Ein Provinzklub mischt die Liga auf

Zu Saisonbeginn hätte das wohl kaum jemand für möglich gehalten, aber Paços de Ferreira belegt derzeit den dritten Tabellenplatz in der portugiesischen Liga und hat damit beste Chancen, sich im Jahr 2013/14 für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. In der Woche seines 40. Geburtstages gesteht Trainer Paulo Fonseca gegenüber FIFA.com ein, dass er davon träumt, die UEFA Champions League-Hymne auf der Bank des portugiesischen Provinzklubs zu hören.

Angesichts eines der kleinsten Budgets der portugiesischen Liga war das Ziel klar abgesteckt: Eine ruhige Saison spielen und so schnell wie möglich den Abstand zu den Abstiegsrängen vergrößern. Doch Paços wusste bald mit schönem Fussball zu begeistern und – was weitaus wichtiger ist – konnte einen Sieg nach dem anderen einfahren.

Besser lief es nur bei Benfica Lissabon und dem FC Porto, den beiden großen Titelaspiranten. Paços, das wegen der vielen Möbelfabriken in der Stadt den Biber als Vereinsmaskottchen hat und dem fleißigen Nager in Sachen Eifer in nichts nachsteht, hat bisher eine überragende Saison gespielt und sich in der Tabelle unter anderem vor den SC Braga, Marítimo Funchal, Vitória Guimarães und Sporting Lissabon geschoben. Selbst der Trainer zeigt sich von den bisherigen Resultaten überrascht.

"Die Freude ist natürlich groß. Ich hätte mir nie erträumt, mit 40 einen so großen sportlichen Erfolg zu feiern. Selbst in den kühnsten Träumen hätten wir das nicht für möglich gehalten. Aber es ist so gekommen und ich freue mich sehr darüber", so Paulo Fonseca gegenüber FIFA.com.

"Natürlich bin ich sehr stolz darauf, derzeit auf Platz drei zu stehen. Mehr hätte ich nie für möglich gehalten. Eigentlich hatte keiner so recht damit gerechnet. Wir sind im Laufe der Wochen als Mannschaft gewachsen, und die Spieler haben mich daran glauben lassen, dass wir etwas noch nie Dagewesenes erreichen können", so der junge Trainer.

Aber wie ist es möglich, besser aufgestellte Vereine hinter sich zu lassen? "Da kommen zahlreiche Faktoren zusammen. Zum einen ist das ein sehr bodenständiger Verein, der im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür sorgt, dass es uns an nichts fehlt. Der Klub kommt seinen Verpflichtungen nach und gibt seinen Profis alle erdenklichen Sicherheiten. Zudem habe ich eine äußerst ehrgeizige Mannschaft übernommen. Dieser Ehrgeiz ist der Grund unseres Erfolges", so Paulo Fonseca. 

Die Champions League-Hymne
Bis zum vergangenen Wochenende haben sich die Verantwortlichen von Paços de Ferreira zu einer möglichen Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb stets bedeckt gehalten. Als Saisonziel wurden 38 Punkte ausgegeben, die mit dem Sieg gegen Vitória Setúbal erreicht wurden. Und nun? Wie weit können die Biber noch kommen?   

"Der Ehrgeiz ist unverändert. Jetzt, neun Spieltage vor Saisonende, sind wir in einer äußerst privilegierten Lage und müssen nicht extra betonen, dass wir diesen Kampf bis zum Ende annehmen werden. Ob wir nun am Ende auf dem dritten, vierten oder fünften Platz landen, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, dass wir die beste Platzierung erreichen wollen, die Paços jemals hatte. Wenn uns das gelingt, haben wir einen Platz in Europa sicher. Daran besteht kein Zweifel", so der Trainer, bevor er zum ersten Mal vom großen Traum spricht, der die Mannschaft durch die restlichen Spieltage begleiten wird.

"Natürlich habe ich mir schon vorgestellt, wie es wäre, im nächsten Jahr die Champions League-Hymne zu hören. Träumen ist ja erlaubt, und wir glauben daran, dass es möglich ist. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht träumen sollten. Wir wissen aber auch, dass es sehr schwierig werden wird, da wir uns gegen Mannschaften behaupten müssen, die mit ganz anderen Voraussetzungen und Zielen in die Saison gestartet sind", erläutert der Trainer. 

Paulo Fonseca, der in dieser Woche seinen 40. Geburtstag feierte, ist in der ersten portugiesischen Liga ein absoluter Neuling und debütierte erst in der laufenden Saison als Trainer. "Ich hatte das Glück, zu einem bodenständigen Verein zu kommen und das Team vorzufinden, mit dem ich jetzt arbeite. Das ist der Schlüssel meines Erfolges. Wenn die Ergebnisse stimmen, ist auch die Anerkennung da", so der Trainer, der bereits über die laufende Saison hinausdenkt. 

"Ohne mir allzu viele Sorgen um die Zukunft zu machen – denn als Trainer weiß man, dass auf Erfolge schnell Misserfolge folgen können – haben wir alle natürlich unsere Ambitionen. Ich träume davon, eines Tages einen großen Verein zu trainieren und in Ligen tätig zu sein, die eine Herausforderung für mich darstellen. Ich würde sehr gerne in England oder Spanien arbeiten. Dieser Gedanke ist aber momentan noch sehr weit weg, zumal ich noch über ein Jahr Vertrag habe und mich zunächst einmal mit Paços für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren möchte. Nur darauf konzentriere ich mich derzeit", versichert er.