Rückkehrer und Neuankömmlinge
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Wie jedes Jahr im Januar transportieren die Fluggesellschaften besonders viele Profi-Fussballer. In den ersten Tagen von 2013 gab es bereits zahlreiche Wechsel von einem Klub zum nächsten. Sei es, um der Karriere in heimischer Umgebung frischen Schwung zu verleihen, oder um eine ganz neue Herausforderung in Angriff zu nehmen. FIFA.com fasst die wichtigsten Aktivitäten der beginnenden Transferperiode zusammen.

Brasilien, das 2013 mit dem FIFA Konföderationen-Pokal und 2014 mit der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft das Zentrum der Fussballwelt sein wird, holt drei Nationalspieler in die Heimat zurück. Für den Verteidiger Cris, der Galatasaray verlässt und zu Gremio wechselt, ist es möglicherweise schon zu spät, um an eine Rückkehr in die Seleçao zu glauben. Der Stürmer Alexandre Pato hingegen und der offensive Mittelfeldspieler Renato Augusto machen sich durchaus Hoffnungen, wieder das Nationaltrikot überstreifen zu dürfen. Beide beenden ein jeweils fünfjähriges Gastspiel in Europa, Pato beim AC Mailand und Renato Augusto bei Bayer Leverkusen, und unterschrieben beim amtierenden Südamerikameister Corinthians. Dafür wird das brasilianische Publikum von nun an auf die Zukunftshoffnung Lucas Moura verzichten müssen.

Der Engländer Joe Cole muss nicht ganz so weit reisen, um zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Er wechselt vom FC Liverpool zu seinem Ausbildungsklub West Ham United, den er 2003 verließ, um beim FC Chelsea, den Reds und Lille OSC Karriere zu machen. Ein weiterer ehemaliger Hammer, der israelische Verteidiger Tal Ben Haim, war seit seinem Abschied vom FC Portsmouth im vergangenen August vereinslos. Und welche Liga wäre für den 30-Jährigen besser geeignet als die Premier League, um sich wieder ins Geschäft zu bringen? Nach Engagements bei sechs verschiedenen Klubs, unter anderem beim FC Chelsea und bei Manchester City, kennt er die englische Meisterschaft schließlich wie seine Westentasche, und seine siebte Station werden die Queens Park Rangers sein. Der Portugiese Bebe, der 2010 zu Manchester United kam, brachte es seitdem auf lediglich zwei Einsätze. Um Spielpraxis zu bekommen, wird er an Rio Ave in seinem Heimatland ausgeliehen, nachdem er im vergangenen Jahr bereits auf Leihbasis bei Beşiktaş war.

Neue Abenteuer und zurück zu den Wurzeln
Den Italiener Giuseppe Rossi zieht es ebenfalls in die Heimat zurück, nachdem er sechs Jahre lang das Trikot des FC Villarreal trug. Nach einer langen Verletzungszeit und dem Abstieg des gelben U-Boots in der letzten Saison, hofft er beim ehrgeizigen AC Florenz wieder an seine alte Form anknüpfen und in die Nationalmannschaft zurückkehren zu können. Nach nur zehn Einsätzen beim FC Granada, zu dem er im letzten Sommer wechselte, kehrt auch Antonio Floro Flores wieder in die Serie A zurück. Er wird für CFC Genua auflaufen, wo er bereits während eines Gastspiels auf Leihbasis in der Saison 2011/12 einen guten Eindruck hinterließ.

Der in Martigues geborene algerische Nationalspieler Foued Kadir kehrt in seine Heimatregion Provence zurück und erfüllt sich einen alten Kindheitstraum. Er wird von nun an das Trikot von Olympique Marseille tragen, nachdem er bisher am anderen Ende Frankreichs beim FC Valenciennes brillierte. Der Stürmer Florian Raspentino hingegen, der ebenfalls aus dieser Region stammt, konnte sich bei OM nicht durchsetzen, seit er zu Saisonbeginn vom FC Nantes kam. Nun hofft er, auf Leihbasis beim bretonischen Klub Stade Brest wieder bessere Tage zu erleben. Die Bretagne ist auch für den ehemaligen ghanaischen Kapitän John Mensah kein unbekanntes Terrain. Bei Stade Rennes schaffte er zwischen 2006 und 2008 seinen Durchbruch, und 2013 kehrt er nach Stationen bei Olympique Lyon und AFC Sunderland wieder dorthin zurück. Auch der erfahrene Pablo Guiñazú schließlich gehört zu den Rückkehrern. Nach fünf Jahren bei Internacional Porto Alegre, in denen er zum Publikumsliebling avancierte, kehrt er zu seinem alten Klub Libertad zurück, mit dem er 2006 paraguayischer Meister wurde.

Andere Fussballer hingegen stürzen sich in ein gänzlich neues Abenteuer, doch viele von ihnen werden auch in der ungewohnten Umgebung nicht verloren und verlassen sein. Der kolumbianische Mittelfeldspieler Pablo Armero etwa wechselt von Udinese Calcio zum SSC Neapel, wo er auf sechs weitere Südamerikaner treffen wird, unter anderem seinen Landsmann Juan Camilo Zuñiga. In Deutschland entschied sich der offensive Mittelfeldspieler Ivan Perisic, deutscher Meister mit Borussia Dortmund, ebenfalls für einen Tapetenwechsel. Aber beim VfL Wolfsburg wird er auf Ivica Olic treffen, mit dem er gemeinsam in der kroatischen Nationalelf glänzte. Auch dem in Abidjan geborenen Schweizer Nationalverteidiger Johan Djourou wird es in seiner neuen Wahlheimat nicht an Gesellschaft fehlen, denn bei Hannover 96 spielen der ivorische Stürmer Didier Ya Konan und sein Nationalmannschaftskollege Mario Eggimann.

Ein Einstand nach Maß
Lucas Moura
, das Wunderkind aus São Paulo, wird während der Eingewöhnung bei Paris Saint-Germain auf seine Landsleute Thiago Silva, Maxwell und Alex bauen können. Der neue Verteidiger von Newcastle United, Mathieu Debuchy, der aus Lille kommt, kann sich sogar auf die Unterstützung von gleich fünf französischen Landsleuten freuen, unter ihnen zwei Nationalelfkollegen, Yohan Cabaye und Hatem Ben Arfa.

Demba Ba wiederum verließ die Magpies in Richtung FC Chelsea. Auch ohne einen Landsmann in der Mannschaft benötigte der Senegalese nicht lange, um für einen bleibenden Eindruck zu sorgen: Gleich in seiner ersten Partie gegen den FC Southampton erzielte er einen Doppelpack. Aber auch Daniel Sturridge, der die Stamford Bridge am Tag vor Bas Unterschrift verließ, benötigte nicht viel Zeit, um sich bei seinem neuen Arbeitgeber FC Liverpool einzugewöhnen: Schon nach sieben Minuten traf er gegen Mansfield Town ins Netz.

Auf einen ähnlichen Erfolg wird wohl auch der Marokkaner Marouane Chamakh hoffen, wenn er bei West Ham United debütiert, wohin er von Arsenal ausgeliehen wurde. Denselben Traum hegt auch der junge chilenische Torjäger Angelo Henriquez, der im September im Alter von 18 Jahren von Universidad de Chile zu Manchester United wechselte, bisher aber nur im Reserveteam zum Einsatz kam. Er hofft nun darauf, sich auf Leihbasis bei Wigan Athletic in der Premier League durchzusetzen.

Der Fussball kennt keine Grenzen
Dem Brasilianer Matuzalem hingegen mit seinen 32 Jahren, von denen er neun im italienischen Fussball verbrachte, mangelt es sicher nicht an Erfahrung. Der U-17-Weltmeister von 1997 steht seit 2008 bei Lazio Rom unter Vertrag und soll nun auf Leihbasis dem CFC Genua dabei helfen, den Klassenerhalt zu schaffen. Sein Teamkamerad in Rom, Tommaso Rocchi, hat trotz seiner 35 Jahre keine Lust mehr auf ein Reservistendasein. Seine bisher erst drei Einsätze in dieser Saison reichen ihm nicht aus, und er hofft auf mehr Spielzeit bei Inter Mailand. Erfahrung kann auch der Vorletzte der Serie A, US Palermo, vor allem in der Abwehr dringend gebrauchen, um in der Elite zu verbleiben. Daher wurden die Neapolitaner Salvatore Aronica, 34 Jahre, und Andrea Dossena, 31 Jahre, verpflichtet. Am anderen Ende der Tabelle warb Juventus Turin den Nationalverteidiger Federico Peluso von Atalanta Bergamo ab, um die Verletzung von Giorgio Chiellini zu kompensieren.

Für andere Spieler wiederum steht ein radikalerer Wechsel an. Der französische Stürmer Guillaume Hoarau beispielsweise, der bei Paris Saint-Germain nicht an Zlatan Ibrahimovic vorbeikommt, stürzt sich bei Dalian Aerbin ins chinesische Abenteuer. In China wird er dem Bosnier Zvjezdan Misimovic begegnen, dem ehemaligen Spielmacher des VfL Wolfsburg und von Galatasaray, der Dynamo Moskau in Richtung Guizhou Renhe verlässt. Die Herausforderung in China scheint so verlockend, dass sogar Rolando Schiavi, Legende der Boca Juniors, von seinen Ruhestandsplänen Abstand nahm und bei Shanghai Shenhua anheuerte. Ebenfalls einen radikalen Wechsel erwartet in Dubai den Portugiesen Ricardo Quaresma, der nach zwei Jahren bei Beşiktaş für Al Ahli stürmen wird, sowie den Japaner Takayuki Morimoto, der nach sechs Jahren in Italien bei Catania Calcio und Novara Calcio nun bei Al Nasr auf Torejagd geht.

Zum Abschluss dieser Tour rund um die Welt nun der Beweis, dass der Fussball-Planet tatsächlich keine Grenzen kennt: Der nordkoreanische Stürmer Jong Tae Se unterschrieb beim südkoreanischen Klub Suwon Bluewings. Der in Japan geborene 28-jährige Sohn eines Nordkoreaners und einer Südkoreanerin stand seit 2012 beim 1. FC Köln unter Vertrag. Er ist der vierte Nordkoreaner, der die Eliteliga des südlichen Nachbarn kennenlernen wird.