Wilhelmsson nimmt den Titel ins Visier
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Am 17. Juni 2012 befand sich Christian Wilhelmsson noch in Saudiarabien, wo er sein letztes Vertragsjahr als Profi von Al Hilal zu Ende spielte. Folglich konnte er im fernen Riyadh auch nicht miterleben, was sich damals in Los Angeles abspielte. Denn an jenem Abend gelang LA Galaxy im heimischen Home Depot Center mit dem 1:0 über Portland Timbers am 14. MLS-Spieltag der erst vierte Sieg und damit der entscheidende Befreiungsschlag. Zuvor war der Titelverteidiger heftig kritisiert worden. "Es wurde sogar behauptet, dass wir mit unserem Latein am Ende seien und wir unsere beste Zeit bereits hinter uns hätten", erinnert sich Todd Dunivant, der in jener Partie den 1:0-Siegtreffer erzielt und seine Mannschaft damit aus der Krise geschossen hatte.

Knapp drei Monate danach ist die Wende längst vollzogen. Inzwischen hat der viermalige MLS-Titelträger wieder an die Erfolge aus der vergangenen Saison anknüpfen können und sich mit der Verpflichtung von Wilhelmsson eine echte Verstärkung gesichert. Der schwedische Nationalspieler steht seit dem 5. September bei Los Angeles Galaxy unter Vertrag, allerdings ohne Garantie bezüglich einer Verlängerung im Jahr 2013.

Sein erstes Pflichtspiel in Los Angeles bestritt der Nordeuropäer mit den Nachwuchsspielern des Reserve-Teams gegen Portland Timbers. Neun Tage nach seiner Vertragsunterzeichnung gab er gegen Colorado Rapids sein Debüt in der Major League Soccer und erzielte dabei sein erstes Tor auf amerikanischem Boden. Fünf Spiele nach seinem ersten Torerfolg fehlen Wilhelmsson nur noch 90 Minuten bis zur MLS-Krone. Demnach ging für den früheren Leistungsträger von RSC Anderlecht alles rasant schnell. "Bisher war ich es nicht gewohnt, so spät in der Saison einzusteigen", so Wilhelmsson gegenüber FIFA.com. "Was die Integration in das neue Team anbetrifft, so hatte ich damit keinerlei Probleme. In taktischer Hinsicht ist diese Mannschaft wirklich gut aufgestellt. Ihre Spieler wissen, worauf es ankommt, und der Verein arbeitet sehr professionell. Da fällt es nicht schwer, seinen Platz zu finden, denn die Basis dafür ist bereits gegeben."

Schnelle, körperbetonte Spielweise
Was dem mittlerweile über 30-Jährigen schon eher ein wenig zu schaffen macht ist, "den gewohnten Rhythmus zu finden und wieder auf dem von mir angestrebten Niveau zu spielen. Meine neuen Mannschaftskollegen müssen sich an mich gewöhnen, und ich selbst muss meine Position bei bestimmten Abläufen erst noch finden. Doch das wird von Tag zu Tag besser. Jetzt finde ich die Räume schon viel besser, vor allem die hinter Robbie Keane. Auch erkenne ich aus der Situation heraus spontaner, wo ich hinlaufen muss. Außerdem kommen inzwischen auch meine Pässe deutlich besser an", so Wilhelmsson, der für Schweden bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ sowie bei den jüngsten drei Auflagen der UEFA EURO im Einsatz war.

Bevor er mit der Nationalmannschaft seines Landes die Reise nach Polen und in die Ukraine antrat, war der Ex-Profi von Mjällby AIF, wo er einst seine Klubkarriere begonnen hatte, für Al Hilal in zwei Spielen mit je einem Doppelpack erfolgreich gewesen. Daher kann auch nicht die Rede davon sein, dass er bei seinem Wechsel nach Los Angeles etwa außer Form war. Dennoch ist der Schwede in einer Liga, in der seinen eigenen Worten zufolge " eine körperlich betonte Spielweise vorherrscht und in der nahezu alle Spieler mit Schnelligkeit und Athletik punkten, mit seinem bislang erreichten Niveau noch nicht ganz zufrieden.

Unterstützung durch die Routiniers
Wohl vor allem auch deshalb beharrt der eher schmächtig gebaute Christian Wilhelmsson wenige Stunden vor seinem ersten MLS-Finale lieber darauf, seiner Mannschaft vor allem Unterstützung leisten zu wollen. "Nicht, dass ich mir keine Chancen erarbeiten würde. Mit Sean Franklin verstehe ich mich zum Beispiel perfekt. Wir passen gut zusammen, und wir helfen uns gegenseitig in der Defensivarbeit", so der in Malmö geborene Neukalifornier. "Ich bin gern auf der Außenbahn, um von dort mit dem Ball nach innen zu laufen. Ich habe in meiner ganzen Karriere als Flügelspieler agiert, denn als solcher fühle ich mich am wohlsten. Mitunter muss ich auch mal mit nach innen gehen, um Robbie Keane besser zu finden. Da wir jedoch fähige Spieler in der Mannschaft haben, die auch mal die Position wechseln können, ist es für mich wiederum leichter, von den Räumen hinter den Verteidigern zu profitieren."

Mit seinem bereits achten MLS-Finale ist Galaxy Los Angeles der absolute Rekordhalter in der Major League Soccer. Bei seinem Unternehmen Titelverteidigung kann sich das Team von Bruce Arena auch auf mehrere Routiniers wie David Beckham, Robbie Keane und Landon Donovan stützen. "Das sind alles erfahrene Profis, von denen wir gelernt haben, selbst dann nicht in Panik zu verfallen, als uns alle Welt schon am Boden liegen sah", so der Kommentar von Dunivant, der sich mit seinen 31 Jahren durchaus selbst zu den Routiniers in der Mannschaft zählen kann.

Und auch der 32-jährige Wilhelmsson, der bereits in zehn verschiedenen Ligen, darunter in Frankreich, Italien, Spanien und England aktiv war, wurde sicher mit dem Ziel verpflichtet, den Block der Routiniers weiter zu stärken und Galaxy so zu einem weiteren Titel zu verhelfen.