Praet: Belgiens ungeschliffener Diamant
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Er ist Belgiens neues Fussballjuwel: Dennis Praet vom RSC Anderlecht spricht mit der Schüchternheit eines 18-Jährigen, hat aber durchaus schon ein Gespür für die Folgen, die sein neuer Status seit zwei Monaten mit sich bringt. "Ich bin überrascht über die Wirkung von Anderlecht auf das Leben der Menschen", wundert sich der Offensivakteur nach zwei Jahren beim belgischen Traditionsklub.

Zu den "Leben der Menschen" kann er sicherlich auch sein eigenes zählen. Er stand in der UEFA Champions League in der Startformation und erzielte in 14 Partien der Jupiler League zwei Tore, womit der Jugendliche zur neuesten Sensation des Königreichs avancierte. Ein Königreich, das seit mehreren Jahren schon seine fussballerischen Juwelen nach ganz Europa exportiert, wie etwa Eden Hazard, Marouane Fellaini, Axel Witsel oder Steven Defour.

"Ich bin sehr bodenständig und habe das Glück, von meiner Familie und vom Klub gut betreut zu werden", erklärte der Schützling von John Van den Brom gegenüber FIFA.com. Der niederländische Trainer übernahm im Sommer die Leitung des Teams. Praet kam vor zwei Jahren vom KRC Genk und sagte: "Wenn es mir um das Geld gegangen wäre, wäre ich woanders hingegangen." Doch der in Löwen geborene Youngster erntet heute die Früchte seiner Investition und seiner geduldigen Arbeit.

Der perfekte Rahmen, um aufzublühen
Nach einigen wenigen, vielversprechenden Auftritten im belgischen Pokal im letzten Jahr gelang dem jungen Mann in dieser Saison unter den Fittichen seines geradezu väterlichen neuen Trainers der endgültige Durchbruch. "Sich in Anderlecht durchzusetzen, ist keine Selbstverständlichkeit, aber ich traf auf den idealenTrainer. Er gibt den Jungen ihre Chancen und bringt mir großes Vertrauen entgegen", räumte der neue Publikumsliebling des Parc Astrid ein.

War also die Ankunft des langjährigen Mentors von Vitesse Arnhem ausschlaggebend für den Erfolg des Youngsters? "Seine Ankunft hat alles geändert, das ist klar", bestätigte Johan Boskamp, ehemaliger Trainer in Anderlecht. "Auf junge Spieler zu setzen, attraktiven Fussball zu spielen und zu gewinnen, das lässt sich nicht immer zusammenbringen. Doch Van den Brom gelingt dies und Dennis profitiert davon."

Auch Georges Heylens, ehemaliger Trainer bei OSC Lille und einstiger Anderlecht-Spieler, ist der Ansicht, dass die Mauves ein perfektes Duo gefunden haben: der eine auf der Bank, der andere auf dem Rasen. "Ich weiß, dass Van den Brom die richtige Methode gefunden haben wird. Ich vertraue ihm. Ich habe ihn im vergangenen Jahr bei Vitesse gesehen. Er hat keine Angst, den Jungen sein Vertrauen zu schenken, und sein offensiver Stil ist der perfekte Rahmen für Dennis, um aufzublühen."

Großes Vertrauen und viele Komplimente
"Ich spüre Tag für Tag das Vertrauen des Trainerstabs, und das hilft natürlich", bestätigte der Betroffene. Den Druck, gute Ergebnisse und konstante Leistungen zu erzielen, "entdeckt" er gerade. Dasselbe gilt für die "Wirkung der Medien." Als Torschütze in der Meisterschaft gegen den FC Brügge und durch seinen Platz in der Anfangsformation gegen den AC Mailand wandelt der wahrscheinlich zukünftige Nationalspieler auf den Spuren von Vincent Kompany und Romelu Lukaku. Auch diese zwei Spieler avancierten frühzeitig zu großen Hoffnungsträgern, noch bevor sie ihr 19. Lebensjahr erreicht hatten. Von solchen Vergleichen lässt sich Praet indes nicht den Kopf verdrehen, "auch wenn ich mich geehrt fühle, wenn mein Name neben zwei solchen Spielern genannt wird."

Zwei Jahre, nachdem er dem Lockruf des Geldes aus dem Ausland widerstanden hat, weiß der junge Fussballer auch um die Gefahren eines verfrühten Starruhms."Ich bleibe, wer ich bin, und außerhalb des Fussballs suche ich die Gesellschaft meiner Freunde aus der Kindheit. Sie haben nichts mit diesem Umfeld zu tun, und das ist es, was ich brauche." Der schmächtige offensive Spielmacher, gerade 70 kg schwer, weiß auch, woran er noch zu arbeiten hat.

"Ich weiß, dass ich an Muskelmasse zulegen muss, doch das Wichtigste ist, dass ich dabei meine Qualitäten beibehalte, meine Schnelligkeit und Explosivität", räumte er ein und ergänzte lächelnd, dass "Lionel Messi und Andres Iniesta auch nicht groß sind". Teamkollege Tom De Sutter sagte: "Dennis spielt wie Iniesta. Er ist technisch stark, solide, kann den Ball behaupten, er spielt einfach und ohne Hektik. Sein Blick und seine Spielübersicht sind unglaublich." Ein schmeichelhaftes Lob. Auch das wird er verkraften.