Olic: "Unsere Qualität wird sich durchsetzen"
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Ivica Olic ist ein Kämpfer durch und durch. Er gibt auf dem grünen Rasen immer alles, geht jedem Ball hinterher und ist sich nie zu schade, für andere zu laufen. So einen Spieler hat zweifelsohne jeder Trainer gerne in seinen Reihen.

Seit der kroatische Vollblutstürmer vor 14 Jahren bei Hertha BSC Berlin erstmals Bundesliga-Luft schnuppern durfte, hat ihn die deutsche Eliteklasse, mit wenigen Außnahmen, nicht mehr losgelassen.

Ob in der Hauptstadt, beim Hamburger SV, Rekordmeister Bayern München oder seit diesem Sommer der VfL Wolfsburg – sie alle haben den Angreifer wegen seines Kämpferherzes sowie seiner sympathischen Art schätzen und lieben gelernt. 

Natürlich hat der Stürmer auch in der Nationalmannschaft seine Spuren hinterlassen. 78 Mal (15 Tore) streifte er sich bis jetzt das Trikot der Feurigen über. Erst im vergangenen November ebnete er durch seinen Führungstreffer gegen die Türkei im Playoff-Hinspiel den Weg zur UEFA EURO 2012. Das kontinentale Gipfeltreffen musste Olic verletzungsbedingt allerdings als Zuschauer verfolgen.

FIFA.com sprach exklusiv mit dem viermaligen kroatischen Fussballer des Jahres über seine Karriere, die neue Herausforderung in Wolfsburg und seinen Traum von der FIFA WM 2014 in Brasilien.

Herr Olic, haben Sie die Enttäuschung inzwischen überwunden, dass Sie die EM nicht mitmachen konnten?
Ich war sehr enttäuscht und es war schade, dass ich nicht dabei war. Aber das ist abgehakt. Ohne die EM konnte ich meine Verletzung immerhin komplett auskurieren.

Es gab Gerüchte, dass Sie Ihre Nationalmannschaftskarriere nun beenden. Stimmt das?
Ich habe das offen gelassen. Ich habe mit dem neuen Nationaltrainer bereits gesprochen. Er hat gesagt, wenn ich auf dem Niveau spielen kann, dass auch ich von mir erwarte, und der Nationalmannschaft weiterhelfen kann, dann ist die Tür weiter offen. Für die Nationalmannschaft zu spielen, ist einer der größten Wünsche eines jeden Kindes. Ich durfte das fast zehn Jahre lang machen. Dafür bin ich dankbar.

Sie haben 78 Länderspiele absolviert (15 Tore). An welches können Sie sich am besten erinnern?
Das war das erste Tor für die Nationalmannschaft. Das war in Japan 2002 gegen Italien. Das war das 1:1, und wir haben 2:1 gewonnen. Ich bin für die letzte halbe Stunde reingekommen. Das war am Anfang meiner Karriere, daher war es etwas Besonderes. Später habe ich natürlich auch gegen Deutschland getroffen, in England gegen England oder gegen die Türkei in den Playoffs zur UEFA EURO 2012. Man kann sagen, dass ich nicht viele, dafür aber wichtige Tore geschossen habe.

Das nächste Highlight wirft bereits seine Schatten voraus: die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014. In der Qualifikation geht es gegen Belgien, Schottland, EJR Mazedonien, Wales und Serbien. Eine machbare Gruppe?
Das ist eine schwere Gruppe, und es wird sicher nicht einfach. Kroatien ist dennoch der Favorit. Wir müssen das bestätigen. Serbien ist unser Hauptkonkurrent. Auch Belgien und Schottland sind schwer zu spielen. Jeder kann jeden schlagen. Ich glaube aber, dass sich am Ende unsere Qualität durchsetzen wird. Wir müssen es einfach schaffen.

Gerade die Duelle gegen Serbien dürften brisant werden. Wie stehen Sie dazu?
Erstens ist es natürlich ein schwerer Gegner. Zweitens gibt das den Spielern eine zusätzliche Motivation. Es ist mehr als ein Spiel. Ich selbst kenne viele serbische Spieler und habe da auch gute Freunde. Ich hoffe, dass am Ende der Fussball im Vordergrund steht. Der Bessere möge gewinnen. Das wünsche ich mir. Ich glaube, dass wir vor Serbien sein werden und gegen sie auch gewinnen können. Aber wenn es doch Serbien schaffen sollte, dann gratuliere ich ihnen. Meiner Meinung nach, haben beide Teams genug Qualität, um zur WM zu fahren. Das wäre am Besten.

Wäre die WM 2014 ein toller Karriere-Abschluss?
(lacht) Auf jeden Fall! Die WM-Qualifikation ist das nächste Ziel mit der Nationalmannschaft. Alles Weitere wird man dann sehen.

In der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste ist Kroatien regelmäßig in den Top Ten vertreten und gehört bei den Turnieren oftmals zu den Geheimfavoriten. Doch so richtig konnten die Erwartungen nicht erfüllt werden. Warum?
2008 sind wir unglücklich im Viertelfinale gegen die Türkei ausgeschieden. Die Erwartungen bei der EM 2012 waren daher groß. Nun wollten wir es besser machen, aber in unserer Gruppe waren schwere Gegner – Spanien und Italien sind ja später auch ins Finale gekommen. Uns hat am Ende auch das Glück gefehlt, denn gegen Spanien hätten wir durchaus gewinnen können. Wir haben gezeigt, dass wir Fussball spielen können, aber wir können nicht zufrieden sein. Ich hoffe, dass wir uns in Zukunft noch weiter entwickeln werden, um uns wieder in die Weltspitze zu spielen. Das ist nicht einfach. Kroatien ist ein kleines Land. Wenn bei uns zwei, drei Spieler verletzt sind, ist das ein großes Problem.

Im Verein haben Sie eine neue Herausforderung angenommen. Nach Berlin, Hamburg, München kommt jetzt Wolfsburg. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Ich bin etwa einen Monat hier, in dem wir viel trainiert haben. Für mich war die China-Reise recht anstrengend, als wir sechs Tage in drei verschiedenen Städten waren. Da konnten wir nicht viel machen außer spielen. Bis jetzt läuft aber alles gut, und ich bin froh, dass ich alles absolvieren konnte.

Was sind Ihre Ziele mit Wolfsburg? Man konnte lesen, Sie peilen 15 Tore in dieser Saison an...
Ich meinte damit, dass ich glücklich wäre, wenn ich das schaffe. Aber persönliche Ziele lasse ich beiseite. Für mich steht immer die Mannschaft im Vordergrund. Ich will nächstes Jahr mindestens in der Europa League, am liebsten aber in der Champions League spielen mit Wolfsburg. Wieder international dabei zu sein, ist das erste und wichtigste Ziel für mich und die Mannschaft.

Gab es auch Überlegungen, nochmal ins Ausland zu gehen?
Natürlich gab es die. Ich habe die Entscheidung, nach Wolfsburg zu gehen, nicht in einer Woche getroffen, sondern es war sehr gut überlegt. Wolfsburg wollte mich schon im Winter holen, aber Bayern hat mich nicht gelassen. Der Kontakt ist geblieben, und ich habe oft mit Herrn Magath telefoniert. Ich war in der Vergangenheit schon im Ausland, aber ich habe mich an den deutschen Fussball gewöhnt. Wolfsburg ist sehr ambitioniert, seriös und hat gute Pläne. Das hat mir gefallen. Das ist das, was ich will. Ich hätte auch noch ein Jahr bei den Bayern bleiben können, aber ich wollte unbedingt mehr spielen. Nach einem Monat hier kann ich sagen, dass dies die richtige Entscheidung war.

Ihr Trainer Felix Magath hat den Ruf, hart zu trainieren. Wie hat Ihnen das Training gefallen?
Es ist natürlich etwas anderes als in meiner Zeit bei Bayern. Vor allem die ersten beiden Wochen im Trainingslager waren hart, danach haben wir mehr mit dem Ball gearbeitet. Wenn der Ball dabei ist, dann macht es immer mehr Spaß und die Zeit geht schneller vorbei. Es war eine harte Zeit, aber ich bin froh, dass ich das geschafft habe. Ich sehe, dass ich nun richtig fit bin. Felix Magath macht es ja nicht, um uns zu quälen, sondern er will uns verbessern und uns konditionell auf ein hohes Niveau bringen. Ich habe mich inzwischen gut daran gewöhnt.

Ihr Vertrag in Wolfsburg läuft zwei Jahre. Dann sind Sie 34 Jahre alt. Ist danach Schluss?
Es ist schwer, zu planen, wenn man älter wird. Wenn ich mich fit fühle, dann kann ich weiterspielen. Wenn ich aber merke, dass ich meine Ziele nicht mehr erreichen kann, dann höre ich auf. Bis dahin will ich noch zwei erfolgreiche Jahre in Wolfsburg haben, und danach sehen wir weiter.

Sie haben jede Menge erreicht in Ihrer Karriere. Fehlt Ihnen noch etwas?
Ich bin theoretisch sehr zufrieden. Aber natürlich hätte ich gerne mit Bayern München eines der zwei Champions League-Finals gewonnen. So eine Chance werde ich wohl nicht mehr bekommen. Mit Wolfsburg möchte ich noch mindestens eine Saison im Europapokal bestreiten. In diesem Jahr werde ich erstmals nach zehn Jahren nicht international dabei sein. Ich habe viel erreicht, aber ich habe noch viel Kraft und Willen für die Zukunft.

Sie gelten gemeinhin als Kämpfernatur, einer, der nie aufgibt und bis zum Schluss alles gibt...
Dafür bin ich bekannt und vielleicht habe ich auch deswegen so eine Karriere gemacht. Ansonsten wäre ich nur ein normaler Spieler. Das war meine besondere Stärke.

Was kommt nach der aktiven Karriere? Trainer? Manager?
Ich werde definitiv dem Fussball erhalten bleiben. Was ich mache, weiß ich aber noch nicht. Fussball ist einfach mein Leben.