Bernd Schuster: Vom unangepassten Spieler zum gereiften Trainer
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Seinen Trainerschein machte Bernd Schuster einst nur "aus Langeweile", doch über zu wenig Arbeit wird sich der blonde Engel wahrscheinlich bald nicht mehr beschweren können. Obwohl er als Coach bisher nur selten an seine Erfolge auf dem Platz anknüpfen konnte, gilt Schuster als heißester Kandidat auf den Trainerposten beim abstiegsbedrohten Bundesligisten VfL Wolfsburg. Dabei hat seine zweite Karriere mehr aus Zufall denn aus Planung begonnen.

"Mein ganzes Profi-Leben habe ich mich über Trainer geärgert. Mit 30 war ich überzeugt, dass ich das niemals machen werde - dann ich bin da irgendwie reingerutscht", sagte Schuster, der am Samstag seinen 53. Geburtstag feiert, in einem Interview mit dem Magazin 11Freunde: "Ich dachte, das sei besser, als nach der Laufbahn ganz ohne Qualifikation dazustehen. Ich habe auch den Motorradführerschein, obwohl ich gar nicht fahre."

Mittlerweile hat der Europameister von 1980 seine Lehrjahre als Trainer längst hinter sich, er holte mit dem spanischen Rekordmeister Real Madrid 2008 den Titel - doch vor allem in Deutschland überschattet das Image des unangepassten, dickköpfigen und meinungsstarken Spielers die zweite Karriere des gebürtigen Augsburgers.

Nur kurz nach seinem Wechsel vom Feld auf die Bank Ende der 90er Jahre durfte er bei den Zweitligisten Fortuna Köln und 1. FC Köln sein Glück in Deutschland versuchen. Ohne Erfolg. "Diese Episode liegt 15 Jahre zurück. Ich habe seitdem acht Trainerstationen gemacht, die mich sehr verändert haben. Ich musste mühsam lernen, zu kommunizieren und mich intensiv mit Spielern zu beschäftigen", betonte Schuster, der seit März 2011 ohne Job ist und zuletzt als Fernsehexperte arbeitete.

Gereift sei er ohnehin: "Glauben Sie mir, das lodernde Feuer, das ich einst war, hat sich reduziert. Die unkontrollierten Ausbrüche von früher gibt es nicht mehr." Denn Anschauungsunterricht, welche Probleme Spieler ihrem Trainer bereiten können, lieferte er während seiner aktiven Karriere selbst genug. In Köln überwarf er sich mit Trainer Karl-Heinz Heddergott, nach einem Streit mit Bundestrainer Jupp Derwall erklärte er 1984 im Alter von 24 Jahren seinen Rücktritt aus der DFB-Elf.

Sein Image war zementiert. "Ich muss zugeben, dass ich es genossen habe, nicht als angepasst oder langweilig zu gelten." Die harte Verhandlungsführung seiner damaligen Frau Gaby rundete den schillernden Ruf des Paares ab.

Legendär auch seine Flucht nach der Auswechslung im Europapokalfinale der Landesmeister 1986. Damals noch in Diensten des FC Barcelona, wurde der Deutsche in der 80. Minute beim Stande von 0:0 gegen Steaua Bukarest ausgewechselt. Angefressen setzte er sich in ein Taxi und ließ sich zum Mannschaftshotel chauffieren.

"Als Trainer würde ich in einer so entscheidenden Situation einen wichtigen, erfahrenen Spieler niemals auswechseln", sagt er rückblickend: "Dass ich das Stadion verlassen habe, war sicher eine Spur zuviel." Wiederholungsgefahr besteht ohnehin nicht: "Der Trainer Schuster zählt bis zehn, der Spieler hat immer nur bis zwei gezählt."