Er ist sehr talentiert, misst 1,69 Meter und könnte durchaus bei der Gala FIFA Ballon d’Or 2012 ausgezeichnet werden. Die Rede ist aber nicht von Lionel Messi, sondern vom beidfüßigen Flügelspieler von Fenerbahçe Istanbul, Miroslav Stoch. Mit seinem spektakulären Treffer am 3. März 2012 gegen Gençlerbirliği schaffte es der Slowake unter die drei Finalisten für die Auszeichnung mit dem FIFA Puskás-Preis. Eine Trophäe unter vielen, die der Betroffene anvisiert, denn Miroslav Stoch hat einen großen Titelhunger.

Der Miňo genannte Akteur hat noch nie eine Saison mit leeren Händen abgeschlossen. Seit seinen Anfängen als Profi 2008/09 im Trikot des FC Chelsea gewann er tatsächlich in jeder Spielzeit einen Titel: den FA Cup 2009 mit den Blues, die niederländische Meisterschaft 2009/10 mit Twente, die Süper Lig 2010/2011 und den letzten türkischen Pokal mit Fener. Und Stoch hat noch lange nicht genug.

"Wir kämpfen in der Meisterschaft um den ersten Platz, wir sind gut in die Europa League gestartet und auch im türkischen Pokal gut im Rennen. Die Saison verläuft also nicht schlecht, doch sie wird sehr lang sein, es sind noch enorm viele Spiele zu absolvieren", bilanzierte Miroslav Stoch im Gespräch mit FIFA.com. "Fenerbahçe ist ein großer Klub, vielleicht der größte in der Türkei. Allein schon deshalb haben wir die Verpflichtung, Titel zu gewinnen", ergänzte er voller Ehrgeiz.

Dieser Siegeswille zeichnete sich bei ihm bereits in jüngstem Alter ab. Nachdem er beim heimischen Klub FC Nitra sein Handwerk erlernt hatte, verließ Stoch im Alter von 15 Jahren die Slowakei und trat dem Ausbildungszentrum des FC Chelsea unter José Mourinho bei, der gerade englischer Meister geworden war. Seine ersten Schritte in der Profimannschaft sollte er indes unter Luiz Felipe Scolari unternehmen. Im November 2008 debütierte er gegen Arsenal als Einwechselspieler für Deco.

"Ich habe nur ausgezeichnete Erinnerungen an den Klub. Ich kam dort im Alter von 15 Jahren an und konnte kein Wort Englisch. Ich war fast noch nie über die Grenzen meines Landes hinausgekommen. Es war eine völlig neue Erfahrung für mich", erzählte er. "Ich habe dort enorm viel gelernt und bin diesem Klub sehr verpflichtet", betonte er in dem Wissen, dass seine paar Einsätze für die Londoner ihm im Februar 2009 die Türen zur slowakischen Nationalmannschaft öffneten.

2010, ein Jahr voller Erfolge
Doch vor allem im folgenden Jahr nahm die Karriere Stochs richtig Fahrt auf. Um Erfahrung zu sammeln, wurde er an Twente Enschede ausgeliehen und avancierte zu einer der großen Figuren der niederländischen Saison. "Wir hatten uns bei Chelsea auf einen Wechsel auf Leihbasis geeinigt, ohne zunächst genau zu wissen, wo es für mich hingehen sollte. Am Ende war es Twente, und ich muss sagen, dass es die richtige Option war", erzählte er. "Die Saison verlief fabelhaft. Wir gewannen den ersten Titel in der Geschichte des Klubs, und persönlich denke ich, dass mir dort gute Dinge gelungen sind."

Seine zehn Tore in 32 Spielen, insbesondere der titelentscheidende Treffer gegen NAC Breda, sprechen für den quirligen Flügelspieler. Doch das Jahr 2010 sollte ihm auch durch die historische Leistung seiner Nationalmannschaft bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ in Erinnerung bleiben. "Das hat sich mir natürlich in mein Gedächtnis eingebrannt! Es war das erste Mal, dass sich die Slowakei für ein großes internationales Turnier qualifizierte. Dies führte zu einer großen Begeisterung im Land. Niemand hätte damit gerechnet, dass wir Italien schlagen, doch es gelang uns und wir zogen in die zweite Runde ein. Ich hoffe wirklich, eine weitere Weltmeisterschaft erleben zu können."

In einer Gruppe G, "die als machbar gilt, aber viel komplizierter ist als es aussieht", so Stoch, liegt die Slowakei in der Qualifikation für Brasilien 2014 momentan hinter den Führenden Bosnien-Herzegowina und Griechenland. "Unser Start hätte besser sein können. Es lief alles ganz gut, bis zu unserem letzten Duell gegen Griechenland, als wir unglücklich zu Hause unterlagen", erklärte Stoch. "Aber es ist noch nichts verloren. Wir können jedes Team schlagen. Abgerechnet wird später!"

Denn in der Gegenwart gibt es für Stoch nur die Meisterschaft – und den Puskás-Preis. "Ich würde mich sehr freuen und geehrt fühlen, den Puskás-Preis zu gewinnen, doch für mich hatte schon immer das Mannschaftsinteresse Vorrang. Wenn ich also wählen müsste, würde ich es vorziehen, die Meisterschaft zu gewinnen. Zumal wir im letzten Jahr den Titel nur knapp verpasst haben."

Am Ende sicherte sich Galatasaray die Meisterschaft durch ein 0:0 beim großen Rivalen. Aktuell trennen diese zwei Klubs an der Spitze nur zwei Zähler, und an diesem Sonntag, 16. Dezember, kommt es erneut zu einem direkten Aufeinandertreffen auf dem Weg zum Titel.