Sambias Triumph und große Begeisterung
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Eigentlich hatte man Didier Drogba und der Elfenbeinküste dieses Mal den Titel zugetraut, doch dann kamen die Nobodys aus Sambia und schnappten den Ivorern den Erfolg vor der Nase weg. Dank des Sieges im dramatischen Elfmeterschießen nach dem torlosen Finale holte sich das Team aus dem Süden Afrikas erstmals den Titel beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal. Große Namen sucht man bei Sambia vergebens. Dennoch ist das Team ein würdiger Titelträger, den man von nun an stets auf der Rechnung haben sollte.

Der Titelträger
Der französische Trainerfuchs Herve Renard hatte von Beginn an immer wieder die Außenseiterchancen seines Teams beschworen - und am Ende sollte er Recht behalten. Die Mannschaft Sambias zeigte sich durch den Umstand inspiriert, dass das Finale in Gabuns Hauptstadt Libreville stattfand, wo 1993 fast das gesamte damalige Nationalteam Sambias bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war.

"Hier an diesem Ort zu spielen, ist für uns eine sehr emotionale Erfahrung", so Sambias Kapitän Christopher Katongo, der als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde. "Ganz Sambia erwartet von uns, dass wir das Andenken der Helden von 1993 ehren. Wir alle wollen besonders gut spielen, um ihnen diese Ehre zu erweisen."

Das Team präsentierte sich während des gesamten Turniers als geschlossene, starke Einheit. Insbesondere Torhüter Kennedy Mweene verkörperte mit seinen selbstsicheren Auftritten die Entschlossenheit der Sambier. "Ich bekomme jetzt ganz bestimmt nicht das große Zittern, nur weil ich Drogba gegenüber stehe", sagte er vor dem Finale.

"Wir empfinden in unserer Mannschaft keinerlei Furcht." Mit dieser Einstellung überwand Sambia im Halbfinale Ghana, wobei Torhüter Mweene einen Elfmeter von Asamoah Gyan hielt. Und auch im Finale gegen die scheinbar übermächtigen Ivorer ließen sich die Sambier nicht von ihrem Weg abbringen.

Die Favoriten
Die Elfenbeinküste zeigte in den drei Wochen bis zum Finale hervorragende Leistungen. "Wir haben gelernt, dass wir sehr solide und sicher spielen müssen. Dieses Mal haben wir eine sehr solide Verteidigung. Das ist unsere größte Stärke", so Trainer Francois Zahoui. Tatsächlich ließ die ivorische Abwehr in den sechs Partien kein einziges Gegentor zu und so stand das Team 20 Jahre nach dem letzten Titelgewinn ganz kurz davor, den Triumph zu wiederholen.

Doch am Ende zeigte man sich dem Druck des Elfmeterschießens nicht gewachsen. Drogba ist zwar auch weiterhin auf und abseits des Feldes eine überaus wichtige Führungsfigur, doch dass er im Finale in der regulären Spielzeit einen Elfmeter verschoss, wirft einen dunklen Schatten auf seine Leistung.

Ghana, nach Einschätzung Renards das "konstanteste Team Afrikas", muss mit der Enttäuschung der Halbfinalniederlage gegen Sambia und der anschließenden Pleite gegen Mali im Spiel um Platz drei fertig werden. Dabei hatten die Black Stars, deren letzter Titelgewinn bereits 30 Jahre zurück liegt, neben der Elfenbeinküste als einer der Topfavoriten gegolten.

Mit seinem verschossenen Elfmeter im Halbfinale beschwor Gyan zudem böse Erinnerungen an seinen verschossenen Elfmeter bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ herauf.

Die Überraschungen
Es gab viele positive Überraschungen aber auch eine überaus negative: Die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Senegalesen verloren ihre drei Gruppenspiele jeweils mit 1:2 und schieden sang- und klanglos aus, was Trainer Amara Traore den Job kostete. "Unser Erfolg kommt noch, daran habe ich keinen Zweifel", sagte Stürmer Demba Ba danach trotzig.

Mali nutzte die Gunst der Stunde und landete am Ende auf dem dritten Platz - so weit vorn wie seit 40 Jahren nicht mehr. Unter Führung von Seydou Keita vom FC Barcelona überstanden die Schützlinge von Alain Giresse die Vorrunde und setzten sich im Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen Mitgastgeber Gabun durch. Erst im Halbfinale gegen die Elfenbeinküste ging ihnen die Luft aus.

Beide Gastgeber erreichten mit soliden Leistungen die K.o.-Runde. Gabun konnte mit einer jungen, vielversprechenden Spielergeneration in der Gruppenphase Siege gegen die erfahrenen Teams von Marokko und Tunesien feiern. Äquatorial-Guinea belegte in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste von allen Teams die schlechteste Position, ließ dies aber im Turnier nicht erkennen. So gab es einen Sieg gegen Senegal, bei dem Kily mit einem Distanzschuss in der Nachspielzeit einer der schönsten Treffer des Turniers gelang, und gegen Sambia nur eine knappe Niederlage.

Sudan konnte erneut die unter Trainer Mohamed "Mazda" Abdulla gemachten Fortschritte unter Beweis stellen. "Für uns war das Turnier ein Erfolg, denn wir haben die meisten unserer Ziele erreicht", so der Trainer nach der allerdings deutlichen 0:3-Viertelfinalniederlage gegen den späteren Titelgewinner Sambia. "Seit 1976 hatten wir keinen einzigen Punkt geholt und kein Tor erzielt. Doch hier haben wir mit dem Erreichen des Viertelfinals einen historischen Erfolg gefeiert."

Die Stars
Kolo und Yaya Touré gehörten im Team der Elfenbeinküste zu den treibenden Kräften, ebenso wie Gervinho, der das fantastische Siegtor gegen Mali erzielte. Abgesehen vom für ihn unglücklichen Finale zeigte sich auch Drogba in Bestform. Nachdem er gegen Äquatorial-Guinea einen Elfmeter verschossen hatte, erzielte er im weiteren Spielverlauf noch zwei Tore. Souleymane Keita zeigte im Dress von Mali konstant starke Leistungen, ebenso wie Dede Ayew im Trikot von Ghana.

Der junge Pierre-Emerick Aubameyang hatte großen Anteil an Gabuns erfolgreichem Auftritt, verschoss allerdings als Einziger im Elfmeterschießen gegen Mali. Bei Sambia ragten insbesondere die Angreifer Kapitän Chris Katongo und Rainford Kalaba heraus. Torhüter Mweene seinerseits dirigierte eine Abwehr, die in der gesamten K.o.-Phase kein Gegentor mehr zuließ.

Von den Nordafrikanern glänzten insbesondere der Marokkaner Younes Belhanda, der sich als brillanter Mittelfeldregisseur einer ansonsten enttäuschenden Mannschaft erwies, sowie der junge Tunesier Youssef Msakni, der mit seinem Team zumindest das Viertelfinale erreichte und eine große Zukunft vor sich haben dürfte.

Hätten Sie's gewusst?
2012 musste das Finale des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals bereits zum siebten Mal im Elfmeterschießen entschieden werden. Auch am vorangegangenen Elfmeterschießen 2006 war die Elfenbeinküste beteiligt. Damals zogen die Ivorer gegen Ägypten den Kürzeren. Im gestrigen Finale verwandelte Stoppila Sunzu, Innenverteidiger in Diensten von TP Mazembe, den entscheidenden Elfmeter für Sambia. Für Sambia war es ebenso wie für die Elfenbeinküste die dritte Finalteilnahme. Beide Teams haben den Titel jetzt ein Mal gewonnen.

Die Statistik
7 - So viele Spieler standen am Ende des Turniers mit je drei erzielten Treffern an der Spitze der Torjägerliste. Cheick Diabate (Mali) erzielte seine drei Treffer alle in der K.o.-Phase, während Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun), Manucho (Angola) und Houssine Kharja (Marokko) jeweils drei Mal in der Gruppenphase erfolgreich waren. Drogba sowie die Sambier Chris Katongo und Emmanuel Mayuka hätten sich im Finale den alleinigen Sieg sichern können, blieben jedoch torlos.

Das Zitat
"Das war ein Wink des Schicksals, ein himmlisches Zeichen. Unter uns war ein besonderer Geist."
Herve Renard (Trainer, Sambia)