Corinthians peilt Titelverteidigung an
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An diesem Dienstag fällt der Startschuss zur 54. Auflage der Copa Libertadores. Auf dem Programm stehen zunächst die Hinspiele der ersten Runde, in der zwölf Teams versuchen werden, sich einen der sechs verfügbaren Startplätze für die Gruppenphase zu sichern.

FIFA.com präsentiert eine Vorschau auf die südamerikanische Königsklasse, die aufgrund der teilnehmenden Spitzenklubs und hochkarätigen Einzelspieler Fussball auf hohem Niveau und Spannung von der ersten bis zur letzten Minute verspricht.

Der Champion
Nach dem historischen Titelgewinn von Corinthians São Paulo im Jahr 2012 und dem kürzlichen Sieg bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft, wo man sich gegen den mächtigen FC Chelsea durchsetzte, scheint eine Titelverteidigung durchaus machbar zu sein. Das letzte Team, dem es gelang, sich die Trophäe in zwei aufeinander folgenden Jahren zu sichern, waren die Boca Juniors 2000 und 2001.

Einmal abgesehen von einem schmerzlichen Verlust in der Abwehr hat der von Tite trainierte Klub nicht nur seinen Spielerstamm gehalten, sondern zusätzlich mit Alexandre Pato auch noch einen großen Star für die Angriffsabteilung verpflichtet. Pato wechselte vom AC Mailand nach São Paulo und wird so erneut an diesem prestigeträchtigen Wettbewerb teilnehmen, den er 2006 bereits mit Internacional Porto Alegre gewann.

Aufgrund der starken Einzelspieler und des eingespielten Kollektivs ist es also keinesfalls abwegig, O Timão im Vorfeld unter den Titelfavoriten anzusiedeln.

Die Titelaspiranten
Nachdem die Boca Juniors letztes Jahr zum sechsten Mal im 21. Jahrhundert ins Finale einziehen und ihren Spielerstamm ebenfalls halten konnten, gehören die Xeneizes nach der Rückkehr von Carlos Bianchi auf die Trainerbank zu den echten Titelaspiranten. Schließlich ist Bianchi, der auch unter dem Spitznamen El Virrey (der Vizekönig) bekannt ist, mit vier Titelgewinnen der erfolgreichste Trainer dieses Turniers. Drei davon holte er zudem mit Boca, das mit bisher sechs Titeln hinter Independiente die zweiterfolgreichste Mannschaft des Wettbewerbs ist.

Unter den Klubs, die bei den letzten Auflagen Furore machten und sich die Trophäe bereits das eine oder andere Mal sichern konnten, sind auch Vélez Sarsfield (ebenfalls aus Argentinien), Fluminense Rio de Janeiro, Grêmio Porto Alegre und der FC São Paulo (alle Brasilien) sowie Liga Deportiva Universitaria de Quito (Ecuador) zu nennen. Allerdings müssen die drei Letztgenannten sich in der ersten Phase zunächst gegen knifflige Gegner durchsetzen.

Universidad de Chile konnte bei den Auflagen der Jahre 2010 und 2012 jeweils ins Halbfinale des Turniers einziehen, nachdem Trainer Jorge Sampaoli inzwischen aber den Posten des chilenischen Nationaltrainers übernommen hat, bleibt abzuwarten, wie sich das Team dieses Mal schlägt. Außerdem gibt es da noch einige Klubs mit einer langen Tradition in der Copa, beispielsweise Nacional Montevideo und CA Peñarol (beide Uruguay) sowie Cerro Porteño (Paraguay), die in den letzten fünf Jahren ebenfalls sporadisch unter den Besten zu finden waren.

Die Spieler im Fokus
Einmal abgesehen vom bereits erwähnten Corinthians-Neuzugang Pato hat das Turnier dieses Jahr noch weitere namhafte Akteure zu bieten. Unter den Abwehrspielern wären vor allem der Mexikaner Rafael Márquez sowie der Brasilianer Lúcio zu erwähnen, die in ihre Heimatländer zurückkehrt sind und in den Reihen des Turnierdebütanten FC León bzw. des dreimaligen Titelträgers FC São Paulo antreten werden. Erwähnenswert sind aber sicherlich auch Gabriel Heinze (Newell’s Old Boys) und Cris (Grêmio).

Dann wären da noch zwei offensive Mittelfeldspieler mit klangvollen Namen, die dem Wettbewerb zusätzlich Glanz verleihen: Ronaldinho (Atlético Mineiro) sowie Deco (Fluminense). Im Angriff ist der Uruguayer Sebastián Abreu hervorzuheben, der für Nacional Montevideo auflaufen wird, sowie der Chilene Eduardo Vargas, der kürzlich zu Grêmio Porto Alegre gewechselt ist. Ebenfalls im Brennpunkt stehen Akteure vom Format eines Paolo Guerrero (Corinthians), Fred (Fluminense) und Marcelo Zalayeta (Peñarol).

Hätten Sie's gewusst?
Sieben Trainer, die bei der aktuellen Auflage dabei sind, haben dieses bedeutende Turnier bereits gewonnen. Vier davon holten den Titel als Trainer: Außer den bereits erwähnten Carlos Bianchi und Tite wäre da noch Edgardo Bauza, der Trainer von Liga de Quito, der mit demselben Klub 2008 den Titel gewann. Außerdem vertreten ist Abel Braga, der die Trophäe 2006 mit Internacional Porto Alegre holte, bei der aktuellen Auflage jedoch bei Fluminense auf der Trainerbank sitzt.

Die drei anderen holten sich den Pokal als Spieler. Néstor Gorosito sicherte sich 1986 mit River Plate den Turniersieg und hält jetzt bei CA Tigre das Ruder in der Hand. Ever Hugo Almeida holte sich die Copa in den Jahren 1979 und 1990 mit Olimpia Asunción, dem Team, für das er derzeit auch als Trainer tätig ist. Der Uruguayer Gustavo Matosas holte den Titel 1987 mit Peñarol und sitzt nun an der Seitenlinie bei León (Mexiko).

Die Statistik
6 - So viele Teams feiern bei der aktuellen Auflage ihr Debüt in diesem Wettbewerb. Dabei handelt es sich um CA Tigre (Argentinien), Real Garcilaso und Universidad César Vallejo (beide Peru), Deportes Iquique (Chile), Deportivo Lara (Venezuela) sowie Club Tijuana und FC León (beide Mexiko). Damit haben nun insgesamt 198 Klubs an diesem Turnier teilgenommen.

Das Zitat
"Dieses Jahr kann besser werden als das letzte, daran zweifle ich nicht. Wir konnten wichtige Neuverpflichtungen vornehmen, und das Team ist stärker als letzte Saison. Ich bin sicher, dass wir wieder große Erfolge feiern können, vielleicht einen weiteren Titelgewinn in der Copa Libertadores."
Paolo Guerrero (Stürmer, Corinthians)

Erste Turnierphase

Tigre (ARG) - Anzoátegui (VEN) (G1)
Gremio (BRA) - Liga de Quito (ECU) (G2)
Deportes Tolima (COL) - César Vallejo (PER) (G3)
Olimpia (PAR) - Defensor Sporting (URU) (G4)
Sao Paulo (BRA) - Bolívar (BOL) (G5)
Deportes Iquique (CHI) - León (MEX) (G6)

Zweite Turnierphase

Gruppe 1: Barcelona (ECU), Nacional (URU), Boca Juniors (ARG), Toluca (MEX)
Gruppe 2: Sporting Cristal (PER), Libertad (PAR), Palmeiras (BRA), Sieger G1
Gruppe 3: Arsenal (ARG), The Strongest (BOL), Atlético Mineiro (BRA), Sieger G5
Gruppe 4: Vélez Sarsfield (ARG), Peñarol (URU), Emelec (ECU), Sieger G6
Gruppe 5: Corinthians (BRA), San José Oruro (BOL), Millonarios (COL), Tijuana (MEX)
Gruppe 6: Independiente de Santa Fe (COL), Cerro Porteño (PAR), Real Garcilaso (PER), Sieger G3
Gruppe 7: Deportivo Lara (VEN), Universidad de Chile (CHI), Newells Old Boys (ARG), Sieger G4
Gruppe 8: Fluminense (BRA), Huachipato (CHI), Caracas FC (VEN), Sieger G2