Falcao: "Ich habe mir in der Elite einen Namen gemacht"
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Die Saison 2012 war nicht einfach nur eine weitere Saison im Leben von Radamel Falcao. Ganz im Gegenteil: Der Kolumbianer in Diensten von Atlético Madrid hat sein schier unermessliches Potenzial im Strafraum ausgeschöpft und ist laut Fachpresse und Kollegen zu einem der gefährlichsten Stürmer des Planeten avanciert. Das zeigt nicht zuletzt seine Wahl in die FIFA/FIFPro World XI, die Weltauswahl des Jahres, in die er bei der am 7. Januar in Zürich veranstalteten Gala FIFA Ballon d'Or aufgenommen wurde.

Der 26 Jahre alte Torjäger zeigt sich angesichts dieser Anerkennung noch immer bewegt und ist begeistert. "Bei einer solchen Veranstaltung dabei zu sein, ist eine sehr positive Erfahrung in meinem Leben und meiner Karriere. Es ist sehr wichtig, dass all die Arbeit, die ich im Laufe des Jahres geleistet habe, jetzt gewürdigt wird", erklärte er im Gespräch mit FIFA.com.

Und an Motiven, die Leistungen des einzigen Fussballers der Idealelf 2012 anzuerkennen, der weder bei Real Madrid noch beim FC Barcelona spielt, mangelt es sicher nicht. Im Laufe des Jahres hat El Tigre nicht nur entscheidende Tore zu den Titelgewinnen von Atlético Madrid in der UEFA Europa League und im europäischen Supercup beigetragen, sondern auch die kolumbianische Nationalmannschaft in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ vorangebracht. Mit Atlético Madrid belegt er derzeit in der spanischen Liga den zweiten Platz hinter dem FC Barcelona. Es gibt also ausreichend Gründe für ihn, zufrieden zu sein. "Dieses Jahr war ein wichtiger Schritt für mich. Ich bin bekannt geworden und habe mir in der Elite einen Namen gemacht", sagte der Spieler, der in der Talentschmiede des argentinischen Spitzenklubs River Plate ausgebildet wurde.

Wenn es in dieser Saison für Falcao einen gemeinsamen Nenner gibt, dass sind es seine Tore. Mit rechts, mit links, per Kopf und sogar per Freistoß – der ehemalige Spieler des FC Porto erzielte eine wahre Flut markanter Treffer und rangiert derzeit in der Torjägerliste der spanischen Liga auf Platz zwei. "Ich habe im Laufe des Jahres sehr schöne Tore erzielt, da fällt es schwer, nur einen Treffer herauszupicken!", meinte er lächelnd auf die Frage von FIFA.com. Der Torjäger, der derzeit verletzungsbedingt rund drei Wochen ausfällt, stand im Übrigen auch mit einem Treffer in der Endauswahl für den Puskás-Preis für das schönste Tor des Jahres 2012 [Anm. d. Red.: ein spektakulärer Scherenschlag in einem Freundschaftsspiel gegen América Cali]. Am Ende entschied er sich für zwei mit seinem schwächeren linken Fuß erzielte Tore: "Das erste habe ich im Finale der Europa League in Bukarest für Atlético Madrid erzielt, und das zweite im Halbfinale gegen Valencia. Die waren beide ziemlich ansehnlich. Obwohl mir die Auswahl ehrlich gesagt schwer fällt, weil es glücklicherweise viele waren", erklärte er lachend.

Die Champions League im Visier
Aber 2012 ist bereits Vergangenheit und Falcao, der seine Torausbeute bisher jedes Jahr steigern konnte, konzentriert sich mit Atlético Madrid bereits auf die für die kommenden Monate gesteckten Ziele. "Wir sind Realisten und wissen, dass es schwierig werden wird, den Rückstand auf Barcelona aufzuholen, werden aber dennoch kämpfen, solange es rechnerisch noch eine Chance gibt", meinte er. "Unser Hauptziel ist ein Startplatz in der Champions League. Das ist für uns ganz klar."

Obwohl noch die Hälfte des Wettbewerbs zu spielen ist, erklärte er, es sei "aufgrund des Budgets schwer, mit einigen Spitzenklubs der spanischen Liga mitzuhalten, die über die besten Spieler der Welt verfügen. Wir steigern uns hingegen langsam als Mannschaft."

Diese Aussage zieht eine weitere Frage nach sich: Wird man Falcao bald in einem Team mit ehrgeizigeren Zielen sehen? "Ich fühle mich bei Atlético sehr wohl und habe hier einen gültigen Vertrag", erklärte er kategorisch. "Sicherlich werde ich irgendwann in meiner Karriere einmal in eine andere Liga wechseln, aber heute denke ich nur an meinen Klub, an meine Entwicklung und daran, einen Beitrag zu weiteren Titelgewinnen zu leisten."

"Alles hat sich geändert"
Radamel Falcao hat Kolumbien zwar bereits in seiner Jugend verlassen, seine Wurzeln jedoch trotzdem nie vergessen. Er hält sich noch immer regelmäßig in Kolumbien auf. Mittlerweile ist er mit seinen Toren auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene und seiner steigenden Beliebtheit zu einer Art Rockstar avanciert und selbst der legendäre Carlos Valderrama erklärte, dass Falcao auf dem besten Weg ist, ihn zu überflügeln.

"Mir ist bewusst, dass sich alles verändert hat. Ich sehe, die Beachtung, die ich in den letzten Jahren in den Medien gefunden habe, und was ich meinen Leuten bedeute", meinte Falcao und wirkte dabei leicht verlegen. "Wann immer ich kann, versuche ich, die Leute Anteil an meinem Leben haben zu lassen und ansprechbar zu sein, manchmal ist das allerdings nicht möglich. Wenn sich große Gruppen ansammeln, kann die Sache kompliziert werden", erklärte er abschließend.

Als wir ihn auf die Aussagen von Valderrama ansprechen, klingt in El Tigres Antwort Stolz und Bewunderung mit: "El Pibe [Valderrama] ist für uns alle in Kolumbien das größte Idol. Wir sind voller Bewunderung für ihn aufgewachsen und bewundern ihn noch immer. Hoffen wir einmal, dass zukünftige Generationen noch viel mehr beitragen und ihn vielleicht sogar überflügeln können, denn das wäre sicher gut für das Land. Aber trotzdem wird ihn jeder kolumbianische Fussballer für immer in Erinnerung behalten."

Falcao ist definitiv in der Weltelite angekommen. Als wir uns anschicken, uns zu verabschieden, erklärte er noch, dass er sich jetzt keinesfalls auf seinen Lorbeeren ausruhen will: "In diesem Augenblick gilt es, genauso weiterzumachen wie bisher. Ich will mich als Spieler weiterentwickeln und das untermauern, was ich bisher gezeigt habe. Darauf kommt es an, und das erhoffe ich mir von diesem Jahr. Ich will mich in der europäischen Elite behaupten."