Ronaldo: "Bin noch genauso ehrgeizig"

Cristiano Ronaldo gehört zu den Spielern, bei denen das Herz von Millionen von Fussballfans auf der ganzen Welt höher schlägt. Er ist der große Star von Real Madrid und zählt zu den besten Stürmern in der Geschichte des Weltfussballs. Seine Flankenläufe, seine genialen Spielzüge und vor allem seine Tore, die ebenso zahlreich wie spektakulär sind, gehören mittlerweile zu den großen Momenten der populärsten Sportart der Welt.

Der portugiesische Angreifer hat in den letzten vier Jahren bei der Wahl zum Weltfussballer immer auf dem Podium gestanden und war auch bei der Gala FIFA Ballon d'Or 2012 in Zürich wieder dabei. Dieses Mal belegte er den zweiten Platz. Kurz vor der Vergabe der Auszeichnungen nahm der Star sich freundlicherweise Zeit für ein Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Gesprächsthemen waren seine derzeitige berufliche und private Situation.

Sobald ich den Platz verlasse, tritt der Fussball in den Hintergrund. Ich bin dann lieber ein ganz normaler Mensch.
Cristiano Ronaldo

Cristiano, Sie gehören zum fünften Mal in Folge zur Weltelite und sind erneut bei der Gala FIFA Ballon d'Or vertreten. Was ist das für ein Gefühl?
Ein sehr gutes. Es ist eine große Ehre, nominiert zu werden. Das macht mich sehr zufrieden. Es zeigt, dass es mir gelingt, in meiner Karriere ein sehr gutes Niveau aufrechtzuerhalten. Darüber kann ich nur glücklich sein. Was sich im Vergleich zu früher geändert hat? Ich bin praktisch der Gleiche geblieben, habe etwas mehr Erfahrung als vor einigen Jahren und bin noch genauso ehrgeizig. Im Großen und Ganzen bin ich derselbe Mensch und derselbe Spieler.

Früher spielten Sie für Manchester United, jetzt für Real Madrid. Worin unterscheiden sich die beiden Klubs?
Das sind die besten Klubs der Welt. Daher ist es immer schwierig, dort erfolgreich zu sein. Jeder der beiden Klubs hat seine guten und seine weniger guten Seiten. Ich glaube, bei Real Madrid ist der Druck größer als bei Manchester. Ich bin jetzt seit dreieinhalb Jahren dort und der Grund liegt meiner Meinung nach darin, dass das gesamte Umfeld unbedingt den zehnten Titel in der Champions League gewinnen will. Dadurch entsteht eine gewisse Unruhe, die immer zu spüren ist.

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass diese Erwartungen das Geschehen auf dem Spielfeld beeinflussen?
Ja, ich glaube schon. Das ist zu viel Druck, und manchmal wirkt sich das aus. Aber wir müssen versuchen, uns darüber hinwegzusetzen, und dürfen das, was man über uns sagt, nicht an uns herankommen lassen. Das gilt vor allem für Äußerungen in der Presse, in der Real Madrid täglich Thema ist. Letztendlich kann man selbst entscheiden, ob man das lesen möchte oder nicht. Es ist nicht besonders wichtig, was in den Zeitungen steht, daher sollte man dieses Thema nicht dramatisieren.

Der holprige Saisonauftakt in der Liga hat den Druck sicherlich noch verstärkt, oder?
Wir sind nicht gut in die Meisterschaft gestartet, das stimmt schon. Wir wissen, dass es für uns in der Liga mittlerweile sehr schwer wird, aber im Fussball ist nichts unmöglich. Wir werden arbeiten und versuchen, unsere Spiele zu gewinnen. Dann werden wir sehen, was passiert. Und dann gibt es natürlich auch noch die UEFA Champions League und den spanischen Pokalwettbewerb. Es gibt dieses Jahr noch viel zu gewinnen.

Ist ein Sieg in der Champions League angesichts der derzeitigen Situation zur höchsten Priorität geworden?
Ja, natürlich. Der zehnte Titelgewinn ist das, was alle Madrilenen wollen. Das ist ganz klar. Letztes Jahr sind wir kurz vor dem Ziel gescheitert, was sehr frustrierend war. Glücklicherweise haben wir dieses Jahr Gelegenheit zur Revanche, wobei die Sache noch dadurch erschwert wird, dass wir gegen Manchester United antreten müssen. Das wird nicht leicht, und meiner Meinung nach stehen die Chancen 50 zu 50, aber ich bin sehr zuversichtlich.

Glauben Sie, dass Real Madrid als Favorit gelten sollte, falls es dem Klub wieder gelingt, sein volles Potenzial abzurufen?
Kein Team ist unbesiegbar, aber wenn wir auf unserem höchstmöglichen Niveau spielen, sind wir eine wirklich gute Mannschaft. Man darf natürlich nicht vergessen, dass Manchester United hervorragend in die Saison gestartet ist und in der englischen Liga einen enormen Vorsprung hat. Aber wenn wir unser Potenzial abrufen, können wir gewinnen. Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen und als geschlossene Einheit auftreten, wie wir das schon in vielen anderen Partien getan haben.

Der Rückstand in der Liga hat auch dazu beigetragen, dass einige Fangruppen gegen Ihren Trainer José Mourinho protestieren. Was halten Sie davon?
Die Leute protestieren, und das muss man respektieren, wobei ich finde, dass sie etwas geduldiger mit ihm sein sollten. Für mich ist klar, dass Mourinho immer nur das Beste für den Klub will und dafür bis zum Letzten kämpfen wird. Das wissen alle, die ihm nahe sind, aber dennoch muss man die Meinung der Fans respektieren. Meiner Meinung nach ist er der beste Trainer der Welt. Er hat viel Erfahrung und alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Auch Sie selbst sind bei einem Teil der Fans umstritten. Was glauben Sie, warum es so viele Kontroversen um Ihre Person gibt?
Ich weiß es nicht, ich bin nicht zu 100 Prozent sicher, wie die Antwort lautet. Ich habe mich das auch schon gefragt. Wer mich kennt, wer schon mit mir gespielt hat, weiß, was ich für ein Mensch bin. Wer mich nicht kennt, kann sagen was er will und denken was er will. Ich respektiere diejenigen, die mich kritisieren, weil ich weiß, dass ihre Einschätzung meiner Person nicht richtig ist. Man muss lernen, damit zu leben, denn Kritik ist ein Bestandteil des Lebens jedes Spielers und jedes einzelnen Menschen.

Kürzlich wurde unter anderem darüber diskutiert, ob Sie möglicherweise den Verein wechseln. Denken Sie für die Zukunft darüber nach?
Ich möchte meinen Vertrag bei Real Madrid erfüllen, das steht fest. Was danach kommt, was in Zukunft passieren wird, weiß ich nicht.

Kommen wir einmal auf etwas persönlichere Themen zu sprechen. Worauf führen Sie es zurück, dass Ihre Karriere bisher so ungemein erfolgreich verlaufen ist?
Ich glaube, ich hatte Talent und habe außerdem sehr hart gearbeitet, um meine Ziele zu erreichen. Man muss bescheiden genug sein, um zu erkennen, was einem noch fehlt, und dann stetig darauf hinarbeiten. Während meiner gesamten Laufbahn war ich immer bestrebt zu lernen, mich zu entwickeln und Trophäen zu gewinnen. Ich bin sehr ehrgeizig, will immer gewinnen. Das wird auch so bleiben, bis ich die Fussballschuhe eines Tages an den Nagel hänge.

Auch abseits des Spielfelds gab es für Sie schöne Ereignisse, beispielsweise die Geburt Ihres Sohnes...
Das war der schönste Augenblick meines Lebens, und erfüllt mich wirklich mit Stolz. Er ist für mich die Erfüllung und macht mich sehr glücklich.

Hätten Sie gern, dass er später einmal Fussballer wird?
Er soll tun, was er will. Natürlich würde mir das gefallen, und ich werde versuchen, ihm den Fussball etwas näher zu bringen, aber die Entscheidung muss er selbst treffen. Ich werde ihn in allem unterstützen - für was auch immer er sich entscheidet.

Der Fussballer Cristiano Ronaldo ist viel im Gespräch, aber es ist nur wenig darüber bekannt, was Sie abseits des Spielfelds so tun. Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?
Ich tue gern Dinge, für die ich keine Zeit habe, wenn ich arbeite. Ich verbringe gern Zeit mit meiner Familie, unternehme Reisen, gehe spazieren, schaue mir Basketball oder Tennis an, verbringe Zeit mit meinem Sohn. Sobald ich den Platz verlasse, tritt der Fussball in den Hintergrund. Ich bin dann lieber ein ganz normaler Mensch.

Wächst Ihnen der Ruhm manchmal über den Kopf? Wünschen Sie sich ab und an, ein Mensch zu sein, der weniger im Rampenlicht steht?
Fussballer zu sein, bringt Vorteile mit sich, aber auch Dinge, die weniger gut sind. Man verpasst schon Dinge, die man erleben würde, wenn man nicht so stark in der Öffentlichkeit stünde - ganz alltägliche Dinge. Aber ich habe diesen Beruf gewählt, und das gehört nun einmal alles dazu. Ich bereue meine Entscheidung nicht im Geringsten.

Noch eine letzte Frage: Würden Sie sagen, dass Sie an diesem Punkt Ihrer Karriere glücklich sind?
Ja, das würde ich schon sagen. Ich tue das, was mir Spaß macht, was mir gefällt. Ich weiß, dass ich zu den Privilegierten gehöre, und das erfüllt mich mit Zufriedenheit.