Ribéry: "Fühle mich wie befreit"
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Die Zeiten, in denen Franck Ribéry mit einem schlechten Gefühl zur Nationalmannschaft reiste, sind noch gar nicht so lange her. Nach der FIFA WM 2010™ in Südafrika hatten viele Landsleute auch den Superstar von Bayern München dafür verantwortlich gemacht, dass der französische Fussball weltweit in die Schlagzeilen geriet und viel an Ansehen verlor.

Mit Schimpf und Schande war die Equipe Tricolore in der Heimat empfangen worden. Doch die Wogen haben sich geglättet. Unter dem neuen Nationaltrainer Didier Deschamps erlebt Frankreich einen Aufschwung - mit Ribéry als Hoffnungsträger, auch wenn der 29-Jährige in der französischen Öffentlichkeit nach wie vor etwas kritisch beäugt wird.

Doch für Ribéry ist dies vor dem "ganz besonderen" Länderspiel am Mittwoch (21:00 Uhr) in Paris gegen die deutsche Nationalelf Vergangenheit. Er denke schon, dass er sich mit dem Publikum versöhnt habe und für ihn eine neue Zeitrechnung beginne. "Die Spiele tun mir gerade gut. Ich habe die Freude wiedergefunden, fühle mich wie befreit. Das ist ein schönes Gefühl", sagte er dem kicker.

Es habe Spiele in Paris gegeben, "da fühlte ich mich gehemmt", führte der seit Monaten in der Liga überragende Ribéry weiter aus: "Alles war eher negativ. Aber diese Stimmung hat sich ganz schön gedreht. Ich fühle mich derzeit sehr wohl, wenn ich nach Frankreich komme. Ich freue mich auf Paris."

Und diesmal besonders auf das Duell gegen seine Münchener Kollegen, auch wenn sein Traum von einem Beinschuss gegen Bastian Schweinsteiger nicht in Erfüllung gehen kann, da dieser verletzt fehlt. Man hatte zuletzt schon im Training über das Spiel viele Späße gemacht, "wir hatten einiges zu lachen, aber unsere Freundschaft spielt am Mittwoch für 90 Minuten keine Rolle".

Immerhin geht es um viel Prestige - und für die Franzosen darum, den positiven Trend der letzten Monate fortzusetzen, der sich zuletzt mit einem Remis gegen Welt- und Europameister Spanien und einem Sieg gegen Italien angedeutet hat. Es habe sich "viel verändert" unter Deschamps, unterstrich Mittelfeldspieler Ribéry: "Er hat genaue Vorstellungen und Ziele. Er gibt klare Anweisungen und weiß, was er will. Mit ihm ist wieder Disziplin eingekehrt."

Extratouren gibt es auch für einen Ribéry nicht mehr, auch wenn der Bayern-Profi bei seinem Coach eine ganz wichtige Rolle einnimmt. "Ich möchte nicht auf ihn verzichten. Ich habe nicht viele Spieler, die die Champions League gewinnen können und gewinnen wollen", betonte der Weltmeister von 1998 im SID-Interview.

Auch die Tatsache, dass Ribéry im Bayern-Dress häufig stärker als im Nationalteam auftrumpft, analysiert Deschamps ganz pragmatisch: "Bei den Bayern hat er permanentes Vertrauen. Die haben ihn selbst in den schwierigsten persönlichen Situationen unterstützt. In Frankreich hat er Südafrika erleben müssen - diese Bus-Affäre mit dem Trainingsboykott. Aber er reift."

Die Bayern wissen die Vorzüge des dribbelstarken Franzosen, der derzeit wohl seine beste Saison in München spielt und sichtlich Spaß an seinem Beruf hat ("dann ist Fussball einfach"), schon länger zu schätzen. Aber auch Ribéry weiß, was er an seinem Verein hat. Unlängst hat er erst wieder ein klares (Liebes-)Bekenntnis zum FC Bayern abgegeben. Sein Vertrag beim deutschen Rekordmeister laufe noch bis 2015 - "und ich will hier nicht mehr weg. Ich wurde noch nirgendwo so sehr geliebt!"