"Michu" und der Traum von Wembley
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Selbst in einem so professionellen Sport wie dem Fussball ist noch Platz für Romantiker, die ein äußerst lukratives Angebot eines Vereins zurückweisen, um den Club, an dem ihr Herz hängt, nicht zu verraten. 2010 lehnte ein junger Mittelfeldspieler, der bei Celta de Vigo damals noch in der zweiten spanischen Liga spielte, ein gut dotiertes Angebot des Erstligisten Sporting Gijón ab. Der Grund? Ganz einfach. Sporting war der Erzrivale seines Lieblingsvereins Oviedo, bei dem er groß geworden war. Der Fall, sorgte in Spanien dafür, dass der Name des Spielers in aller Munde war. Auch danach machte er von sich reden, doch nun aufgrund seines Talents und seiner Treffer. Man kann heute mit Fug und Recht sagen, dass Miguel Pérez Cuesta, auch Michu genannt, nach seinen acht Treffern in 14 Spielen seiner ersten Premier-League-Saison bei Swansea zu den großen Entdeckungen im englischen Oberhaus zählt.

"Ich habe mich hier sehr schnell angepasst. Die Premier League ist eine der besten Ligen der Welt, und als man mir anbot, hierher zu kommen, zu einer Mannschaft, die einen schönen Fussball spielt und deren Trainer Laudrup ist, da war ich sehr davon angetan", erzählt er in seinem Gespräch mit FIFA.com. Michu wechselte nach einer großen Saison in der spanischen Liga beim kleinen Rayo Vallecano in die englische Liga. 2011 weckten seine 15 Treffer und seine Offensivaktionen die Aufmerksamkeit der Fans und auch von Nationaltrainer Vicente del Bosque, auch wenn die so heiß ersehnte Berufung in die spanische Nationalmannschaft noch auf sich warten lässt. "Ich weiß, dass das sehr schwierig ist", räumt er ein. "Gegenwärtig spielen die besten Spieler der Welt dort. Wir sind zweifacher Europameister und Weltmeister. Man muss dieser Mannschaft einfach vertrauen … zumindest bis Brasilien 2014", merkt er noch lächelnd an.

Gegenwärtig spielt er aber auch bei Swansea in einer kleinen spanischen Auswahl, denn nicht weniger als vier Spanier stehen im Kader des walisischen Vereins. Auch die Spielweise, bei der das Augenmerk auf Ballbesitz und Passspiel gelegt wird, ähnelt der des Teams von Del Bosque und des FC Barcelona. Dennoch hält Michu es für übertrieben, von Swansealona zu sprechen. "So wie Barça kann keine andere Mannschaft spielen, denn es fehlen die Spieler dafür. Es stimmt jedoch, dass wir versuchen den Gegner mit Ballbesitz zu dominieren. Hier versuchen nur wenige Teams, 'Fussball zu spielen'. Das Spiel ist eher physisch geprägt, mit langen Bällen und ohne Direktpassspiel", erklärt er.

Ein etwas anderer Verein
Der an sich bescheidene Spieler hatte keine Probleme damit, sich bei einem so speziellen Verein wie Swansea zu akklimatisieren. Da ein eigenes Trainingszentrum fehlt, trainiert der Kader in einer Sporthalle, in der er sich die Umkleide mit den Einwohnern aus der Stadt teilt. "Das ist ein wenig seltsam, sicherlich. Aber es kommt daher, dass der Verein in gerade einmal vier Jahren unheimlich gewachsen ist. Vor vier Jahren spielte man noch in der zweiten Liga B und auch die Eigentümer hatten nicht im Traum daran gedacht, so schnell in die Premier League aufzusteigen und dort so erfolgreich zu sein. Es ist ein bescheidener Verein, mit begeisterungsfähigen Fans, die immer für ein volles Stadion sorgen. Ich fühle mich hier sehr wohl", bekräftigt er unumwunden. "Natürlich ist man eigentlich daran gewöhnt, dass die Umkleide ein heiliger Ort, was hier in keiner Weise zutrifft. Du teilst dir die Anlage mit Leuten, die ins Büro gehen, ihre Kinder zum Schwimmen bringen, aber so kannst du auch nette Bekanntschaften schließen", erzählt er lachend.

Er ist glücklich darüber, dass er unter dem Idol seiner Kindheit, Michael Laudrup, spielen darf und versichert, dass "wir sehr glücklich mit ihm sind, denn er vertraut den Spielern und gibt ihnen Freiheiten". Dann verrät er uns, warum spanische Spieler so erfolgreich in der englischen Liga sind. "Hier hat man viel mehr Raum auf dem Platz. Die spanischen Spieler, die auf kleinem Raum mit wenigen Ballkontakten zurechtkommen müssen, haben hier viele Möglichkeiten zu glänzen", erklärt er. Beispiele dafür? "Santi Cazorla, David Silva und Juan Mata haben die spanische Liga verlassen. Hier haben sie sich entfalten können und sind dann Weltstars geworden. Sie sorgen wirklich für großes Aufsehen."

Das Glück, Spanier zu sein
Für Michu ist der spanische Fussball mit dem Gewinn der FIFA-WM durch die Roja ein echtes Markenzeichen geworden. "Der Stern, den sich die Nationalspieler durch den Gewinn des Weltmeistertitels verdient haben, strahlt auch auf alle anderen ab. Heutzutage sind spanische Fussballspieler sehr begehrt und in unserem Land kann man gute Spieler für kleines Geld verpflichten", versichert er.

Er weiß genau, wovon er spricht, denn Swansea hat sich für weniger EUR 3 Mio. die Dienste des Mittelfeldspielers gesichert. In der Premier League ist der Verein dank des Spielers im Aufwind. Die Treffer des erfolgreichsten Torschützen des Vereins haben mit dafür gesorgt, dass man an neunter Stelle in der Premier League steht, noch vor Schwergewichten wie Liverpool oder Newcastle. Da sich in den nächsten Tagen noch die Chance bietet, das Halbfinale im Carling Cup zu erreichen, kann Michu es sich nicht verkneifen, ein wenig zu träumen. "Mein Traum ist es, ein Finale im Wembley-Stadion zu spielen". In der Tat ein legendäres Stadion für einen der letzten Romantiker in diesem Sport…