Reizvolle und prestigeträchtige Duelle
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Bei den rund 30 Freundschaftsspielen, die in dieser Woche auf dem Programm stehen, kommt es zu fünf Begegnungen zwischen Spitzenmannschaften, die wir in dieser Konstellation durchaus auch in knapp 500 Tagen bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ zu sehen bekommen könnten. Neben den beiden europäischen Klassikern zwischen Frankreich und Deutschland sowie den Niederlanden und Italien stehen dabei vor allem die drei Duelle zwischen europäischen und südamerikanischen Teams (EnglandBrasilien, SchwedenArgentinien und SpanienUruguay) im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Das Topspiel
EnglandBrasilien, Wembley-Stadion, London

Das Aufgebot für das erste Länderspiel der Seleção unter Luiz Felipe Scolari, der im November 2012 sein Amt als brasilianischer Nationaltrainer antrat, wurde bereits mit Spannung erwartet. Für einige Überraschung sorgte Felipão, der Brasilien bereits bei der FIFA WM Korea/Japan 2002 als Nationalcoach betreut hatte, mit seiner Ankündigung, den mittlerweile 32-jährigen Ronaldinho, der derzeit bei Atlético Mineiro eine Art zweiten Frühling erlebt, in die Seleção zurückzuholen. Ähnlich verhält es sich mit der Nominierung des 33 Jahre alten Torhüters Julio Cesar, der aktuell bei den Queens Park Rangers für Furore sorgt und nach 64 Länderspieleinsätzen ebenfalls eine neue Chance im Nationaltrikot erhalten soll. Beide Routiniers hatten im Kader von Mano Menezes keine Rolle mehr gespielt. Im Angriff hat Scolari die Qual der Wahl zwischen Jungstar Neymar (FC Santos), Fred (Fluminense Rio de Janeiro), Hulk (Zenit St. Petersburg), Lucas (Paris Saint-Germain) und Luis Fabiano (FC São Paulo). Dagegen fand Kaká, der bei Real Madrid einen schweren Stand hat und dort kaum zum Einsatz kommt, beim neuen Auswahltrainer keine Berücksichtigung. Im Übrigen bleibt Scolari nicht mehr viel Zeit, um seiner Mannschaft, deren aktuelle Standortbestimmung sich aufgrund der fehlenden internationalen Vergleiche eher schwierig gestaltet, wieder zu alter Stärke zu verhelfen.

Keine Überraschungen enthält hingegen der Kader von Englands Trainer Roy Hodgson, der unter anderem auf Ashley Cole baut und diesem seinen 100. Einsatz im Trikot der Three Lions beschert. Allerdings muss Hodgson ohne die verletzten Jermain Defoe, Michael Carrick und Daniel Sturridge auskommen.

Die anderen Spiele
FrankreichDeutschland
Seit seiner Amtsübernahme im Juli 2012 setzt Nationaltrainer Didier Deschamps im Kern auf Hugo Lloris, Mamadou Sakho, Blaise Matuidi und Karim Benzema. Um diese Schlüsselspieler herum testet er immer wieder einmal neue Akteure. Dieses Mal betrifft es den 23 Jahre alten Stürmer Romain Alessandrini von Stades Rennes, der noch in der vergangenen Saison in Frankreichs Ligue 2 spielte. Darüber hinaus wird sicher auch der Auftritt von Franck Ribéry gegen seine Mannschaftskollegen und die ihm bestens bekannten Gegenspieler aus der Bundesliga mit besonderem Interesse verfolgt werden. Mit dem 2:1-Erfolg im Freundschaftsspiel gegen Italien und einem wertvollen Auswärtsremis (1:1) in der WM-Qualifikation gegen Spanien konnte Frankreich zuletzt zwei hervorragende Ergebnisse verbuchen. Der DFB-Elf haftet trotz des torlosen Unentschiedens im jüngsten Testspiel gegen die Niederlande noch das Trauma vom 4:4 gegen Schweden an, als sie binnen 28 Minuten noch vier Gegentore hinnehmen musste. Hinzu kommt, dass Trainer Joachim Löw seine Startformation nur mit einiger Mühe zusammen bekommt, da außer Bastian Schweinsteiger auch Marcel Schmelzer, Marco Reus, Mario Götze und Miroslav Klose verletzungsbedingt absagen mussten und der Einsatz von Ilkay Gündogan und Lars Bender noch mit einem Fragezeichen versehen ist.

NiederlandeItalien
Seit ihrem Patzer am 15. August 2012 in Belgien (2:4) sind die Niederländer dank ihrer soliden Abwehr (lediglich zwei Gegentore) und ihrer effizienten Angriffsreihe (13 Treffer) in den letzten fünf Spielen ohne Niederlage geblieben. Folglich besteht für Trainer Louis van Gaal keinerlei Anlass, seine Mannschaft umzustellen. Sein Gegenüber Cesare Prandelli hingegen muss auf Christian Maggio, Federico Balzaretti, Claudio Marchisio, Mattia Destro und Giorgio Chiellini verzichten. Außerdem verordnete er aus disziplinarischen Gründen auch Leonardo Bonucci eine Zwangspause, weil dieser unlängst nach dem Serie A-Spiel zwischen Juventus Turin und CFC Genua durch unsportliches Verhalten für negative Schlagzeilen gesorgt hatte. Bemerkenswert ist zudem die Berufung von Lazio-Torhüter Federico Marchetti, der sich derzeit in Bestform befindet und seit der FIFA WM Südafrika 2010 nicht mehr für die Squadra Azzurra nominiert worden war. Mit großer Spannung wird indes der gemeinsame Auftritt von Mario Balotelli und Stephan El Shaarawy erwartet. Dass jetzt beide beim AC Mailand unter Vertrag stehen, dürfte die Abstimmung zwischen ihnen spürbar verbessern.

SchwedenArgentinien
Argentiniens Nationaltrainer Alejandro Sabella stützt sich überwiegend auf seine "europäischen Legionäre". Als einzigen nicht bei einem europäischen Verein aktiven Spieler berief er den Mittelfeldakteur Walter Montillo vom FC Santos in sein Aufgebot. Bei dieser Begegnung kommt es übrigens zum Wiedersehen zwischen Lionel Messi, dem viermaligen FIFA-Weltfussballer des Jahres, und Zlatan Ibrahimovic, seinem früheren Teamkollegen bei Barça. Der Schwede hatte zuletzt im Freundschaftsspiel gegen England vier Treffer erzielt.

SpanienUruguay
Verletzungsbedingt fehlen beim amtierenden Weltmeister im Prestigeduell gegen Uruguay in Doha mit Iker Casillas, Fernando Torres, Roberto Soldado, Xavi und Xabi Alonso gleich fünf Stammspieler. Dadurch könnte Isco, das neue Juwel vom FC Málaga, zu seinem ersten Länderspieleinsatz kommen. Das in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auf Platz 16 rangierende Uruguay hatte in den beiden jüngsten WM-Qualifikationsspielen gegen Argentinien (0:3) und in Bolivien (1:4) nicht weniger als sieben Gegentore kassiert, bevor man zuletzt im Freundschaftsspiel gegen Polen (3:1) wieder in die Erfolgsspur zurückfand.

Spieler im Fokus
Der 20-jährige Francisco Román Alarcón Suárez, besser bekannt unter seinem Kurznamen Isco, gilt derzeit als jüngste Entdeckung im spanischen Fussball. Der aus dem Nachwuchs des FC Valencia stammende waschechte Andalusier macht seit seinem Wechsel zum FC Málaga, bei dem er seit 2001 unter Vertrag steht, mit beständig guten Leistungen von sich reden. Allerdings spielt Isco im offensiven Mittelfeld und damit auf einer Position, die in den Reihen des amtierenden Weltmeisters bereits mehrfach bestens besetzt ist. Obgleich Isco von Trainer Vicente del Bosque schon zwei Mal in den Kader der A-Nationalmannschaft berufen wurde, kam er bislang noch nicht zum Einsatz.

Statistik
78
– So viele Jahre sind bereits vergangen, seit Deutschland in Frankreich gegen seinen westlichen Nachbarn einen Sieg feiern konnte. Der vorerst letzte deutsche Erfolg (3:1) auf französischem Boden gelang am 17. März 1935 in Paris. Insgesamt gab es bisher 24 Begegnungen zwischen beiden Mannschaften. Aus französischer Sicht weist die Bilanz elf Siege, sieben Niederlagen und sechs Unentschieden sowie ein ausgeglichenes Torverhältnis (40:40) aus. Dafür ging Deutschland bei den bislang drei Aufeinandertreffen im Rahmen der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zwei Mal im Halbfinale (3:3, 5:3 n. E. 1982 in Spanien und 2:0 1986 in Mexiko) als Sieger vom Platz. Für Frankreich steht dagegen nur ein Sieg (6:3) im Spiel um Platz drei bei der FIFA WM Schweden 1958 zu Buche.

Zitat
"Mein erklärtes Ziel ist die Teilnahme an der WM-Endrunde, denn dort war ich bisher noch nie dabei. Als Vereinstrainer habe ich schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, nicht aber als Nationaltrainer."
Louis van Gaal (Trainer, Niederlande)

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Alle Spiele im Überblick
FrankreichDeutschland
NiederlandeItalien
EnglandBrasilien
SchwedenArgentinien
SpanienUruguay
Belgien – Slowakei
Wales – Österreich
Türkei – Tschechische Republik
Griechenland – Schweiz
Schottland – Estland
Republik Irland – Polen
Israel – Finnland
Japan – Lettland
Norwegen – Ukraine
Malta – Nordirland
Aserbaidschan – Liechtenstein
Portugal – Ecuador
Kroatien – Republik Korea
Ungarn – Belarus
Slowenien – Bosnien-Herzegowina
Moldawien – Kasachstan
Mazedonien – Dänemark
Albanien – Georgien
Island – Russland
Rumänien – Australien
Zypern – Serbien