Erinnerungen an Bayerns große Sternstunde
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Wenn am heutigen Dienstagabend im Mestalla-Stadion der Anpfiff zwischen dem FC Valencia und Bayern München ertönt, werden zweifelsohne Erinnerungen wach. Nicht etwa an das Hinspiel vor acht Wochen, das der deutsche Rekordmeister mit 2:1 gewann, sondern an etwas, was vor exakt 4.199 Tagen im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion geschah.

Noch heute lassen sich die Beteiligten zu Begeisterungsstürmen hinreißen und sprechen vom "größten Moment ihrer Karriere", die "Krönung der Laufbahn" oder von einem "absoluten Traum".

Duell der Zweitplatzierten
Rückblick: Am 23. Mai 2001 standen sich die beiden Teams im Finale der europäischen Königklasse gegenüber, und schon beim Einlaufen der Spieler ließen die rot-weißen Anhänger ihren Wünschen freien Lauf: "Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben" stand auf einem riesigen Banner in der deutschen Fankurve geschrieben. Das anschließende Duell auf dem grünen Rasen hielt, was sich die Fans erhofften, und bot wahrlich reichlich Gesprächstoff. So landete das runde Leder insgesamt elf Mal in den Maschen eines Tores - immer vom Elfmeterpunkt.

Schon nach drei Minuten hatte Gaizka Mendieta per Handelfmeter die Führung für die Spanier besorgt, Stefan Effenberg gelang kurz nach Wiederanpfiff der 1:1-Ausgleich. Zuvor war Mehmet Scholl in der siebten Minute ebenfalls per Foulelfmeter an Valencia-Schlussmann Santiago Cañizares gescheitert. Nach 120 Minuten zeigten schlussendlich die Münchener im Duell vom Punkt die besseren Nerven und behielten im Duell der Zweitplatzierten der vergangenen beiden Finals (Bayern 1999, Valencia 2000) schlussendlich mit 5:4 die Oberhand.

"Es war einer der größten Momente meiner Karriere", erinnerte sich einst Bayern-Torhüter Oliver Kahn im exklusiven FIFA.com-Interview an das Endspiel 2001. Der dreimalige Welttorhüter parierte im Elfmeterschießen gleich drei Versuche und wurde so zu einem der Helden von Mailand, wie auch Patrick Andersson noch Jahre später zu schätzen wusste. "Zum Glück hatten wir Oliver Kahn", so der Schwede, der neben Paolo Sergio vom Punkt patzte. Doch der Titan machte alles wieder wett. Unvergessen die Parade gegen Mauricio Pellegrino, dem aktuellen Valencia-Trainer, oder der Wunderreflex gegen Amedeo Carboni.

Eine 25-jährige Durststrecke geht zu Ende
Doch es war natürlich nicht nur der Ausnahmetorhüter, der das Bayern-Team 2001 Legendenstatus erreichen ließ. Erinnerungen an die französischen Außenspieler Willy Sagnol und Bixente Lizarazu, das Abwehrbollwerk um Andersson, Sammy Kuffour und Thomas Linke, den Abräumer Owen Hargreaves, Kapitän und Mittelfeldstratege Stefan Effenberg oder Mehmet Scholl, Hasan Salihamidzic und Giovane Elber lassen vor allem die geneigten Bayern-Fans noch heute mit der Zunge schnalzen.

25 Jahre nach dem letzten Triumph im Pokal der europäischen Meistervereine durfte der deutsche Rekordmeister endlich über den vierten Erfolg in diesem Wettbewerb jubeln. "Es war die Krönung meiner Karriere", gab Effe einmal zu. "Das hat uns zu Helden gemacht, beinahe unsterblich. Und das war ein Riesengefühl - auch Wochen später noch. Das ist ja jetzt schon eine Zeit her, aber das wirkt immer noch nach. Wenn ich heute nach München komme, spüre ich das immer noch. Da ist einfach ein gewisser Respekt da, die Leute behandeln einen immer sehr zuvorkommend, immer sehr nett. Ich glaube, dass das auch damit zu tun hat."

Auch Lizarazu gerät auf den Titelgewinn vor elf Jahren noch immer ins Schwärmen: "Es war wie im Traum! In einem Finale muss etwas Spezielles passieren, wir haben nur darauf gewartet. Dann geschah es: Olli Kahn hielt den letzten Elfmeter und wir rannten wie verrückt auf ihn zu. Von der Mittellinie bis zum Strafraum, diese sechs bis sieben Sekunden werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Unglaublich!"

Albelda hält die Fahne hoch
Von den Protagonisten von damals ist rund elfeinhalb Jahre nach dem Finale in Mailand lediglich einer noch bei einem der beiden Vereine aktiv. David Albelda, der im Finale zur Halbzeit eingewechselt wurde, trägt noch immer das weiße Trikot der Ostspanier. Zahlreiche andere haben inzwischen das Fach gewechselt und wurden zu TV-Experten.

Auch wenn die Akteure am Abend des 20. November 2012 vollkommen andere sein werden, so wird zweifelsohne der ein oder andere Gedanke von Fans, Spielern und Offiziellen an diesen "Tag, der Geschichte schrieb" zurückgehen.