Müller: "Aus Liebe zum gehaltenen Ball"
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Roland Müller ist wahrlich ein Torhüter aus Leidenschaft. Seit frühester Kindheit hütet der inzwischen 24-Jährige lieber das eigene Gehäuse, als selbst auf Torejagd zu gehen - angefangen von der Schulmannschaft über seine erste Erfahrungen als Zehnjähriger im Verein bis hin zu einem echten Nationaltorhüter.

"Aus Liebe zum gehaltenen Ball bin ich wohl ins Tor gegangen", erinnert sich der sympathische Schlussmann im exklusiven Interview mit FIFA.com mit einem Lächeln an seine Anfänge mit dem runden Leder. Aber: "Wenn wir gegen Schwächere gespielt haben, dann durfte ich in der Jugend mal nach draußen und habe auch geknipst."

Doch die Faszination, selbst Gegentreffer zu verhindern, schien Müller doch immer mehr zu reizen. 13 Jahre lang lernte der Sohn eines Deutschen und einer Philippinerin das Rüstzeug als Torhüter beim deutschen Traditionsklub 1. FC Köln. Doch der Traum von der ganz großen Bühne blieb ihm dort verwehrt.

Zwei Deutsche auf den Philippinen

Erst mit dem Wechsel zum Zweitligisten MSV Duisburg 2010 wendete sich das Blatt. Inzwischen hat er sich einen Stammplatz zwischen den Pfosten erobert und kämpft derzeit um den Klassenerhalt mit den Zebras. "Es ist für mich schon ein Traum, in der Bundesliga zu spielen, auch wenn es noch die 2. ist. Natürlich will man immer höher, höher, höher. Man will natürlich in die 1. Liga. Dafür trainiert man, dafür gibt man alles."

Dieser unbändige Ehrgeiz hat sich für den geborenen Kölner schon gelohnt, denn seit September 2011 ist er zum Nationaltorhüter der Philippinen aufgestiegen. "Der Kontakt bestand schon vor vier Jahren. Damals war ich zurückhaltender. Vor anderthalb Jahren habe ich mich dann dazu entschlossen. Ein zusätzlicher Anreiz war, dass der Trainer deutsch ist. Wir können uns so gut verständigen."

Michael Weiß heißt sein Nationalcoach, der ihn bei einer europaweiten Suche durch Scouts entdeckte und ins Team lockte. "Es macht mich stolz, für das Land der Mutter zu spielen" und er sei voller Respekt gewesen, als er erstmals das Trikot der Azkals (dt: Straßenhunde) überstreifen durfte.

Die Azkals im Höhenflug

Sein Mut, etwas Neues auszuprobieren, habe er nie bereut, denn nur dank des Fussballs habe er zahlreiche fremde Länder besucht, andere Kulturen kennengelernt und gegen eine Vielzahl anderer Mannschaft gespielt. Diese Erfahrungen helfen ihm in der täglichen Arbeit in Duisburg.

Dazu ermöglichte ihm die neue Herausforderung auch den ersten Besuch in der Heimat seiner Mutter. "Das hatte sich vorher einfach nicht ergeben. Daher kannte ich die Kultur nur von Feiern meiner Mutter in Köln. Die Philippinos sind sehr gastfreundlich. Ich habe mich direkt heimisch gefühlt. Alle haben immer ein Lachen im Gesicht", ist Müller voll des Lobes. "Man fühlt sich direkt integriert und als Teil des Teams." 

Dass die Mannschaft um Trainer Weiß und Müller einen Aufschwung erlebt, ist umso schöner. Im November letzten Jahres erreichten die Azkals mit Rang 143 ihre bisher beste Platzierung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste, und beim AFF Suzuki Cup stieß man immerhin bis ins Halbfinale vor.

Es ist noch ein langer Weg
"Von Jahr zu Jahr wird der Stellenwert des Fussballs höher und holt gegenüber Boxen und Basketball auf. Die Philippinen haben viel Kultur von den Amerikanern übernommen, daher ist der Fussball hintendran. Mit der Zeit hat sich der Fussball aber weiterentwickelt. Eine Liga wurde gegründet, und die Nationalmannschaft wird als Marke Azkals immer stärker. Dazu kommen immer mehr europäische Spieler hinzu, was es für die Einheimischen interessanter macht", erklärt Müller den aktuellen Höhenflug auf den Philippinen. "Ich würde schon sagen, dass die Qualität von Lehrgang zu Lehrgang immer besser wird. Nicht nur bei den Spielern, die im Ausland aktiv sind, sondern auch bei den einheimischen Spielern. Die nehmen uns teilweise als Vorbild."

Doch auch Müller weiß, dass der Weg noch ein langer sein wird. "Wir sind noch lange nicht am Ende. Das Abgezockte vor dem Tor fehlt uns. Und wir müssen, wenn wir führen, ruhiger spielen, und den Ball laufen lassen. Es fehlt uns teilweise das Auge, in bestimmten Situationen, das Richtige zu tun. Da hilft mir schon die Zeit hier in Deutschland, das zu erkennen."

Auch wenn die Philippinen in der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 bereits ausgeschieden sind, so sollte man sich den Namen Roland Richard Guaves Müller, wie er vollständig heißt, merken. Denn genauso wie der 24-Jährige bisher nach und nach seine Ziele erreicht hat, sollte man nicht überrascht sein, wenn sein großer Traum von einer WM-Teilnahme irgendwann ebenfalls in Erfüllung geht.