Vilanova erfolgreich operiert
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Die Königsklasse trat für den FC Barcelona in den Hintergrund: Während im schweizerischen Nyon das UEFA Champions League-Achtelfinale ausgelost wurde, waren der Stars der besten Mannschaft der Welt um Ausnahmekönner Lionel Messi in Gedanken bei Barça-Trainer Tito Vilanova. Der 44-Jährige musste im Krankenhaus Vall d'Hebron - am Stadtrand der katalanischen Metropole - erneut gegen den Krebs kämpfen und sich einer Operation unterziehen.

Nach Stunden des Bangens verschickte der Klub um 14:38 Uhr die erlösende Mitteilung: Der chirurgische Eingriff sei "planmäßig" durchgeführt worden. Zudem hätten die Ärzte im Verlauf der OP festgestellt, dass der Tumor nicht gestreut habe und es "nicht so schlimm ist, wie zunächst befürchtet". Barcelonas Kapitän Carles Puyol berichtete der Tageszeitung Sport, dass seinen ersten Eindrücken nach "alles gut gelaufen" sei.

"Ich komme schon bald zurück, um mit euch zusammen zu sein", zitierte die Sport den Fussballlehrer vor der zwingend notwendigen Operation - einen Tag nachdem die niederschmetternden Diagnose ganz Spanien in eine Schockstarre versetzt hatte. "Seine Nachricht an die Spieler: Bleibt ruhig, es ist nicht so schlimm", schrieb Marca.

Dennoch spielte der Fussball bei den sportlich so Unanfechtbaren schlagartig keine Rolle mehr. "Das Wichtigste für den Verein ist die vollständige Genesung von Tito. Er braucht dafür die nötige Ruhe", sagte Barcelonas Präsident Sandro Rosell: "Wir müssen versuchen, weiterzumachen. Aber völlige Normalität wird es nicht geben."

Rosell berichtete, Vilanova habe "stark" ausgesehen: "Er hat eine außergewöhnliche mentale Stärke. Die Einzigen, um die er sich Sorgen macht, sind seine Frau, seine Kinder und seine Eltern." Der Nachfolger von Josep Guardiola auf der Bank der Katalanen wird sich in den nächsten sechs Wochen einer Chemotherapie und einer Strahlenbehandlung unterziehen müssen. Bis zu seiner fest eingeplanten Rückkehr wird Co-Trainer Jordi Roura für seinen Chef einspringen.

"Die Arbeit des Teams liegt in außergewöhnlichen Händen", sagte Sportdirektor Andoni Zubizarreta mit Blick auf das letzte Spiel des Jahres am Samstag bei Real Valladolid: "Und ich bin sicher, Tito wird uns am Fernseher zusehen."

Roura hatte bereits am Mittwoch das Mannschaftstraining geleitet. Ein wenig Aufmunterung nach dem Schrecken brachte die Rückkehr des französischen Nationalspielers Éric Abidal nach einem ähnlichen Schicksalsschlag. Der 33-Jährige hatte sich vor 21 Monaten einer Lebertransplantation unterzogen und seitdem für sein Comeback gekämpft.

Vilanova selbst kennt die Situation. Er war bereits am 22. November 2011 wegen eines Tumors in der Ohrspeicheldrüse operiert worden und nur 15 Tage später in den Trainingsbetrieb zurückgekehrt. Damals war das Barça-Eigengewächs noch Co-Trainer von Guardiola, dessen Erbe er im Sommer antrat.

"Kehr schnell zurück! Kopf hoch, Tito!", titelte Mundo Deportivo und sprach damit selbst den ärgsten sportlichen Rivalen des Star-Ensembles aus der Seele. "Tito, jeder unterstützt dich in diesem Kampf - mit der Stärke des Fussballs und der Menschen", schrieb Iker Casillas, Kapitän von Erzrivale Real Madrid, auf seiner Facebook-Seite: "Es ist unmöglich, dass du dieses Spiel verlierst."

Der Meister hatte am Mittwoch als einer der ersten reagiert und in einer Mitteilung "seine ganze Unterstützung, Liebe und Zuneigung" ausgedrückt. Auch Tennis-Star Rafael Nadal, Neffe der Barça-Legende Miguel Ángel und Real-Fan, twitterte: "Meine ganze Kraft und Unterstützung für Tito Vilanova. Wir sind alle bei Dir."

Vilanova hatte die Katalanen in dieser Spielzeit zum besten Saisonstart der Vereinsgeschichte geführt - Madrid hat bereits 13 Punkte Rückstand. In der Champions League wurde Barcelona der AC Mailand zugelost - ein Schlagerspiel zwar, am Donnerstag aber eher zweitrangig.