und Felipe Caicedo gelang kurz vor Ende einer umkämpften Partie der Siegtreffer. Den Portugiesen wird dieses Ergebnis mit Blick auf den entscheidenden Monat März nicht gerade mehr Sicherheit geben.

In weiteren Partien setzte sich Bosnien-Herzegowina dank seiner starken Offensive mit 3:0 gegen Slowenien durch und die EJR Mazedonien bestätigte mit demselben Ergebnis gegen Dänemark den Aufwärtstrend der letzten Zeit. Ebenfalls mit 3:0 gewann Japan unter Alberto Zaccheroni gegen Lettland. Shinji Okazaki gelang dabei ein Doppelpack. Korea Republik hingegen geriet in London gegen Kroatien mit 0:4 unter die Räder. Chile feierte einen 2:1-Erfolg gegen Ägypten, während sich Serbien dank eines Doppelpacks von Dusan Tadic, der nunmehr 13 Tore in 33 Länderspielen auf dem Konto hat, mit 3:1 in Zypern durchsetzte.

Spieler des Tages
Nach einer bisher wechselhaften und oft enttäuschenden Saison für Real Madrid und Kritik von seinem Trainer José Mourinho gelang Angel Di Maria an diesem Mittwoch, 6. Februar, eine seiner besten Leistungen für Argentinien. Der Knoten platzte wohl in der Partie gegen den FC Valencia (5:0), als ihm gleich vier Torvorlagen gelangen. In Schweden zeigte sich Di Maria in seinem 36. Länderspiel von seiner besten Seite, dominierte das Mittelfeld und überzeugte durch seine Übersicht und sein technisches Können.

Tor des Tages
FrankreichDeutschland 1:2, Mathieu Valbuena (44.)

Ausgerechnet dem kleinsten Spieler auf dem Platz, Mathieu Valbuena (1,67 Meter), gelang gegen die Abwehrhünen der deutschen Defensive, Per Mertesacker (1,98 Meter) und Mats Hummels (1,92 Meter), per Kopf der Führungstreffer. Nachdem Karim Benzema einen Freistoß an die Latte gesetzt hatte, bediente Moussa Sissoko den kleinen Spieler aus Marseille, der am schnellsten reagierte.

Statistik 
200 – So viele Länderspiele haben der Engländer Ashley Cole und der Spanier Carles Puyol gemeinsam auf dem Konto, die beide am 6. Februar ihren Einzug in den illustren Kreis der "Hunderter" feierten. Der 32-jährige Cole kam am 28. März 2001 gegen Albanien (3:1) zu seinem Debüt und damit vier Monate später als der 34-jährige Puyol, der am 15. November 2000 gegen die Niederlande (1:2) erstmals für Spanien auf dem Platz stand. Während der Verteidiger vom FC Barcelona bereits drei Länderspieltore erzielt hat, wartet der Akteur vom FC Chelsea noch immer auf seinen ersten Treffer. Jeweils sechs Spieler Englands wie auch Spaniens haben diese Marke zuvor erreichen oder übertreffen können.

Ihre Meinung zählt
Wird Brasilien bei "seiner" Weltmeisterschaft bereit sein?