Meier als Mahner der Frankfurter Spaßgesellschaft
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Übernachtet wird im Meisterhotel "Der Lennhof" in Dortmund. Gespielt wird im Training um bayrische Weißwürste. Doch über die große weite und vor allen Dingen europäische Fussball-Welt will man bei Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt trotz der Begleitumstände weiterhin nicht sprechen. Zumindest nicht öffentlich.

Vor dem Spitzenspiel beim Tabellenzweiten FC Schalke 04 am Samstag (15:30 Uhr) gibt sich die Führungsetage des Dritten aus Hessen jedenfalls weiterhin bescheiden. "Ich sehe uns als Außenseiter. Wir können uns nicht mit Schalke vergleichen. Das hinkt. Ich zähle sie zu den großen Drei, neben Bayern und Dortmund", meinte Eintracht-Trainer Armin Veh und verwies auf den jüngsten Achtelfinaleinzug der Königlichen in der UEFA Champions League.

Schalkes Sportdirektor Horst Heldt indes vermittelt den Eindruck, als würde er die leisen Töne vom Main für Tiefstapelei halten. "Sie werden von den vorderen Plätzen nur schwer zu vertreiben sein", sagte Heldt dem kicker und glaubt, dass die Frankfurter den Vorteil hätten, von vielen "immer noch unterschätzt" zu werden. Der 42-Jährige trug selbst zwei Jahre das Adler-Trikot - und stieg 2001 mit der Eintracht in die 2. Liga ab. Der Zeugwart des Überraschungsteams der laufenden Saison, Franco Lionti, ist ein guter Kumpel von Heldt geblieben.

Am Samstag wird diese Freundschaft für 90 Minuten ruhen, wenn die punktgleichen (23 Zähler) und nur durch einen Treffer in der Tordifferenz getrennten Klubs aufeinandertreffen. Der Aufsteiger, der sich im Mannschaftshotel von Meister Borussia Dortmund auf die Partie vorbereitet, also auf Augenhöhe mit dem ambitionierten Champions-League-Vertreter?

Allen voran Frankfurts Erfolgsvertreter Alexander Meier will sich vom Tabellenbild nach zwölf Spieltagen nicht wirklich blenden lassen. "Wenn wir 40 Punkte haben, können wir über andere Ziele reden. Jetzt sammeln wir erstmal die Punkte gegen den Abstieg", sagte Meier, der derzeit mit neun Toren neben dem Münchener Mario Mandzukic die Bundesliga-Torschützenliste anführt. Erst am vergangenen Wochenende gelang dem Eintracht-Profi sein dritter Saison-Doppelpack - was ihm in einer Boulevard-Zeitung den Namen Meier-Messi einbrachte.

Maßlos übertrieben. Natürlich. Aber der introvertierte 1,96-m-Schlaks mit dem Bürstenschnitt ist mit fast 30 Jahren in der Form seines Lebens. Er, der Anführer der Frankfurter Spaßgesellschaft, die Fussball 3000 zelebriert. Meier ist Bestandteil des magischen Eintracht-Dreiecks, zu dem auch noch die beiden offensiven "Sechser" Sebastian Rode und Pirmin Schwegler gehören. Der Mannschaftskapitän macht dann auch keinen Hehl daraus, dass er immer auf einen neuerlichen Doppelpack von Meier wetten würde. Der Haken an der Sache: "Ich wette nie", meinte Schwegler, der Vorzeige-Schweizer.

Trainer Armin Veh will den bescheidenen Doppelpack-Meier sogar noch ein bisschen mehr aus der Reserve locken und neckte diesen: "Es wird Zeit, dass er mal drei Tore macht." Ganz ernst analysiert der Coach indes die Entwicklung des früheren U-21-Nationalspielers. "Alex ist besser denn je und zu einer Persönlichkeit gereift." Und nicht nur das. Als Mittelfeldspieler übernimmt der auch gleich das Toreschießen mit.

Stürmer Karim Matmour erzählte unlängst die Story, dass Meier vor dem letzten Spiel gegen den FC Augsburg (4:2) zu ihm gekommen sei. "Alex meinte, ich soll ihm einfach den Ball geben, denn er braucht nur eine Chance, dann ist er drin." Gesagt, getan. Im Aufsteigerduell traf Meier zwei Mal.

Die Stimmung ist also bestens in Frankfurt. Unter der Woche wurde bei einer Trainingseinheit um bayrische Weißwürstchen gespielt. Für einen Lacher sorgte Rode. Der junge Wilde wurde zum Anti-Gewalt-Botschafter des Landespräventivrates ernannt - und kam zur Vorstellung in den Hessischen Landtag mit einem blauen Auge. "So sollte man ja nicht aussehen", witzelte Rode über sein Veilchen, das ihm gegen Augsburg bei einem Luftkampf verpasst worden war.