Weidenfeller wie "guter Rotwein"
© Getty Images

Roman Weidenfeller ist "Senior", die unumstrittene Nummer 1 im Team von Borussia Dortmund und seit Jahren einer der besten Torhüter der Bundesliga. Der 32-Jährige hatte einen wesentlichen Anteil an der Meisterschaft 2011 und am Gewinn des Doubles in diesem Jahr. Inzwischen ist der 1,90 Meter lange Keeper eine Institution beim BVB, und es gilt als wahrscheinlich, dass er seine Karriere bei den Westfalen auch beenden wird.

Findige Fans des Bundesliga-Gegners Fortuna Düsseldorf animierte der Dortmunder Keeper zu einer Karikatur. "Auf geht's zum Weiden fellen", stand über einer Zeichnung, die den Düsseldorfer Löwen mit einem Beil und einer Kettensäge zeigte. Doch auch die Profis des Aufsteigers wissen längst, wie schwer Weidenfeller zu überwinden ist.

"Er hat uns schon einige Spiele gerettet", sagte Trainer Jürgen Klopp, "Roman strahlt absolute Souveränität und Sicherheit aus." Besonders in der Begegnung in der Königsklasse drei Wochen zuvor bei Real Madrid (2:2) zeigte Weidenfeller Paraden am Fließband und bewies seine Klasse ebenso wie beim 4:1 am vergangenen Mittwoch in Amsterdam.

Inzwischen hat Weidenfeller 272 Bundesliga-Begegnungen bestritten. "Ich habe alle Höhen und Tiefen miterlebt. Von der Champions League bis hin zum verhinderten Abstieg habe ich ein Stück BVB-Geschichte mitgeschrieben", sagt Weidenfeller, der 2002 zum BVB kam, dort aber zunächst eine Saison im Schatten von Jens Lehmann stand. Nach dessen Wechsel zum FC Arsenal rückte der Ex-Lauterer nach und nach in die erste Elf.

Die Sympathien der Fans musste sich der manchmal allzu impulsive Goalgetter mit der oftmals großen Klappe jedoch mühsam erkämpfen. "Ich glaube, dass für mich das gleiche gilt wie für einen guten Rotwein, der gereift sein muss, ehe er perfekt sein kann. Mit dem Alter kommt die Gelassenheit, und man geht ganz anders an die Dinge heran", sagte er und führt im sportlichen Bereich als Beispiele Vorgänger Lehmann und Edwin van der Sar (Manchester United) an. "Die sind beziehungsweise waren mit 40 noch richtig gut! Jetzt beginnt für mich das beste Torwartalter. Ich hoffe, dass ich noch einige Jahre spielen kann."

Weidenfellers Vertrag läuft noch bis 2014, eine Verlängerung scheint nur Formsache zu sein. Sportlich läuft es gut, wenn da nicht ein kleiner Makel wäre: Ein Einsatz im Nationalteam blieb ihm versagt. "Ich wundere mich schon, dass ich regelmäßig übergangen werde und dort keinerlei Wertschätzung habe - obwohl ich mittlerweile, denke ich, einen guten Namen in Europa habe", sagte der Schlussmann.

Irgendwann habe er jedoch aufgehört, sich zu fragen, was der Grund dafür sein könnte. Es sei ihm jedoch bis heute nie der wahre Grund mitgeteilt worden. "Ich ruhe in mir und kann mich ganz meinem Verein widmen. Mit dieser Situation bin ich sehr zufrieden", sagte Weidenfeller.