Wo die Meister schon gekrönt sind...
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Sie kommen aus Hafnarfjördur, Molde sowie Daugavpils oder Elfsborg und haben bereits das geschafft, von dem die aktuellen Tabellenführer wie Bayern München, FC Barcelona, Juventus Turin oder Manchester United in Europas Top-Ligen in dieser Saison noch weit entfernt: den Titelgewinn.

In fast allen Meisterschaften im Norden Europas ist der Spielbetrieb 2012 nämlich bereits beendet. Die Champions durften die Korken knallen lassen und die Pokale in die Höhe strecken.

Besonders früh in die Saisonpause gingen die Isländer, die bereits Ende September mit FH Hafnarfjördur ihren Meister krönten. 13 Punkte Vorsprung hatte das Team von Heimir Gudjónsson nach 22 Spieltagen auf die Konkurrenz. Bereits drei Spieltage vor Schluss stand der sechste Titelgewinn der Vereinsgeschichte fest.

Zwei Neulinge besteigen den Meisterthron
Exakt die gleiche Dramaturgie gab es aus Estland zu vermelden: Drei Spieltage vor Schluss konnte JK Nõmme Kalju die Korken knallen lassen. In der Meistriliiga holten sie dabei erstmals in der Vereinsgeschichte die estnische Meisterschaft. Am Ende kam man mit neun Zählern Vorsprung durchs Ziel. Der 33-jährige Nationalspieler Kristen Vilkmäe (114 Länderspiele für Estland) gab direkt im Anschluss, nachdem der Titelgewinn perfekt war, seinen Rücktritt nach der Saison bekannt.         

Auch in Lettland trug sich mit dem FC Daugava Daugavpils ein Neuling in die Meisterliste des Landes ein und verwies etwas überraschend die etablierten Kräfte wie Skonto Riga oder den enthronten Double-Champion FK Ventspils auf die Plätze zwei und drei.

Während der Titelgewinn für die estnischen bzw. lettischen Kicker also ein Novum war, dürfte man in Helsinki fast schon von Routine sprechen. Zum vierten Mal in Folge und zum 25. Mal insgesamt sicherte sich HJK die Krone in Finnlands Veikkausliiga.

Ein Zweitligist stiehlt allen die Show
Auch im Nachbarland Norwegen setzte sich mit Molde FK der Titelverteidiger erneut doch. "Die Jungs waren sehr konzentriert",sagte Trainer und Fussballlegende Ole Gunnar Solskjaer, der vor kurzem als erstes Mitglied der neuen "Hall of Fame" des norwegischen Fussballs aufgenommen wurde. "Es wurde viel darüber gesprochen, dass wir nicht noch einmal Meister werden könnten, aber wir haben bewiesen, dass es möglich ist."

Er wird es verschmerzen, dass sein Team weniger die Sensation dieser Saison war, sondern eher der Klub IL Hødd. Der Zweitligist aus dem im Südwesten des Landes gelegenen Städtchen Ulsteinvik sicherte sich nämlich mit einem 4:2 im Elfmeterschießen gegen Erstligist Tromsø IL als erster unterklassiger Verein seit 15 Jahren den Pokalsieg.

Bis zum letzten Spieltag musste EB/Streymur auf den Faröer zittern, ehe ein 3:2-Erfolg zum Abschluss gegen NSÍ Runavík den zweiten Meistertitel nach 2008 endgültig unter Dach und Fach brachte. "Wir haben vielleicht nicht den besten Kader, aber Spieler für Spieler das beste Team auf den Färöer", so Trainer Heðin Askham.

Ein ähnlich packendes Saisonfinale lieferten sich in Litauen Double-Champion Ekranas Panevezys und Zalgiris Vilnius. Nur ein Punkt und ein Treffer in der Tordifferenz trennte die beiden Teams vor dem letzten Spieltag. Am Ende behielt der neue und alte Meister aus Panevezys die Oberhand und sicherte sich damit den fünften Titel in Serie.

Dänemark im Takt der Top-Ligen Europas
Von einem verdienten Meister zu sprechen, fällt zweifelsohne schwer, denn egal, wer am Ende der Saison den Platz an der Sonne inne hat, hat diesen sicherlich auch verdient. In Schwedens Allsvenskan jedenfalls ist Meistertrainer Jörgen Lennartsson davon überzeugt, dass nur sein Team den Pokal in dieser Saison entgegennehmen durfte. "Wir waren an 23 von 30 Spieltagen Tabellenführer, deshalb denke ich, dass wir verdient Meister geworden sind."

Tatsächlich war IF Elfsborg über die gesamte Spielzeit das konstanteste Team und hätte schon einige Spiele vor Ende alles klar machen können. Doch die Angst vor der eigenen Courage ließ die Verfolger aus Malmö und Häcken im Endspurt noch einmal rankommen. Am Ende setzte sich aber die Mannschaft durch, die es am meisten "verdient" hat. Der enthronte Double-Sieger von 2011, Helsingborgs IF enttäuschte auf ganzer Linie und verpasste mit Rang sechs sogar das internationale Geschäft.

Der Ball rollt und rollt...
Auf der Reise durch den Norden Europas bzw. Skandinaviens dürfte dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein, dass eine der stärksten Ligen dieser Region noch nicht erwähnt wurde: die dänische Superligaen. Seit 1991 kämpfen die Teams um Rekordmeister FC Kopenhagen im Rhythmus der Top-Ligen des Alten Kontinents, daher wird der neue Meister erst im Frühsommer 2013 gekrönt. Aktuell nach 18 Spieltagen liegt Pokalsieger FC Kopenhagen bereits mit neun Punkten Vorsprung auf Titelverteidiger FC Nordsjaelland und Aalborg SK an der Spitze.           

Für die Fans des rundes Leders in der Region ist diese Situation natürlich äußerst komfortabel, denn wenn die Dänen ihren Meister im Mai gefunden haben, ist der Rest Nordeuropas gerade erst aus den Startlöchern gekommen - Langeweile kommt so sicherlich nie auf.