Nach Traumtor: "Poldi" euphorisch
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Der Adrenalinstoß nach seinem Traumtor ließ das Englisch von Lukas Podolski ein wenig holpern - um die Euphorie des deutschen Nationalspielers zu verstehen, war aber dennoch kein Übersetzer notwendig. "Das war ein tolles Tor. Natürlich war auch Glück dabei. Es war das wichtige zweite Tor. Wir sind weiter, das ist großartig", sagte der 27-Jährige, der auch am Tag nach dem Achtelfinal-Einzug des FC Arsenal in der UEFA Champions League noch so beseelt war, dass er auf seiner Facebook-Seite ein Foto von sich aus der Kabine postete.

Darauf ist ein grinsender Podolski zu erkennen, der sich mit zwei Kollegen im Arm über das 2:0 gegen den HSC Montpellier freut. Grinsen durfte Poldi auch beim Blick in die englischen Zeitungen. So feierte die Sun, das größte englische Boulevardblatt, den Volleytreffer Podolskis in der 63. Minute als "magischen Moment". Nachlesen konnte der gebürtige Pole, dessen Team gemeinsam mit Schalke 04 die Gruppenphase überstanden hat, zudem das Lob seines Teammanagers Arsene Wenger: "Ein fantastisches Tor".

Doch nicht nur Podolski beherrschte mit seinem dritten Treffer im Wettbewerb die Schlagzeilen nach dem zweiten Teil des 5. Spieltags. Die Königsklasse sorgte für jede Menge Gesprächsstoff. So muss Teammanager Roberto Mancini nach dem Aus des englischen Meisters Manchester City um seinen Job bangen. Real Madrid wird nur als Gruppenzweiter in die K.o.-Runde einziehen. Und Philippe Mexès (AC Mailand) erzielte ein Fallrückzieher-Tor, das noch schöner als der Treffer von Podolski war. Ähnlich viel Aufregung wird es am letzten Spieltag wahrscheinlich nicht geben, denn in allen vier Gruppen (A bis D) ist die Entscheidung über den Achtelfinal-Einzug bereits gefallen.

Die Entscheidung über die Zukunft Mancinis steht noch aus. In den englischen Medien wird damit gerechnet, dass der Italiener nur im Amt bleiben darf, wenn City weiter an der Spitze der Premier League bleibt. Mancini selbst zeigte sich gelassen. "Ich habe keine Angst vor dem Rauswurf. Die Saison ist lang. Neben der Champions League gibt es noch die Liga und den Pokal", sagte der Coach nach dem 1:1 gegen Madrid: "Wenn wir gedacht hätten, wir gewinnen die Champions League im zweiten Anlauf, wären wir doch verrückt gewesen. Wir müssen geduldig bleiben und die Mannschaft weiterentwickeln."

So viel Zeit hat Real-Coach José Mourinho nicht. Das weiß der exzentrische Portugiese selbst. "Zum Glück ist Manchester ausgeschieden - und nicht wir. Roberto kann wohl in Ruhe weiterarbeiten, mich würde die Presse nach einem Aus in der Gruppenphase nicht einmal zurück nach Madrid lassen", äußerte Mourinho nach seinem 100. Königsklassen-Einsatz als Cheftrainer.

Allerdings wäre auch ein Scheitern im Achtelfinale für den Hauptstadtklub, der sich hinter Borussia Dortmund einreihen muss, nicht akzeptabel. Doch genau das droht den Königlichen, da sie zum Auftakt der K.o.-Runde auf einen Gruppensieger treffen werden.

"Unser erstes Ziel war natürlich der Gruppensieg, das haben wir nun nicht geschafft", sagte Nationalspieler Sami Khedira, der im Gegensatz zu Spielmacher Mesut Özil in Manchester auf dem Platz stand: "Dennoch bleibt es unser großes Ziel, bis zum Ende durchzumarschieren. Dazu müssen wir jeden Gegner schlagen. Wir werden zuschlagen, wenn es wirklich darauf ankommt."

Auf spektakuläre Art und Weise zugeschlagen hat Innenverteidiger Mexès beim 3:1 der Mailänder beim RSC Anderlecht. Der französische Nationalspieler traf zum zwischenzeitlichen 2:0 per Fallrückzieher aus rund 20 Metern Entfernung. "Ich widme dieses Tor meiner Familie", kommentierte Mexès den Treffer, der auf Youtube bereits mehrere hunderttausend Mal geklickt wurde.

"Es war großartig und das vielleicht schönste Tor meiner Amtszeit hier in Mailand", schwärmte AC-Vizepräsident Adriano Galliani, der immerhin seit 26 Jahren im Verein ist. Im Internet wird bereits darüber debattiert, ob das Tor von Mexès oder das des Schweden Zlatan Ibrahimovic beim 4:2 gegen England vor Wochenfrist das schönere ist. Mexès' Trainer Massimiliano Allegri konnte jedenfalls kaum glauben, was er gesehen hatte: "Als Philippe schoss, dachte ich, der Ball würde aus dem Stadion fliegen."