Schäfer: "Das Zeug, die nächste Stufe zu erreichen"

Denkt man an asiatische Fussball-Großmächte, so fallen einem natürlich sofort Teams wie Japan, Korea Republik oder Australien ein. Waren solche Mannschaften in der Vergangenheit so gut wie unangefochten, hat sich das Bild in den vergangenen Jahren jedoch zunehmend verändert.

Die "kleineren" Nationen, wie beispielsweise die Philippinen oder auch Thailand, haben den Abstand auf die Großen des Kontinents verringert. "Wir haben aufgeholt zu Japan und Südkorea, aber wir müssen gegen die auch mal spielen, um zu sehen, wo stehen wir", bestätigt Thailands Nationaltrainer Winfried Schäfer im exklusiven FIFA.com-Interview den Trend.

Eine neue Fussball-Euphorie
Seit Juni 2011 leitet der Deutsche die Geschicke der "Changsuks", was so viel bedeutet wie "Kriegselefanten". Man befindet sich klar im Aufwind. Beim AFF Suzuki Cup mussten sich die Thailänder erst im Finale Singapur beugen. Und in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste hat man die "Top 20" des asiatischen Kontinents wieder im Visier.

"Die guten Spiele im Suzuki Cup haben hier eine Fussball-Euphorie ausgelöst, das heißt aber nicht 'zufrieden sein', sondern 'noch mehr arbeiten'", wehrt Schäfer vorschnelle Lorbeeren ab. "Die Entwicklung zeigt nach oben. Wir haben unseren englischen Stil abgelegt und spielen mehr den spanischen und deutschen Stil. Natürlich nicht in der gleichen Perfektion. Taktisch haben wir sehr viel gearbeitet und können während des Spiels umschalten. Wir haben unsere Partien im Suzuki Cup durch gezieltes Pressing gewonnen."

Der 62-Jährige weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie weit und steinig der Weg nach oben noch sein wird. Ob Klubs wie den Karlsruher SC, VfB Stuttgart und Al-Ahli oder Auswahlmannschaften wie Kamerun und nun Thailand: Schäfer kann auf eine lange und erfolgreiche Trainerkarriere mit allen Höhen und Tiefen zurückblicken.

Rückkehr in die Bundesliga möglich
In Thailand hat der Deutsche inzwischen eine Art Heldenstatus erreicht. Die Fans lieben ihn und haben ihm bereits ein eigenes Lied ("Thailand liebt Winfried Schäfer") gewidmet.

Nichtsdestotrotz wäre er einer Rückkehr in die Heimat nicht abgeneigt. "Es gibt in dieser tollen Bundesliga oder auch in der 2. Liga viele Vereine, die weit hinter ihren Erwartungen stehen. Diese Klubs durch harte, gezielte Arbeit zurück in die richtige Position  zu holen und zu halten, würde mich reizen", so Schäfer zu FIFA.com.

Doch zuvor will er sich mit vollem Einsatz seinen Aufgaben in Asien widmen. "Wir befinden uns in einer guten Ausgangsposition für den Aufbau unserer Nationalmannschaft. Es gibt genügend große Talente in Thailand, und ich möchte die Entwicklung nun mit aller Macht vorantreiben. Wir müssen nach vorne blicken, und ich bin zuversichtlich, dass Thailand das Zeug hat, die nächste Stufe zu erreichen." Zunächst stehe die AFC Asien-Pokal-Qualifikation in einer starken Gruppe an. Doch er sei immer ein Optimist.

Die Hoffnung auf Europa ist da
Kuwait, Färöer und Libanon - gleich dreimal messen sich die Changsuek in den kommenden acht Wochen mit ernstzunehmenden Kontrahenten. Je stärker der Gegner, desto mehr würden die Spieler lernen.

Bislang besteht sein Team ausschließlich aus einheimischen Spielern, doch das kann sich, nach Meinung Schäfers, durchaus ändern. Kawin Thammasatchanan sei einer der besten Torhüter Asiens, Angreifer Teerasil Dangda könne ebenfalls den Sprung nach Europa schaffen, um nur zwei Namen zu nennen. Schäfer selbst könnte dafür sorgen, dass sich die Träume der Spieler in naher Zukunft erfüllen. Denn zweifelsohne gibt es keine bessere Visitenkarte als gute Leistungen in der Nationalmannschaft.