Hoeneß' Auftrag an Ribéry und Co.: Lille "wegputzen"
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Uli Hoeneß bringt nichts so leicht in Panik. Doch vor dem vierten Vorrunden-Spieltag in der UEFA Champions League mit dem Duell gegen den OSC Lille spürt der Präsident von Bayern München ein nervöses Kribbeln. Es könne "noch ganz dramatisch werden", mahnt er mit Blick auf die Tabellenkonstellation, die die Bayern an Position drei ausweist, punktgleich mit dem FC Valencia und Bate Borissov. Deshalb, fordert Hoeneß, müsse die Mannschaft von Jupp Heynckes Lille am Mittwoch (20:45 Uhr) "wegputzen". Helfen soll dabei ausgerechnet eine französische "Fachkraft für Raumpflege".

Franck Ribéry, selbst ein Nordfranzose wie die Mannen aus Lille, und in der Jugend für den OSC drei Jahre am Ball, spielt derzeit so gut wie nie zuvor. Sagt kein Geringerer als Oliver Kahn, der selbst noch mit Ribéry zusammengespielt hat. "Zu seiner Spielfreude gesellt sich eine hohe Laufbereitschaft und Mannschaftsdienlichkeit", sagt der ehemalige Nationaltorhüter. Etwas flapsiger, aber in der Sache identisch drückt sich Franz Beckenbauer aus. "Ich weiß nicht, wie viele Lungen er hat, sicher drei Pferdelungen. Das gibt's nicht." Die Bild gab Ribéry deshalb den schönen Beinamen "Power-Gaul".

Gaul? Also bitte! Ribéry ist ein Rennpferd, ein französisches Vollblut - nur leichtfüßiger. Ribéry verkörpere die aktuelle Stärke des FC Bayern als "Prototyp", sagte Trainer Heynckes am Dienstag. Die gesamte Mannschaft habe Spaß, spiele mit Leidenschaft Fussball - "so wie wir früher auf der Straße". Ribéry, der Straßenfussballer.

Der sprach am Dienstag im hoffnungslos überfüllten Presseraum an der Säbener Straße von "kindlicher Unbekümmertheit", die sein Spiel und das der Bayern auszeichne. Doch er und seine Kollegen seien auch "Profis genug, um zu wissen, dass wir uns immer hinterfragen müssen. Wir werden sicher nicht den Fehler machen, das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen." Während er redete, stützte er seinen linken Arm stets aufs Knie, wie, um seinen Aussagen Nachdruck zu verleihen.

Auf dem Platz hat Ribéry solche Gesten nicht nötig - sein Spiel spricht für sich, für ihn. Wenn Hoeneß von der "Fußball-Kunst" der Bayern schwärmt, meint er vor allem den Franzosen. In den jüngsten drei Bundesligaspielen gab Ribéry fünf Torvorlagen, zwei Treffer erzielte er selbst. Es ist kein Zufall, dass die Bayern gegen Bayer Leverkusen verloren: Der 29-Jährige fehlte verletzungsbedingt.

Gegen seine Landsleute wird Ribéry wieder mit Arjen Robben die Münchener Flügelzange bilden. Robben, beim Hamburger SV (3:0) noch geschont, wird "von Beginn an spielen", sagte Heynckes. In die Mitte rückt Thomas Müller, Toni Kroos dürfte Heynckes nach überstandenen Magen-Darm-Problemen schonen. Und hinter dem offensiven Trio sichert neben Bastian Schweinsteiger wieder Javi Martínez ab, wie immer in der Königsklasse, zumal Luiz Gustavo leichte Adduktorenprobleme hat.

Heynckes erwartet einen Gegner, der wie in Lille "aggressiv und mit großem Engagement auch rustikal zur Sache geht". Sein Team müsse "fussballerisch anders auftreten" als im Hinspiel, forderte er, "und nach vorne ein gewisses Risiko eingehen". Überhaupt warnte Heynckes - mal wieder - vor zu viel Euphorie. "Ich erwarte von der Mannschaft noch viel mehr."

Lille ist zwar nach drei Niederlagen fast schon ausgeschieden. Doch auch Ribéry erwartet ein schwieriges Spiel gegen die Roten Doggen, wie er betonte. Nur mit einem Dreier können die Bayern den beiden abschließenden Spielen in Gruppe F gelassener entgegensehen.

Und nur dann geht auch Hoeneß' Masterplan auf: Zwei Siege in den ausstehenden Heimspielen "und ein Unentschieden in Valencia, dann sind wir Gruppensieger", sagt er. Dann dürfte auch beim Präsidenten die Nervosität weg sein.