Stuttgarter Helden in der "kleinen Hölle"
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Fussball "nahe der Perfektion", Traumtore und ein Vereinsrekord - doch zu ausgelassenem Jubel war Serdar Tasci und den VfB-Helden nach ihrem historischen Triumph in der "kleinen Hölle" nicht zumute. "Es geht gnadenlos weiter", sagte der Kapitän des VfB Stuttgart mit Blick auf die anstehende englische Woche mit zwei Bundesliga-Derbys, "wir müssen gut essen, ein bisschen schlafen und versuchen, den Schwung mitzunehmen." Doch an Schlaf war nach dem begeisternden 5:1 (4:0)-Erfolg bei Steaua Bukarest kaum zu denken.

"Das war ein absoluter Sahnetag, alles hat geklappt. Es hat Spaß gemacht, der Mannschaft zuzuschauen", schwärmte Trainer Bruno Labbadia, der die putzige Wendung von der "kleinen Hölle" geprägt hatte. 55.000 fanatische Zuschauer hatten die Arena Nationala in einen "Hexenkessel" (wieder Labbadia) verwandelt, in der den Profis des VfB bereits "beim Warmmachen Hass" entgegenschlug, wie Martin Harnik meinte. "Das hat uns gepusht." Und zum höchsten Auswärtssieg im Europapokal der Klubgeschichte inspiriert.

Tore von Tasci (5.), Harnik (18.), Gotoku Sakai (23.) und Shinji Okazaki (31./55.) ließen "Dampf aus dem Hexenkessel", wie Harnik es treffend formulierte. 5:1 - mit dem gleichen Ergebnis hatte der VfB im Oktober 2004 beim KSK Beveren gewonnen. "Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war nahe an der Perfektion", meinte Manager Fredi Bobic.

Die Gala-Vorstellung hielt den VfB (8 Punkte) in der Gruppe E der Europa League hinter Steaua (10) auf Platz zwei. Im abschließenden Gruppenspiel am 6. Dezember gegen den norwegischen Meister Molde FK kann der VfB aus eigener Kraft - und als siebte und letzte deutsche Mannschaft - das Ticket für die K.o.-Phase des Europacups buchen.

"Wir haben in Molde verloren, da haben sie gezeigt, dass sie es jedem Gegner schwer machen können", sagte Labbadia: "Und sie werden es uns auch in Stuttgart wieder schwer machen." Am Ende aber, daran ließ Christian Gentner keinen Zweifel, wird der Sieger VfB heißen. "Gegen Molde sind wir klarer Favorit, es liegt an uns", sagte er, wie die meisten Stuttgarter eingemummelt in einen Wollschal und mit dicker Mütze auf dem Kopf: "Wir sind die beste Mannschaft in der Gruppe, das haben wir bewiesen."

Labbadia warnte seine teilweise grippegeschwächte Mannschaft nach der Rückkehr nach Stuttgart am Freitagnachmittag, sie dürfe "nicht erwarten, dass es so weiter geht". Bobic meinte: "Überheblichkeit ist fehl am Platze. Die nächsten Wochen werden schwer." Doch nach nur einer Niederlage in den vergangenen zehn Pflichtspielen ist das Selbstvertrauen riesig. "Wir sind stabiler geworden. Diese Leistung können wir immer wieder abrufen", sagte Gentner. Mit Nachdruck fügte er aber an: "Wir dürfen nur nie einen Tick nachlassen."

Sofern das klappt, dürfte die Hürde Molde FK zu überwinden sein. "Jetzt sind wir einen so weiten Weg gegangen, jetzt wollen wir den Berg auch besteigen", sagte Labbadia. Dass sich das lohnen könnte, weiß nicht nur er. Im Sechzehntel-Finale stoßen die Gruppendritten aus der Königsklasse hinzu, und dann, sagte Labbadia, "wird das eine halbe Champions League". Inklusive vieler kleiner Höllen.