Der nächste große Kadlec
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Der Nachname Kadlec steht im tschechischen Fussball für wahrlich große Qualität. Da wäre allen voran natürlich Miroslav Kadlec, der bis heute als einer der erfolgreichsten Fussballer gilt, den die ehemalige Tschechoslowakei hervorgebracht hat. Nach der Aufspaltung des Landes fungierte der Libero als Kapitän der Tschechischen Republik und führte seine Mannschaft bei der UEFA EURO 1996 bis ins Endspiel - dem bislang größten Erfolg der noch jungen Verbandsgeschichte.

In seine Fußstapfen trat vor nicht allzu langer Zeit sein Sohn Michal, der beim deutschen Bundesligisten Bayer Leverkusen längst zu einem Stammspieler aufgestiegen ist und auch den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft hat. "Ich hatte durch meinen Nachnamen eher Nachteile, da ich als Sohn eines berühmten Fussballers bestimmte Erwartungen geweckt habe", gestand der 28-Jährige vor gut einem Jahr gegenüber FIFA.com.

Ein unglaubliches Debüt
Ähnlich dürfte sich also auch der "neue" Kadlec fühlen, der allerdings keine familiäre Verbindung zu seinen Namensvettern hat. Sein Name? Vaclav Kadlec. Doch nichtsdestotrotz hat er seinem berühmten Namen bereits alle Ehre gemacht. Der 20-Jährige brauchte nämlich gerade einmal ein Länderspiel, um in die Annalen des tschechischen Fussballs einzugehen.

Bei seinem Debüt im Oktober 2010 erzielte er gegen Liechtenstein den 2:0-Endstand und avancierte mit seinem Treffer zum jüngsten Torschützen in der Geschichte des Landes.

"Daran kann ich mich noch gut erinnern. Tomas Rosicky hatte den Angriff eingeleitet, ließ zwei Verteidiger stehen und bediente mich mit einem großartigen Pass. Der Platz war sehr nass, daher hatte der Torhüter keine Chance gegen meinen Schuss. Ich bin natürlich sehr stolz darauf. Wenn man mal auf die Torschützen des Teams der Vergangenheit schaut, fühlt es sich großartig an, dazuzugehören. Aber entscheidend ist, dass dies nicht der einzige Treffer bleibt. Ich will noch weitere hinzufügen", erklärt Vaclav Kadlec im exklusiven Interview mit FIFA.com.

Der selbstbewusste Angreifer weiß was er kann, schließlich gilt er als eines der größten Talente des tschechischen Fussballs seit Rosicky. Das zeigt allein seine Auszeichnung zum tschechischen Talent des Jahres 2010.

Kadlec im Verletzungspech
Bereits als 16-Jähriger wechselte er von seinem Jugendverein Bohemians Prag zum Stadtrivalen Sparta, wo er gleich in seiner ersten Saison zum Einsatz kam und direkt traf. Bis heute hat er fast 100 Spiele für die Blau-Gelb-Roten bestritten. "Ich sehe mich selbst nicht unbedingt als Schlüsselspieler - vielleicht aber als ein wichtiger", so der Tscheche, dessen Karriere nicht nur steil bergauf ging. "Vor einem halben Jahr wusste wegen meiner Verletzungen niemand so genau, wie es weitergeht. Nun bin ich glücklich, wie es derzeit läuft."

Tatsächlich ist die Liste der Verletzungen des Jungstars bereits jetzt schon lang. Gerade erst ist der 20-Jährige nach einer Kopfoperation und einer fast zweimonatigen Pause auf den Fussballplatz zurückgekehrt. "Ich bevorzuge es, mir nur kurzfristige Ziele zu setzen. Ich will noch einige Tore erzielen, die Meisterschaft holen und im Europapokal so weit wie möglich kommen."

Mit kleinen Schritten also zum Erfolg und dem ganz großen Ziel: die FIFA WM 2014. Natürlich sei das das Ziel eines jeden Spielers. Aber: "Es wird schwer, da die Italiener wohl den Gruppensieg holen werden. Der Rest wird sich also um Rang zwei streiten. Man wird sehen, ob es am Ende reicht."

"Wir tun das, was wir lieben"
In der Gruppe B der Europa-Qualifikation liegt der FIFA/Coca-Cola-Weltranglisten-29. aktuell hinter Spitzenreiter Italien (4 Spiele, 10 Punkte) und Bulgarien (4, 6) mit fünf Punkten aus drei Spielen durchaus aussichtsreich im Rennen. Dänemark und Armenien heißen die nächsten Gegner Ende März in der WM-Qualifkation. Auch Kadlec hofft, dann wieder zum tschechischen Kader zu gehören.

"Wir tun das, was wir lieben. Ich bin so glücklich, Fussball spielen zu dürfen. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Das ist großartig", beschreibt Kadlec zum Abschluss des Interviews mit FIFA.com die Faszination des runden Leders für ihn.

Inwieweit er die Vorschusslorbeeren bezüglich seines Namens und der Vergleiche mit Kapitän und Superstar Rosicky bestätigen kann, bleibt erstmal abzuwarten. Das Potential und die Voraussetzungen in jene Fußstapfen zu treten, sind jedenfalls allemal vorhanden.